Ehemaliger Neonazi

11. Oktober 2019 17:46; Akt: 11.10.2019 17:46 Print

«Ich habe mich geprügelt, um Frust abzulassen»

Hitler-Tattoos und Prügeleien: Pascal Brändle war jahrelang in der Neonazi-Szene. Mittlerweile hat er dank dem Kampfsport den Ausstieg geschafft.

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«Der Unfall hat mir den Boden unter den Füssen weggezogen, mein Leben geriet komplett aus den Fugen», sagt Pascal Brändle gegenüber TVO. Der 32-Jährige verbrachte seine Kindheit in der St. Galler Gemeinde Mosnang, absolvierte dort eine Metzger-Lehre und gründete daraufhin seine eigene Firma. 2009 passierte dann das einschneidende Ereignis: Beim Holzhacken im Wald fällt ein Baum auf das linke Bein des Ostschweizers und zertrümmert es vollständig. Es folgen Dutzende Operationen, der Konkurs des Unternehmens und Depressionen. «Auf einen Schlag konnte ich nichts mehr machen. Das zehrt sehr an der Psyche.» Halt fand er damals in der Neonazi-Szene.

Hitler- und Hakenkreuz-Tattoos

In den darauffolgenden Jahren standen Prügeleien auf Brändles Tagesordnung. Durch die Gewalttaten habe er einen Weg gefunden, seinem Frust freien Lauf zu lassen, so Brändle zu TVO. Adolf Hitler, Hakenkreuze und andere Nazisymbole waren in Form von Tattoos auf seiner Haut zu sehen. Als ihm dann wegen einer Schlägerei das Gefängnis drohte, entschloss sich der Mosnanger, sein Leben zu ändern. «Mir ging es ohnehin schon schlecht, ich wollte mein Leben nicht komplett ruinieren.»

Er fand einen anderen Weg, seine Aggressionen zu lenken und abzubauen: Täglich trainiert er in Schlieren mehrere Stunden lang für MMA-Kämpfe (Mixed Martial Arts). Die Vollkontakt-Kampfsportart ist ein Mix aus diversen Schlag- und Tritttechniken, unter anderem des Boxens, Kickboxens und Karate. Für Brändle ist es die neue Leidenschaft in seinem Leben.

Mit Kampfsport aus der Neonazi-Szene

Die Trainingspartner kommen aus verschiedensten Kulturen und Ländern. Für den Ex-Neonazi ist das heute kein Problem mehr. «Wir sind hier ein richtiges Multikulti-Gym, da holt auch mal einer den Gebetsteppich während dem Training raus. Extremes Gedankengut hat hier keinen Platz», sagt Trainer Rafael Perlungher gegenüber TVO. Er ist überzeugt, dass Pascal Brändle mit seiner Vergangenheit abgeschlossen hat.

Dass der 32-Jährige in der Sportart Erfolg hat, sagt nicht nur sein Trainer: Kürzlich holte er sich den Landesmeistertitel im Fürstentum Liechtenstein. Die Tattoos hat er mittlerweile überstechen lassen. Auch gekämpft wird nur noch mit Leuten, die das wollen. Brändle ist froh, mit Überzeugung sagen zu können, dass er mit dem rechtsextremen Gedankengut nichts mehr zu tun hat.

(mwa)