Uzwil SG

25. August 2017 05:45; Akt: 25.08.2017 05:45 Print

«Ich werde alles tun, damit du stirbst»

Die 15-jährige Tochter von Claudio Raschle erhielt im Internet Morddrohungen. Der Vater behielt das Kind darauf zu Hause. Nun liegt er mit der Schule im Clinch.

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Der 15-jährige Tochter von Cladio Raschle wurde im Internet mit dem Tod gedroht.

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«Ich werde alles tun, damit du stirbst» und «Ich werde deine Familie vernichten»: Das sind nur zwei von mehreren Drohungen, die die 15-jährige Tochter von Claudio Raschle unter ihren Posts auf Instagram vorfinden musste. Eine anonyme Person mit dem Decknamen «lini_bini_bikini» bedrohte die 15-Jährige im Internet, wie die «Wiler Nachrichten» berichten.

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Das war im vergangenen Mai. Schon zuvor war die 15-Jährige in der Schule gemobbt worden. Im vergangenen Oktober eskalierte die Situation ein erstes Mal. Aus Angst vor Übergriffen behielt Raschle seine Tochter zu Hause. Seither ist das Verhältnis zur Schule getrübt. Die Schule erteilte dem Vater eine Busse. Das Geld sei für ihn nicht das Problem, so der Inhaber einer Firma für Alarm- und Sicherheitsanlagen. Ihm fehlt schlicht das Vertrauen: «Ich hätte mir gewünscht, dass man meine Tochter wirksam schützt.»

Spur führt zu Mädchen

Nach Erscheinen der Drohkommentare im Mai behielt Raschle seine Tochter erneut zu Hause. «Die Schule bestand darauf, dass sie zur Schule geht, für ihre Sicherheit konnte man aber nicht garantieren», sagt Raschle. Er habe sich von den Schulverantwortlichen im Stich gelassen und von oben herab behandelt gefühlt.

Der psychische Zustand der Tochter verschlechterte sich währenddessen. Raschle sah nur noch einen Ausweg: die Polizei. Daraufhin seien alle Smartphones der Klasse eingesammelt und überprüft worden – ohne Ergebnis. Schliesslich gelang es den Ermittlern, die Drohungen einer IP-Adresse zuzuordnen. Die Spur führte zu einem Mädchen aus der Umgebung, einer ehemaligen Freundin der 15-Jährigen. Ihm sei ein Stein vom Herzen gefallen, sagt Raschle: «Jetzt kann man wieder zum Alltag zurückkehren.» Der Fall liegt derzeit bei der St. Galler Staatsanwaltschaft.

Vorlehre im Familienbetrieb

Zurück an die Oberstufe Uzwil will der Vater seine Tochter nicht mehr schicken. Die Art und Weise, wie man mit der Situation umgegangen sei, könne er nicht tolerieren. Auf Empfehlung des Berufs- und Informationszentrum (BIZ) meldete Raschle seine Tochter für eine Vorlehre an. «Die obligatorischen elf Schuljahre hat sie absolviert», sagt Raschle. Die Vorlehre könne sie im Familienbetrieb absolvieren. Den ersten Arbeitstag habe die Tochter auch schon gemeistert. Noch wurde das Austrittsgesuch zwar nicht angenommen, aber man hoffe, dieses Kapitel bald abschliessen zu können.

Im Schulpräsidium ist der Fall bekannt. Wegen des laufenden Verfahrens könne man dazu jedoch keine Stellung nehmen, sagt Schulpräsident Daniel Wyder. Allgemein gehe man bei Mobbing immer gleich vor. Wyder: «Die Situation wird in der Klasse besprochen. Dabei stehen Fachpersonen der Schulsozialarbeit oder in schwierigen Situationen der Kriseninterventionsgruppe des Schulpsychologischen Dienstes zur Verfügung.»

(and)