Kantonsspital St. Gallen

10. Mai 2016 05:45; Akt: 10.05.2016 10:37 Print

«Ich wurde im Spital beim Umziehen gefilmt»

Als Jessica M.* sich wegen einer Untersuchung im Kantonsspital St. Gallen umziehen musste, wurde sie gefilmt. Laut Datenschützerin ist das heikel.

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«Ich fühle mich in meiner Intimsphäre verletzt, wenn ich beim Umziehen gefilmt werde», sagt Jessica M.* Sie sei im Herbst 2015 in der Notaufnahme des Kantonsspitals St. Gallen gewesen. Dort habe sie sich in einem geschlossenen Behandlungszimmer für einen Untersuch umziehen müssen. «Erst nachdem ich das Spitalhemd angezogen hatte, bemerkte ich eine Videokamera, die an der Decke in der Ecke des Zimmers befestigt war», so M. Für sie ein Unding: «Ich wurde mit entblösstem Oberkörper gefilmt.» Als sie eine Mitarbeiterin auf die Videokamera angesprochen habe, hätte diese auch nicht gewusst, wieso dort eine Kamera montiert ist.

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Finden Sie es okay, dass in einem Behandlungszimmer gefilmt wird?
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Insgesamt 8278 Teilnehmer

«Jeder Patient, der das Zimmer nicht selbständig verlassen kann, um auf die Toilette zu gehen, hätte sogar vor laufender Kamera auf einem Toilettenstuhl oder Topf sein Geschäft verrichten müssen», so M. Nach dem Vorfall hat sie sich deshalb an die kantonale Datenschützerin gewendet: «Es darf nicht sein, dass man in einem Behandlungszimmer in so einem intimen Moment gefilmt wird.» Diese hat sich des Falls angenommen und ist mit dem Spital im Gespräch.

«Kameras dienen der Patientensicherheit»

Philipp Lutz, Medienbeauftragter des Kantonsspitals St. Gallen, bestätigt, dass es schon seit Jahren Kameras im Eingangsbereich sowie in mehreren Behandlungszimmern der Zentralen Notfallaufnahme hat. «In den Behandlungszimmern dienen die Kameras ausschliesslich der Patientensicherheit und im Eingangsbereich sowohl Patienten- als auch der Mitarbeitersicherheit», so Lutz. Es werde in allen Zimmern anhand von Piktogrammen auf die Überwachungskameras hingewiesen. «Es gibt nur Echtzeitaufnahmen, was bedeutet, dass nichts abgespeichert wird.» Die Schichtleitung der Pflege und die involvierten Ärzte hätten aber so die Möglichkeit, auch in anderen Räumen die Patienten jederzeit zu überwachen.

«Es ist wichtig, dass Patienten in geschlossenen Behandlungszimmern über Monitor überwacht werden können, da nicht immer jemand im Zimmer ist, der bei einem Notfall sofort eingreifen könnte», so Lutz. In heiklen Fällen, beispielsweise wenn ein Patient ums Überleben kämpft, werde die Kamera abgedeckt. «Wir können aber nicht jedes Mal, wenn sich jemand umziehen muss, die Kamera abdecken.» Zum konkreten Vorfall könne er keine Stellung nehmen, da ihm dieser nicht bekannt sei.

«Eine Überwachung ist unnötig»

Patientenschützerin Margrit Kessler reagiert mit Befremden auf die Überwachungspraxis im Kantonsspital St. Gallen. Sie habe noch nie von Video-Überwachungen in Behandlungszimmern gehört. «Für mich wird hier ganz klar eine Grenze überschritten», so Kessler. Selbstverständlich müsse die Patientensicherheit zu jedem Zeitpunkt gewährleistet sein. Solange sich ein Patient noch selber umziehen könne, sei eine Überwachung jedoch unnötig. «Und wenn das nicht der Fall sein sollte, ist es Aufgabe des Personals, den Patienten direkt zu betreuen. Die Intimsphäre darf nicht leichtfertig aufgegeben werden, nur weil man Personal sparen will.»

In anderen angefragten Spitälern werden die Behandlungszimmer nicht überwacht – lediglich Eingänge, Wartezonen und Aussenbereiche. Bei mehreren Spitälern sind die Kamera-Standorte und das entsprechende Reglement online einsehbar. Das Inselspital Bern etwa weist darauf hin, sämtliche Videoüberwachungskameras seien durch die Kantonspolizei und die kantonale Datenschutzaufsichtsstelle geprüft worden.

Beim Luzerner Kantonsspital heisst es auf Anfrage, Untersuchungszimmer würden nur dann liveüberwacht, wenn eine Überwachung aus medizinischen Gründen notwendig, aber etwa wegen Vorhandenseins von Strahlung nicht möglich sei. Dann werde der Patient in seinem eigenen Interesse auf die Kameras hingewiesen. Vor der Installation der Kameras seien die nötigen datenschutzrechtlichen Abklärungen vorgenommen worden.

* Name geändert

(afa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • m.Kr am 10.05.2016 06:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht ganz einfach?

    Eine kleine Umzieh Kabine oder ein Vorhang der eine Form einer Kabine hat zum zuziehen wäre eine einfache Lösung... Und es ist wie bei den meisten so, in Unterhosen gesehen zu werden ist ein Skandal aber im Sommer in der Badi dann noch weniger anhaben...

