St. Gallen

15. Oktober 2019 14:28; Akt: 15.10.2019 14:29 Print

«Ich habe mir den Verzicht intensiv überlegt»

Die St. Galler Regierungspräsidentin Heidi Hanselmann wird sich an den nächsten kantonalen Wahlen nicht mehr Aufstellen lassen. Die Partei dankt ihr für die geleistete Arbeit.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Nach 16 Jahren in der Regierung des Kantons St. Gallen hat sich
Regierungspräsidentin Heidi Hanselmann entschieden, bei den
nächsten kantonalen Wahlen vom 8. März 2020 nicht mehr anzutreten. Das teilte die SP des Kantons St. Gallen am Dienstag mit.

Hanselmann sass von 1996 bis 2004 im St. Galler Kantonsrat. 2004 eroberte die Logopädin den zweiten Sitz der SP in der Regierung zurück. Sie leitet das Gesundheitsdepartement. 2008 und 2014 war sie St. Galler Regierungspräsidentin. Dieses höchste Amt bekleidet die 58-Jährige noch bis Ende der Amtsdauer im Mai 2020.

Seit 2005 ist Heidi Hanselmann zudem im Vorstand der kantonalen Gesundheitsdirektoren der Schweiz (GDK); seit 2016 ist sie Vizepräsidentin und seit diesem Jahr Präsidentin dieses national Gremiums.

SP würdigt Leistungen Hanselmanns

«Wir bedauern es ausserordentlich, dass Heidi Hanselmann nicht mehr antritt», sagte Max Lemmenmeier, Präsident der SP des Kantons St. Gallen, auf Anfrage von Keystone-SDA. Die Partei danke ihr für ihre überdurchschnittliche Einsatzbereitschaft für die Gesundheitsversorgung im Kanton St. Gallen und für die nationale Gesundheitspolitik.

Über die Nachfolge wollte die SP am Dienstag noch nicht reden.
«Heute stehen die Leistungen von Heidi Hanselmann im Zentrum», so Lemmenmeier. Die St. Galler Spitalpolitik sei bei ihrem Amtsantritt völlig blockiert gewesen, schreibt die SP in ihrem Communiqué.

Heidi Hanselmann sei es gelungen, diese wieder auf einen konstruktiven Weg zu bringen und die öffentlichen Spitäler mittels konsequenter Netzwerkstrategie und Leistungskonzentration entscheidend weiterzuentwickeln. Zu ihren grössten politischen Erfolgen zählt die Partei die Überwindung des 15-jährigen Baumoratoriums mit den Spitalneubauvorlagen 2014.

Wieder Spitalschliessungen im Raum

Hanselmann übernahm in der Regierung das Gesundheitsdepartement von Anton Grüninger. 2004 hatten die Stimmberechtigten den CVP-Regierungsrat abgewählt. Kurz vor dem Start des Wahlkampfs hatten die zuständigen Verwaltungsräte die mögliche Schliessung der Spitäler in Altstätten, Flawil und Wattwil angekündigt.

Auch 2019 stehen wieder Spitalschliessungen in Raum. Im Mai 2018 stellte der Verwaltungsrat der St. Galler Spitalverbunde ein
Konzept vor, das die Schliessung der fünf Spitäler in Altstätten,
Flawil, Rorschach, Wattwil und Walenstadt aus finanziellen Gründen vorsieht. Ein Lenkungsausschuss hat inzwischen eine Spitalstrategie ausgearbeitet. Noch diesen Monat wird die Regierung einen Vernehmlassungsentwurf vorlegen.

Berge besteigen

Trotz schwieriger Zeiten wolle sie die vergangenen 16 Jahre nicht
missen, sagte Heidi Hanselmann gegenüber Keystone-SDA: «Ich habe mir den Verzicht auf eine Wiederwahl sorgfältig und intensiv
überlegt.» Eine fünfte Amtsdauer als Regierungsrätin wäre heute
sehr aussergewöhnlich, besonders im Gesundheitsdepartement.

Sie habe noch Energie und Leidenschaft, etwas Neues anzupacken. Zuerst werde sie aber noch mit ganzer Kraft die Amtsdauer beenden. «Dann werde ich mit Sicherheit einige hohe Berge besteigen», sagte die passionierte Bergsteigerin. Ob sie in die Politik zurückkehren wird, lässt sie offen.

Fest steht, dass in einem Monat ein ausserordentlicher Parteitag
der SP für die Nomination der Regierungsratskandidaten stattfindet. Fredy Fässler, der zweite Vertreter der SP in der St. Galler Regierung, dürfte gesetzt sein. Der 60-jährige Jurist wurde 2012 in die Exekutive gewählt und steht dem Sicherheits- und
Justizdepartement vor.

