Kesb-Fall Rapperswil

07. November 2014 05:46; Akt: 21.04.2016 12:12 Print

«Kinderbehörde ordnete faktisch Entführung an»

Der ehemalige Amtsarzt von Rapperswil wollte dem achtjährigen Samuel* helfen, der von der Kesb mitgenommen wurde. Jetzt äussert er schwere Kritik an der Behörde.

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Seit dem 7. Februar weiss die 41-jährige Denise Keller aus Jona nicht, wo ihr Samuel* ist. Grund: Die Polizei hat ihn im Auftrag der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) Linth im Schulhaus Weiden abgeführt. (Bild: Katharina Wernli Phothography)

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Bernd Lagemann ist ehemaliger Amtsarzt von Rapperswil und betreute die Familie von Denise Keller, deren Sohn am 7. Februar von der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Linth (Kesb) mitgenommen wurde. Laut der Mutter begründete die Kesb ihr Vorgehen damit, dass sie zu 100 Prozent arbeite und sich deshalb nicht um ihren Sohn kümmern könne. Seither weiss sie nicht, wo ihr Sohn ist. Keller hatte sich an Lagemann gewandt, weil es zum Streit um das Besuchsrecht mit dem Vater gekommen war.

Für Lagemann war klar, dass die Besuche des Vaters dem Sohn geschadet haben. «Das äusserte der Knabe nicht nur direkt, sondern es gab nach Vaterbesuchen auch eindeutige psychische und körperliche Anzeichen», sagte Lagemann zu den «Obersee-Nachrichten». Für ihn war sofort klar, dass die Besuche ein Ende haben mussten. Doch die Kesb habe seine Diagnose nicht anerkannt. Mehr noch: Die zuständige Frau habe behauptet, er sei gar kein Arzt.

Kesb beschwert sich beim Vorgesetzten

Sie habe die Vaterbesuche einfach weiterlaufen lassen. Damit habe sie ihre Kompetenzen überschritten, sagt der ehemalige Amtsarzt. Verzweifelt habe er dann versucht, eine Stelle zu finden, die der Kesb übergeordnet ist. «Ich wollte mitteilen, dass die Kesb-Leiterin ihre Kompetenzen überschreitet.» Doch weder das Sozial- und Justizdepartement noch die Staatsanwaltschaft in Uznach hätten sich verantwortlich gefühlt. «Die Kesb hat eine ungeheure Macht. Und wenn sie inkompetent agiert, kann man unmittelbar nichts dagegen tun.»

Als Samuel an einem Wochenende an Masern litt, reichte es Lagemann. «Ich stellte eine amtsärztliche Verfügung aus, damit er an dem Wochenende nicht zum Vater konnte.» Die Kesb-Leiterin habe noch behauptet, der Knabe habe gar keine Masern. «Jeder weiss, wie das aussieht», sagt Lagemann. Die Kesb habe seinen Entscheid akzeptieren müssen. Beschwert habe sie sich trotzdem – und zwar bei seinem Vorgesetzten, dem Kantonsarzt Markus Betschart. Dieser habe ihm gesagt, dass er die Kesb nicht mehr in Frage stellen solle.

«Schikanöse Art»

Für den 67-Jährigen ist klar, dass es nur ums Rechthaben ging. «Die Kesb konnte nicht akzeptieren, dass Fehler begangen wurden, und wollte ihre Macht auf schikanöse Art durchsetzen.» So habe die damalige Kesb-Leiterin nach einem Gespräch mit dem Kind behauptet, es wolle den Vater besuchen. «Gegenüber mir sagte der Junge aber, dass er das Gegenteil gesagt habe», so der ehemalige Arzt. Als er die Kesb-Leiterin darauf ansprach, soll diese gesagt haben, dass man kleine Kinder nicht ernst nehmen könne. Für Lagemann ein weiteres Zeichen, dass die wahre Bedrohung für das Kind die Kesb gewesen sei. Da er die Eskalation kommen sah, kontaktierte er fünf Wochen bevor Samuel in der Schule abgeholt wurde, die Polizei. «Ich bat darum, mir sofort Bescheid zu geben, falls sich die Kesb an die Polizei wendet», sagt er. Die Polizei sei nicht gross darauf eingegangen. Deshalb trägt sie für Lagemann eine Mitschuld am Verschwinden des Achtjährigen. «Es ist auch als Staatsangestellter nicht verboten, Zivilcourage zu zeigen.» Er habe der Polizei gesagt, dass der Junge bei der Mutter nicht gefährdet sei. «Das ist faktisch eine Entführung, welche die Kesb angeordnet hat», sagt Lagemann. Wie für die Mutter heisst es nun auch für ihn abzuwarten, denn der Fall liegt bei der Verwaltungsrekurskommission.

