Benken SG

16. Februar 2020 17:52; Akt: 17.02.2020 11:01 Print

«Ich pinkle ihn an, damit er mir nichts antut»

Landwirt Pius Kamer pflegt eine spezielle Beziehung zu seinem 15-jährigen Muni Gospel. Dazu gehört auch, dass er sein Tier regelmässig anpinkelt.

Bildstrecke im Grossformat »
Der 15-jährige Muni Gospel hat rund 270 Nachkommen. Das nächste Kalb ist schon unterwegs und ans Aufhören denke der Stier weiterhin nicht. Nebst dem beachtlich hohen Alter, ist auch die Beziehung zwischen dem Stier und dem Landwirt Pius Kamer speziell. «Ich pinkle meinen Stier regelmässig an. Ich mache das ein- bis zweimal im Monat», so Kamer zu 20 Minuten. Dadurch habe der Landwirt eine sehr enge Bindung zu seinem Muni. Ein alter Bauer habe ihm das Anpinkeln empfohlen. Schon nach kurzer Zeit habe er gemerkt, wie sich das Verhältnis zu Gospel festigte. Nicht selten seien Bauern schon wegen Stieren unnötigerweise gestorben, so der Landwirt. «Ich bin mit sicher, dass Gospel mir nie etwas antun würde», so Kamer. Im November 2018 stach in Australien wortwörtlich ein Stier aus der Menge. Mit 194 cm Schulterhöhe überragt der australische Stier Knickers seine Artgenossen um mehr als das Doppelte. Was auf den ersten Blick nach schlechtem Photoshop ausschaut, ist eine Laune der Natur. Knickers darf sich rühmen, der grösste je in Australien gemessene Stier zu sein. Weil Knickers in frühen Jahren schon aus der Herde herausragte, liess ihn sein Besitzer länger am Leben. Normalerweise verkauft Pearson seine Tiere im Alter von drei Jahren an den Schlachthof. Knickers hat es im Jahr 2018 in sein siebtes Lebensjahr geschafft. Doch noch im Oktober 2018 habe er versucht, Knickers zu verkaufen, sagt sein Besitzer. Doch der Schlachter habe ihm mitgeteilt, dass das Tier zu gross und zu schwer sei für die Schlachtbank.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der 15-jährige Muni Gospel aus Benken SG hat rund 270 Nachkommen. Alle Kälber sind ohne künstliche Befruchtung zustande gekommen, wie der Ostschweizer Regionalsender TVO am Freitag berichtet. Das nächste Kalb ist auch schon unterwegs und ans Aufhören denkt der Stier noch nicht. Nebst dem Muni leben im Stall von Landwirt Pius Kamer dreissig Kühe, wovon rund zehn die Sprösslinge von Gospel sind.

Umfrage
Magst du Tiere?

Der rund 1,2 Tonnen schwere Stier ist mit 15 Jahren doppelt so alt, wie die übliche Lebenserwartung seiner Artgenossen. «Im Sommer ist Gospel den ganzen Tag an der frischen Luft. Wenn das Wetter mitspielt, bleibt er sogar die ganze Nacht auf der Weide», begründet Kamer das hohe Alter. Der Landwirt meint auch, dass dem Muni das Auslaufen mit den Kühen zusammen gut tue.

Enge Bindung durchs Anpinkeln

Nebst dem beachtlich hohen Alter ist auch die Beziehung zwischen dem Stier und dem Bauern speziell. «Ich pinkle meinen Stier regelmässig an», so Kamer zu 20 Minuten. Dadurch würde ihn der Stier als Mitglied der Herde akzeptieren. So sei es auch mit den Kühen. Komme eine neue Kuh in die Herde, laufe der Stier ihr nach, bis sie uriniert. Dann rieche der Stier daran und merke sich den Geruch. So nehme er sie quasi in die Herde auf und wisse zukünftig durch die Ausdünstung, welche Tiere zu ihm gehören.

Ein alter Bauer habe Kamer das Anpinkeln empfohlen. «Ich musste damals auch Lachen. Doch dann habe ich es einfach ausprobiert», erzählt er. Schon nach kurzer Zeit habe er gemerkt, wie sich das Verhältnis zu Gospel festigte. «Anfangs hat der Muni direkt die Nase in den Urin-Strahl gehalten», so Kamer. Mittlerweile würde der Stier nur kurz die angepinkelte Stelle beschnuppern.

Nicht selten seien schon Bauern wegen unerwarteten Angriffen von Stieren gestorben, so der Landwirt. Ein Bekannter sei bereits zweimal durch einen Stier schwer verletzt worden. Daher empfehle er das Anpinkeln auch seinen Freunden. Doch diese würden die Idee verrückt finden. «Ich bin mir aber sicher, dass Gospel mir nie etwas antun würde», so Kamer.

(gab)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rob62 am 16.02.2020 18:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Feste Bindung

    Geht das bei Menschen auch?

    einklappen einklappen
  • Dr. Brko am 16.02.2020 19:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Habs heute ausprobiert!

    Bin wieder solo...

    einklappen einklappen
  • Lise Lotte am 16.02.2020 18:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natur pur

    Absolut richtig, wegen des Geruchs. Habe meine Hunde auch immer an meinem Intimbereich schnüffeln lassen bis Sie wussten wer ich bin. Urin ist ein stärkerer Botenstoff als sonstige Hautausdünstungen, Tiere gehen immer über diesen Geruch um jemanden in Ihr "Repertoire" aufzunehmen. Aber klar das Menschen die sich nicht als eine weitere Tiergattung sehen dieses Verhalten "eklig" finden. Dabei ist es bloss Natur pur.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hell E-Barde am 17.02.2020 23:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    scheint auf alle Fälle

    artgerechter zu sein in der Tierhaltung, wie ca. 98 Prozent der Tierhalter in der Wohnung... aber ouuu, da hab ich ein Tabuthema angesprochen... da wirds wieder Daumen nach unten hageln, von empörten Katzen- und Hundehaltern... seid ihr euch eigentlich bewusst, dass ihr mitunter zu den grössten Klimaschädlingen gehört?

  • Rosacaliis am 17.02.2020 14:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    typisch nörgeler...

    nun, evtl ist der zeitpunkt für einen solchen beitrag falsch ausgewählt. denn ganz egal was ein SCHWEIZERlandwirt zur zeit erreicht, es wierd nur negativ bewertet. vorallem mit wörter wie; subventionen und direktzahlungen, tierquäler und vergifter... jenen menschen ist leider nicht mehr zu helfen, den ihr wortschatz reicht nicht weiter, weil sie nicht wissen von was sie sprechen...

  • Roli Hälg am 17.02.2020 10:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pöbler

    Nachts wenn ihr alleine unterwegs sind allen Pöblern ans bein pinkeln dann passiert euch auch nichts.

  • Pascal H. am 17.02.2020 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    Beim Begriff 'golden shower' denke ich

    immer an der Song 'Bobby Brown' von Frank Zappa, der seit 40 Jahren regelmässig von hiesigen Radiostationen gespielt wird ...... wohl weil die Musikredaktoren den Text nicht wirklich verstehen. Ein genialer Song!

  • bauersmann am 17.02.2020 10:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so ises

    alt... aber wahr . hat unser Großvater uns buben schon gesagt. wir waren vier jungs und wurde nie von unserem "apparat" atakiert. im gegenteil