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  • Reto Patrick am 10.05.2016 07:00 Report Diesen Beitrag melden

    Absolut kein Problem

    Was haben gewisse Leute nur für Probleme! Ich war vor 4 Monaten 3 Wochen dort und auch in der Notfallaufnahme. Ich habe das Schild "Überwachungskamera" gesehen und zur Kenntnis genommen. Die Überwachungskamera habe ich im Behandlungstrakt gesehen und für mich war das gut so, auch wenn ich mich nackt ausziehen musste für das Nachthemd. Eine Stunde später lag ich tief schlafend im OP und war weitere Stunden später dankbar das es mir besser ging. Und fertig is.

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  • Spyy83 am 10.05.2016 06:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wir sind selberschuld

    leider machen wir menschen die videoüberwachung vielerorts notwendig. sei es wegen vandalismus, gewaltärigkeiten oder zum schutze von mitarbeitern. wäre nicht das erstemal, dass jemand der sexuellen belästigung bezichtigt wird und dann aussage gegen aussage steht. wobei man als mann oft die schlechteren karten hat. und gerade das notfallteam in spitälern wird auch oft mit aggressiven besoffenen konfrontiert. ist schlimm das unsere gesellschaft so tief gesunken ist, dass solche dinge erst notwendig werden. ich mache mir um die gesellschaft mehr sorgen als um kameras.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Andrea Mordasini am 11.05.2016 23:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kameras dienen der Sicherheit

    Ich finde, da wird unnötig etwas aufgebauscht und übertrieben. Die Aufnahmen dienen ausschliesslich der Sicherheit der Patienten. Was, wenn einer Patientin im Zimmer etwas zustösst, ihr schlecht wird und sie bewusstlos zu Boden fällt? In so Situationen könnte dieser Dank der Aufnahmen unverzüglich geholfen werden. Für mich machen die Kameras daher einen Sinn, genau so wie in Parkhäusern etc.. Sie sind auch fürs Pflegepersonal sinnvoll, denn in der Notaufnahme kanns mit betrunkenen und/oder mit Drogen zugedröhnten Patienten brenzlig werden...

  • Notfall Gast am 11.05.2016 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheit, Kosten, Privatsphäre

    Mit knappem Personal ein Maximum an Sicherheit bieten, immer bereit stehen, keine Fehler machen und Menschen in Ausnahmesituationen gerecht werden das ist es, was die Mitarbeitenden in einer Notfall-Aufnahme tagtäglich leisten! Die Videobilder unterstützen das Personal dabei, die schwierige Arbeit konzentrierter und sicherer zu erfüllen. Die Übersicht zu behalten, kann Leben retten.

  • Flöru S. am 11.05.2016 01:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Welch ein Schreck!

    Oberkörper, Unterleib, sehr Schlimm, sehr Schlimm.

  • Marko J. am 10.05.2016 14:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kürzlich

    Ich musste kürzlich ebenfalls in die Notaufnahme im Kantonsspital SG wegen verdacht auf Lebensmittelvergiftung. Als ich im Behandlungszimmer war und auf die Ärztin warten musste, wurde es mir so schlecht und ich musste stark erbrechen. Daraufhin kam sofort jemand rein um zu helfen (Dank dieser Kamera) wurde ich also gesehen.

    • Anonym Pflege am 10.05.2016 14:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Marko J.

      Sie waren auch ein sehr netter und verständnisvoller Patient, danke Ihnen, ist nicht selbstverständlich! Passen Sie weiterhin gut auf sich auf, sonst wissen Sie ja, wo wir sind!

    • Ebenfalls zufriedener Patient am 10.05.2016 14:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Marko J.

      Jessica M. hat wahrscheinlich Probleme, braucht Aufmerksamkeit! Ich denke, sie sollte an sich selber arbeiten.

    • Birdy am 10.05.2016 16:31 Report Diesen Beitrag melden

      Pech mit der Pflege

      Ich wurde von einer Deutschen (hatte glaub einen schlechten Tag) extremst übel behandelt nie mehr ans KSSG. Handschuhe wurden auch nicht benutzt und mein Blut tropfte auf ihre Hände.

    • LadyVampire:-o am 10.05.2016 18:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Birdy

      Das war keine Pflegede, das war ich! Nicht bemerkt, ich, Lady Vampire, könnte gut sein, Du verwandelst Dich beim nächsten Vollmond ebenfalls, pass gut auf und ein Tipp: Bitte weniger gewürzte Speisen essen, Dein Blut ist etwas zu salzig.

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  • Nurse am 10.05.2016 13:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Haha

    Tolle Idee das wenn die Patienten es wirklich nötig haben überwacht zu werden dies das personal direkt gewährleisten soll! Arbeitet mal in einer Notaufnahme wo täglich 150 patienten durchgeschleuchst werden!...

    • Päulu am 10.05.2016 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nurse

      deswegen sind viele die dort arbeiten so unfreundlich? In unserem Spital wird man oft abschätzend und komisch behandelt, leider nicht nur meine Erfahrung.

    • 1945ger am 10.05.2016 20:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nurse

      Päulu? Freundlich/unfreundlich..obs wohl das Echo ist vom Patienten..habe schon div.Spitalerfahrung (THUN) war/bin immer stiller Stauner mit was für Geduld/Worten/Einfühlsam gearbeitet wurde/wird..Junge/Älter pflegende..unter enormen Zeitdruck.. Ein ganz herzliches DANKESCHÖN ..

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