Rheineck SG

29. April 2019 04:52; Akt: 29.04.2019 09:20 Print

Bub (14) wegen Handy in der Schule abgeführt

J. B.* ist sauer: Ihr 14-jähriger Sohn wurde kürzlich von der Polizei in der Schule abgeholt und auf die Polizeistation gebracht. Die Mutter selbst wusste nichts davon.

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«Mein Sohn wurde einfach von der Polizei aus dem Matheunterricht herausgeholt und auf den Polizeiposten gebracht», empört sich J. B.* Die 41-Jährige ist Mutter eines 14-Jährigen, der die Oberstufe in Rheineck SG besucht. Was als normaler Tag begann, änderte sich schlagartig, als B. am Vormittag des 27. März einen Anruf bekam. «Im Gespräch wurde mir mitgeteilt, dass sich mein Sohn auf dem Polizeiposten Thal befindet», sagt die Mutter.

Warum genau, habe sie allerdings erst auf dem Posten erfahren. Ihrem Sohn wurde vorgeworfen, an einem Diebstahl in der Schule beteiligt gewesen zu sein. Denn in letzter Zeit seien im Schulhaus zwei Handys entwendet worden. B. ist verärgert: «Wegen zwei Handys führt man ihn in der Schule ab und behandelt ihn wie einen Schwerverbrecher?»

Bub in eine Art «Zelle» gesteckt

Die Eltern sind sich sicher, dass ihr Sohn nichts mit dem Verschwinden der Telefone zu tun hat und es sich hierbei um ein Missverständnis handelt. Doch das Verhör gestaltete sich anders als gedacht: «Schon nach einer Stunde war es vorbei. Doch dann wurde meinem Kind angedroht, dass es über Nacht auf dem Posten bleiben müsse, wenn es nicht kooperiere», schildert die Mutter den Vorfall.

In der Zwischenzeit sei ihr Sohn festgehalten und in eine Art «Zelle» gesteckt worden. Erst einige Stunden später wurde der Mutter mitgeteilt, dass ihr Sohn entlastet sei. Wie sich herausstellte, habe ihn ein Schulkollege fälschlicherweise beschuldigt. «Ich war immer überzeugt, dass mein Sohn unschuldig ist. Doch die Art, wie mit meinem Jungen umgegangen wurde, ist inakzeptabel», sagt B. Dies hätte auch Auswirkungen auf das Privatleben des Jungen: «Er wurde von Polizisten aus dem Unterricht herausgeholt. Die Mitschüler haben das alle mitbekommen.»

«Schadet dem Ansehen der Polizei»

Dem Psychologen und Experten für Jugendgewalt Allan Guggenbühl sind selbst mehrere solcher Fälle bekannt: «Ein Bub wurde durch einen Einsatz gar so traumatisiert, dass er und seine Familie wegziehen mussten. Und das obwohl er unschuldig war.» Laut Guggenbühl sollte eine solche Taktik nochmal überdacht werden. Denn dieses Vorgehen schade nicht nur dem Kind oder Jugendlichen, sondern auch dem Ansehen der Polizei.

Bei Natel-Diebstähle oder das Entwenden eines Velos oder Töfflis, wie es etwas bei dem 13-jährigen Kilian der Fall war, sollte wenn immer möglich von einen solchen Einsatz abgesehen werden. «Das Vertrauen in die Polizei wird sonst geschwächt und nicht gestärkt», sagt der Psychologe. Er würde nur in prekären Fällen zu einer solchen Taktik raten. Generell sollten aber vorrangig die Eltern oder andere Bezugspersonen informiert werden.

Polizei verteidigt Vorgehen

Dies sieht die Polizei anders. Eine vorherige Information der Abholung eines Schülers erfolge nicht. Dies sei eine taktische Massnahme der Polizei, so Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen. «Die Abholung eines Schülers in der Schule geht sehr organisiert und diskret vor sich. Die Schulleitung wird involviert und der Schüler diskret vom Unterricht genommen. Die Polizisten waren nicht uniformiert», erklärt Krüsi.

Wie der Mediensprecher bestätigt, sei der Sohn von Familie B. von einem Mitschüler fälschlicherweise beschuldigt worden. «Wir werden von Amtes wegen den anderen Jugendlichen bei der Jugendanwaltschaft wegen falschen Anschuldigungen zur Anzeige bringen», erklärt Krüsi.

*Name der Redaktion bekannt.

(juu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chl am 29.04.2019 06:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach so...

    Warum nur kommt dann das so in die Presse, liebe Eltern, wie wollen die nun ihren Sohn stärken? Manchmal sollte eine Geschichte einfach klein gehalten werden, im Sinne des Jugendlichen. Zudem jede Geschichte hat zwei Seiten...

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  • Steffi am 29.04.2019 06:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Standpunkt Frage

    Ob traumatisch oder nicht, hängt auch vom Verhalten der Eltern ab. Wenn die Sache zur Staatsaffäre hoch geschaukelt wird......

  • John am 29.04.2019 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut

    ich wäre zu tiefst dankbar wäre die Polizei gekommen hätte das mein Sohn gemacht. Der wird nie wieder etwas stehlen! Lieber zu früh als wenn es zu spät ist wenn es um solche Lektionen geht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • F.Y.A am 30.04.2019 19:01 Report Diesen Beitrag melden

    Eifachsoohnigrenze

    Die Polizei über Ihre Macht komplett falsch aus, mit Vermutungen, Druck und Einschüchterung versuchen Sie unschuldige zu einem Geständnis zu drängen, was hat das mit Schutz der Bevölkerung zu tun, nichts. Solch ein Agressives verhalten der Polizeibeamten gegenüber minderjährigen, ist das denn wirklich notwendig? Denkst du nicht dass bei vorinformation an die Eltern auch wenn es nur schon 1h ist, die ganze Situation entspannter ablaufen würde...wo bitte schön ist die Verhältnismässigkeit zum Zuge gekommen?!?

  • FN06 am 29.04.2019 10:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Polizei

    Handy orten und schon hättet ihr denn Dieb.

  • Nina am 29.04.2019 10:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diskret

    Mit 14 weiss jeder Jugendliche was er tut und soll die Konsequenzen tragen,aber bitte diskret,bei Ladendiebstählen wird es auch diskret behandelt .

  • Jana am 29.04.2019 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    man sollte

    Wenn sich ein Schüler etwas zu Schulden gemacht was im selben Moment nicht devintiv bewiesen ist,sollte man es so diskret wie möglich machen.Schon rein wegen den ansehen von Behörden und Schüler .

  • T. Rolli am 29.04.2019 10:26 Report Diesen Beitrag melden

    Diese Mutter

    hatte die Möglichkeit, aus dem Ereignis eine positive Erfahrung zu machen. Man nennt dies Erziehung. Mein Sohn(14) musste mal als Strafe für ein Verkehrsvergehen einen Sonntag im Altersheim mithelfen. Er war stocksauer! Um 15Uhr kam er total strahlend nach Hause und verkündete, dass er zum Abendessen nochmals hin müsse, weil einige Bewohnerinnen ihn dabei haben wollten. Das Erlebnis war sehr nachhaltig für seine soziale Entwicklung. Hätte ich damals wie diese Mutter reagiert...