Grabs SG

01. Februar 2019 05:44; Akt: 06.02.2019 11:53 Print

«Menschen sind viel dümmer als Tiere»

Auf der Staatstrasse in Grabs queren fast täglich riesige Hirschrudel die Strasse. Autofahrer ohne Geduld und Fotografen auf der Pirsch sind für sie ein grosses Problem.

An dieser Stelle auf der Staatstrasse in Grabs SG gehen derzeit quasi täglich Hirsche über die Strasse. (Video: Leser-Reporter)
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«Jeden Morgen und jeden Abend sehen wir, wie Hirschrudel bei uns die Strasse überqueren», sagt eine Anwohnerin. Gemeint ist die Staatsstrasse in Grabs SG. Auf Social Media kursieren zahlreiche Videos, wie teilweise über 80 Tiere auf einmal unterwegs sind.

Für sie sei das ein schöner und sehr spezieller Anblick, jedes Mal aufs Neue. Und natürlich warte man da als Autofahrer gerne.


Zögert das Leit-Tier, gerät das Rudel ins Stocken. (Video: Leser-Reporter)

So viel Verständnis wie sie hat aber offenbar längst nicht jeder Verkehrsteilnehmer. Wie ein anderer Anwohner berichtet, würden Autofahrer teilweise sogar halb ins Rudel hineinfahren, nur weil es ihnen offenbar an Zeit fehle. Ab so viel Egoismus kann er nur den Kopf schütteln, für ihn ist klar: «Die Menschen sind so viel dümmer als Tiere.» Am Mittwoch habe sogar die Polizei eingreifen müssen.

21 Unfälle in zehn Tagen

Florian Schneider, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen bestätigt, dass es zu Problemen kommt: Eine Patrouille sei am Mittwochmorgen gegen 8 Uhr zufällig in Grabs unterwegs gewesen. Höhe Rufers konnte sie beobachten, wie ein Rudel, bestehend aus 80 Tieren, die Strasse im laufenden Verkehr habe queren wollen. «Sie haben es mehrfach versucht, doch weil die Autofahrer nicht anhielten, war das Leittier offenbar verunsichert und es traute sich nicht», so Schneider.

In der Folge wurde ein Wildhüter aufgeboten und die Strasse teils gesperrt. «Eigentlich wäre das unnötig gewesen, hätten die Autofahrer mehr Rücksicht genommen und etwas mehr Geduld gehabt», so der Sprecher. Die Polizei hat bereits diverse Massnahmen getroffen, um Autofahrer und Tiere zu schützen. So wurde etwa auf mehreren Strecken die Höchstgeschwindigkeit reduziert. In den letzten zehn Tagen kam es dennoch in der Region Werdenberg-Sarganserland zu 21 Unfällen mit Rotwild, wie Schneider sagt.

Stress fürs beste Bild

Dem Anwohner sind aber nicht nur die rücksichtslosen Autofahrer ein Dorn im Auge, sondern auch Hobbyfilmer und
-fotografen. In der Vergangenheit hätten diese die Wildtiere sogar richtiggehend gejagt und verfolgt. Man sei ihnen auch mit Autos nachgefahren. «Die Tiere so zu stressen ist daneben.»

Laut Laut Dominik Thiel, Leiter des Amts für Natur, Jagd und Fischerei im Kanton St. Gallen, ist es das Schlimmste für die Tiere, wenn man sie nicht in Ruhe lässt und sie in Stress geraten. «Stress bedeutet mehr Energieverbrauch und damit einhergehend eine Gewichtsabnahme bis zum Hungertod», so Thiel. Zudem hänge die Reproduktionsleistung im Frühling und die Immunabwehr vom Körperzustand ab: «Abgemagerte Tiere sind schneller krank und haben gar keine oder weniger Junge als starke, schwere Tiere.» Solange die Tiere aus genügend grosser Entfernung fotografiert und beobachtet würden, sei das in Ordnung. Man solle ihnen aber nicht zu nahe kommen.