Die ehemalige und die aktuelle Kesb-Führung wollten keine Stellung nehmen.

*Name geändert

(jeh)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pop am 07.11.2014 06:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    KESB

    KESB ist leider eine Institution die Familien auseinander reißt anstatt sie zusammen zu halten.Wir haben gerade bei uns so einen Fall!!Es heißt immer zum Wohl vom Kind aber leider machen die KESB den Kindern mehr Stress als es sowieso schon hat!

  • L.G am 07.11.2014 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beschämend

    Das Verhalten einiger Schweizer Behörden ist einfach nur beschämend! Zu viel Macht und zu wenig Kontrolle, das sollte geändert werden. Wir bezahlen schliesslich das ganze und da bin ich nicht bereit, dass meine Steuern einer unkompetenten Person den Lebensunterhalt ermöglichen.

  • Reto am 07.11.2014 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesetze gegen Staatsmissbrauch

    Was fehlt sind klare Gesetze, dass ein Buerger eine Kesb und sonstige Staatsorgane, die Missbrauch begehen, endlich verklagt werden koennen und massiven Schadensersarz zahlen muessen, in Millionenhoehe. Dann hoert der Missbrauch der Behoerden auf!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Obhutszeuge am 09.11.2014 14:45 Report Diesen Beitrag melden

    Machtspiele und big business

    Machtspiele und big business innerhalb der KESB: Durch die KESB werden die 3 Betreuungen (Beirat/Beistand/Vormund) verdoppelt resp. verdreifacht und durch 6 verschiedene Beistandschaften ersetzt!!! Nicht einmal die Gesetzanwender in den Kantonen selber wissen, welche Verträge ein Betreuter überhaupt noch abschliessen darf.

  • Primoceri Elisabeth am 08.11.2014 19:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Habt Ihr wierklich nichts gelernt

    schafft die Kesb ab,die schaden mehr als das Sie was bringen.Habt Ihr nichts gelernt aus den Kindern der Landstrasse?

  • Pflegekind am 08.11.2014 10:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Hier ist dringend Handlungsbedarf....es kann nicht sein, dass die Kesp soviel Macht besitzt....ich kenne das aus meiner Kindheit! Wurde der Mutter weggenommen, mit drei Monaten und in eine Pflegefamilie gesteckt, die dringend das Geld brauchte, dass sie für mich bekamen! 7 eigene Kinder! Es geht nicht um das Wohl des Kindes...da werden gewaltige Fehlentscheidungen getroffen! Traurig aber wahr!

  • lilly am 07.11.2014 23:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    betroffen

    Habe so was ähnliches erlebt. Wollte zuerst auch in die Öffentlichkeit gehen, hatte aber angst alles schlimmer zu machen. Man geht durch die Hölle, dass kann man sich nicht vorstellen wen man es nicht selber erlebt. Es wird überhaupt nicht dem Kindswohl gehandelt, im gegenteil. Jedes Kind braucht seine Mutter(Eltern). Meine Familie ist daran fast zerbrochen. Bin jetz in Behandlung. Kesb muss man abschaffen

    • Kämpfe gegen Amtsmissbrauch am 09.11.2014 14:25 Report Diesen Beitrag melden

      auch betroffen

      Ich kann es gut nachempfinden. Auch ich erlebe aktuell die schlimmsten Schikanen durch die KESB Linth. Sie ist wie ein Krake. Einmal in den Fängen lässt man das Opfer nicht mehr los. Man wird erniedrigt bis man aufgibt und alles mit sich machen lässt. Jeder Widerstand wird sofort durch Attacken unterbunden. Dabei verletzt sie unsere Verfassung und Persönlichkeitsrechte. Amtsmissbrauch mit offenen Daten ist auch gegeben. Wer es nicht selber erlebt glaubt es nicht. Es ist die Hölle.

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  • Frank am 07.11.2014 21:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich!

    Leben wir in der Zeit als Kinder aus irgend welchen dubiosen Gründen in Kinderheime versorgt wurden, oder leben wir im Jahr 2014? Unglaublich dass niemand diese Willkür stoppen kann oder will. Leute wacht auf, so geht das heute nicht mehr!