Auch FDP und CVP gefordert

Bereits in der kommenden Woche treffen sich die FDP-Delegierten. Die Parteileitung unterbreitet ihnen am 24. Oktober in Uznach ein Zweierticket für die Nachfolge von FDP-Regierungsrat Martin Klöti. Sie schlägt den Delegierten Christine Bolt, stellvertretende Leiterin der St. Galler Tagblatt AG, und Kantonsrat und Fraktionspräsident Beat Tinner vor.

Auch bei der CVP steht eine Vakanz an: Falls Benedikt Würth als
Ständerat bestätigt wird, verlässt der Finanzchef Ende der Amtszeit die St. Galler Regierung. Die CVP nominiert ihre
Regierungsratskandidaten am 22. November.

Die St. Galler Regierung setzt sich aktuell aus zwei SP-, zwei CVP-, zwei FDP- sowie einem SVP-Mitglied zusammen.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • TomTom am 15.10.2019 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Gute Entscheidung, eine der Personen welche 80 Millionen Franken in einen Neubau steckten und am Tag der Eröffnung merkte, das es sich nicht rendiert und die Übung stoppte!

    einklappen einklappen
  • Florian Züttel am 15.10.2019 11:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Höchste Zeit

    Höchste Zeit, dass dieser Rücktritt erfolt ist. 16 Jahre sind mehr als genug und die St. Galler-Spitalpolitik erfährt endlich neuen Wind. Dem Rücktrittsbeispiel sollte nun auch Paul Rechsteiner folgen.

    einklappen einklappen
  • Typhoeus am 15.10.2019 11:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich folgen viele Politiker

    diesem guten Beispiel.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Argus am 16.10.2019 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War überfällig

    Dieser Entscheid wäre schon lange fällig gewesen Frau Hanselmann. Ich wünsche Ihnen alles Gute, bin aber nicht traurig, dass Sie die St. Galler Regierung verlassen. Vielleicht bringt ihre Nachfolgerin oder ihr Nachfolger erwas Ordnung und Effizienz ins Gesundheitswesen.

  • Donald am 15.10.2019 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fake news

    Schade, war eine Vollblut Politikerin mit dem Herzen am richtigen Fleck, kompetent und Weltoffen.

    • Seya am 15.10.2019 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Wie bitte!!!!

      Wer's glaubt wird selig.

    • Breiti am 15.10.2019 22:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Donald

      Habe schon bessere Schönschwätzereien gelesen!

    • RS am 16.10.2019 09:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Donald

      Vollblut nützt auch nichts , wenn man so viele Fehler macht

    • Daisy am 16.10.2019 17:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Donald

      Ja, offen für die ganze Welt, jetzt sehen wir, was wir davon haben, also ich kann da nichts rühmen an ihr

    einklappen einklappen
  • Konrad Schläpfer Berneck SG. am 15.10.2019 18:20 Report Diesen Beitrag melden

    Wann geht Fredy Fässler endlich?

    Wann geht endlich der St. Galler Justizdirektor, ein Parteikollege von Frau Hanselmann?

  • Sepp am 15.10.2019 18:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steuern finanzieren Totalversagen

    War auch Zeit. Ich mache einen Vergleich zur Privatwirtschaft; ich stelle eine neue Fabrik auf, eine Investition mit einer Laufzeit von Minimum 20 Jahren. Einen Tag vor der Eröffnung merke ich, ups ich habe mich in meiner Berechnung verrechnet. Man kann sicher sein, man hätte mich am gleichen Tag samt Stuhl rausgeworfen. In der geschützten Anstalt Staat passiert das nicht, man erhält noch von den Parteifreunden Applaus. Und wie wird das systematische und wesentliche Geldverbrennen in der Steuerhölle SG finanziert, ua mit Pendlerabzug Begrenzung etc etc, rsp mit einfach zu hohen Steuern!

    • Grabser am 15.10.2019 19:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sepp

      Auf den Punkt gebracht! Millionen von Steuergeldern BEWUSST vernichtet! Besten Dank.

    • Mawi am 16.10.2019 20:29 Report Diesen Beitrag melden

      Schwach

      Guter Kommentar. Jetzt wo es dann ernst wird mit den Spitalschliessungen tritt sie ab. Schwache Leistung!

    einklappen einklappen
  • Wattwiler am 15.10.2019 17:53 Report Diesen Beitrag melden

    Vielen Dank

    Heisst das im Spital Wattwil wieder operiert wird ? Danke.