Laut dem Fachmann ist in diesem Winter mehr Rotwild im Tal unterwegs als gewöhnlich. «Wegen des schneereichen und kalten Wetters über längere Zeit kommen sie vermehrt ins Tal und sind mehr in Rudel konzentriert», so Thiel. Die Tiere seien ziemlich standorttreu und sehr stark von Famililienverbänden geprägt. Es sei deshalb wahrscheinlich, dass es immer etwa die gleichen Rudel sind, die die Strasse queren. Thiel: «Mit der Länge des Winters kann sich aber die Rudelzusammensetzung ändern, es haben sich aktuell kleinere Rudel zu einem sehr grossen Rudel vereint.» Wie viele Rudel es genau gibt, kann er nicht sagen.

(taw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rene. am 01.02.2019 07:03 Report Diesen Beitrag melden

    Egoismus und 24 Stunden stress

    Schwierig um einfach mal zu sein , und das schöne um uns herum zu genießen . Für alles brauchen wir Heut zu Tage ein Trohäe , um sehen zu lassen wie gut und perfekt wir sind. Genieße mal Momenten und behalte sie für dich, auf deine innere Festplatte. Vor allem, Respektiere alles und jedem um dich herum.

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  • Eidgenossin am 01.02.2019 07:01 Report Diesen Beitrag melden

    Wunderschöne, edle Tiere

    Es ist etwas sehr schönes Rehe und andere Wildtiere so nah sehen zu dürfen.Ich wohne tief im schönen Emmental, wo meine Nachbarn nicht sichtbar sind,denn sie wohnen mehrere Kilometer von mir entfernt. Auf meinen täglichen Ausritten auf meinem Pferd gibt es Situationen wo mir das Reh sehr nah kommt und es schon fast neben meinem Pferd stand,da halte ich immer an um das Reh nicht zu erschrecken wenn ich eines sehe.Die Wildtiere nehmen zuerst den Geschmack des Pferdes wahr darum kommen sie so nah. Da ich Tiere über alles Liebe ist es für mich wunderschön sie sehen und beobachten zu dürfen.

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  • tjt am 01.02.2019 07:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Früher wegfahren

    Rücksicht kennen viele Automobilisten leider nicht. Zu spät, dann drängeln und wenn's dann knallt geht es noch länger. Also liebe Autofahrer 15 Min. früher wegfahren und alle sind weniger gestresst. Tiere wie Menschen. Gute Fahrt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Georg Hess am 01.02.2019 15:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Niemand hier ist es gewesen, gell

    Ja Ja. Auf einmal simd es wieder mal immer die Anderen die nicht warten. Hier alle schön Moralapostel spielen und sich immer und überall stets korrekt verhalten, stimmts. Ist klar. aber tolles Video, Danke

  • A. Forel am 01.02.2019 14:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selektion

    Allen die finden, dass man diese Tiere füttern sollte sei gesagt, dass gerade Winter mit wenig Nahrungsangebot für die Wildtiere, also für die Natur wichtig sind. So wird durch eine natürliche Selektion dafür gesorgt, dass sich die Überlebenden Tiere mit ihrem guten Genen fortpflanzen und so die Spezies an sich immer stärker wird. Beim Menschen läuft es leider genau umgekehrt, die Schwächsten werden verhätschelt und umsorgt und als Dank vermehren sie sich überproportional. Klingt vielleicht hart, aber der Mensch schädigt so letztendlich die Menschheit nachhaltig

  • Shredder X am 01.02.2019 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    Menschen dümmer als Tiere?

    So langsam aber sicher muss man diese Frage mit einem JA beantworten. Jedenfalls wenn man sieht, wie sich der Mensch in letzter Zeit in vielen Dingen des Lebens verhält! Man könnte auch mutmassen, dass unsere Gesellschaft langsam verblödet.

  • Der Arbeiter am 01.02.2019 13:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pünktlichkeit am morgen??

    Die Tiere sollten in ihrem Wald bleiben. Wieso wollen die überhaupt Strassen überqueren? Dezimierung der Bestände oder Einzaunen, aber ich möchte am Morgen mit meinem Auto nicht 30min stehen bleiben nur weil ein paar Bambis nicht wissen wann man gehen kann.

  • ROLAND am 01.02.2019 13:10 Report Diesen Beitrag melden

    Mensch - grösstes Raubtier

    Tiere, nur die Menschen nennen ja diese Art Lebewesen "Tiere" sind eigentlich viel vernünftiger als Menschen. Der Mensch ist das heute als grösstes Raubtier bekannt und kennt nichts.