Streit um Patientin

19. September 2018 21:55; Akt: 19.09.2018 21:55 Print

«Jeder Spender zählt und das SRK stellt sich quer»

Um die Schweizerin, die Stammzellen für ihre kranke Mutter sucht, ist ein Streit entbrannt. Das SRK rät davon ab, sich im Ausland typisieren zu lassen. Die kritisierte Organisation ist empört.

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«Personen, die in der Schweiz wohnhaft und krankenversichert sind, sollten sich nicht grenzüberschreitend registrieren lassen», heisst es in einem Mail der Blutspende-Firma des Schweizerischen Roten Kreuzes SRK an 20 Minuten. Diese beruft sich auf den Artikel über Sabrina Ricchello, die Hilfe für ihre an Leukämie erkrankte Mutter suchte und bei der österreichischen Organisation Geben für Leben fand. Die Organisation wirbt für eine sogenannte Typisierung potentieller Spender am 22. September in Dornbirn im Namen des zweijährigen Leonhard – und der von akuter Leukämie betroffenen Schweizerin Brigitte Ricchello.

Auch Geben für Leben erhielt ein Mail vom SRK. Darin werden die Österreicher aufgefordert, sich künftig nicht mehr an spendenwillige Schweizer zu wenden. «Zudem bitten wir Sie, den Hinweis auf Ihrer Website zu entfernen, dass sich Personen innerhalb eines Radius von 50 km ab der Staatsgrenze bei Geben für Leben registrieren können», heisst es wörtlich. Als Begründung werden administrative und versicherungstechnische Punkte angeführt.

SRK rudert zurück

Bei Geben für Leben ist man irritiert über die Haltung der Schweizer. Schliesslich habe man sich des Falles von Brigitte Ricchello einzig deshalb angenommen, weil ihr das SRK nicht in nützlicher Frist habe helfen können. «Jeder Spender zählt und das SRK stellt sich quer», so eine Mitarbeiterin der Organisation.

Von 20 Minuten angesprochen ruderte man am Mittwoch beim SRK zurück. Das Schreiben sei teils vielleicht etwas zu forsch geraten, räumt eine Mitarbeiterin gegenüber 20 Minuten ein. Dennoch sei die Frage der Kosten und des Versicherungsschutzes für potenzielle Schweizer Spender in Österreich ungeklärt.

Wirtschaftliche Motive?

Bei Geben für Leben klingt es anders: Alle Spender seien für den Fall versichert, dass ihnen bei der Aktion etwas zustossen sollte. Auch die Spesen seien gedeckt: «Wenn es zu einer Spende kommen sollte, übernehmen wir sämtliche Kosten», sagt Susanne Marosch, Leiterin von Geben für Leben.

Die ehemalige Schweizer Patientenschützerin und alt Nationalrätin (GLP) Margrit Kessler hat kein Verständnis für die Haltung des SRK. Sie glaubt: «Das SRK betreibt Heimatschutz, womöglich aus wirtschaftlichen Überlegungen.» Angebracht wäre laut Kessler aber eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit. «Bei den Organspenden funktioniert das schliesslich auch», so Kessler.

Das SRK bestreitet wirtschaftliche Motive: Man wolle bloss verhindern, dass Leute aus der Schweiz extra wegen einer Spende ins Ausland reisen müssten und mehrere Wochen für administrativen Aufwand verstreichen würden. Dazu Susanne Marosch: «Wenn jemand Leben retten will, ist die Entfernung zweitrangig.» Der administrative Aufwand beschränke sich in Österreich zudem bloss «auf ein bis zwei Tage».

(20m)