Thurgauerin klagt an

12. März 2019 19:46; Akt: 12.03.2019 20:10 Print

«Mir wurden die Eizellen einer Fremden eingesetzt»

Gina P.* versucht durch künstliche Befruchtung schwanger zu werden. Nun erhebt sie schwere Vorwürfe gegen ihren Arzt: Er soll ihr die befruchteten Eizellen einer anderen Frau eingesetzt haben.

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«Ein eigenes Kind wäre das Schönste, was ich mir vorstellen könnte», sagt Gina P.* aus Tägerwilen TG. Die 44-Jährige versucht seit mehreren Jahren mit ihrem Mann eine Familie zu gründen. Da es auf natürliche Weise nicht klappen will, suchte sie 2015 die Klinik des prominenten Bregenzer Fortpflanzungsmediziner Herbert Zech auf. Dies, um eine In-vitro-Fertilisation durchzuführen. Doch dies habe nicht den gewünschten Erfolg gebracht – im Gegenteil. «Ich fühle mich betrogen», so P. Sie erhebt schwere Vorwürfe gegen die Klinik: «Mir wurde die befruchtete Eizelle einer anderen Frau eingesetzt.»

«Ich hatte schlaflose Nächte»

Alles habe damit begonnen, dass ihr mehrere Eizellen entnommen und davon sechs befruchtet worden sein sollen. Anfang 2016 seien ihr dann zwei davon eingesetzt und vier weitere eingefroren worden. Die gewünschte Schwangerschaft sei beim ersten Versuch jedoch ausgeblieben. «Wir liessen uns nicht unterkriegen und wagten einen weiteren Eingriff, bei dem zwei weitere Embryonen transferiert wurden», erklärt P. Sie sei in der Folge zwar schwanger geworden, habe das Kind aber durch eine Fehlgeburt verloren.

Als sie die letzten beiden Embryonen einpflanzen lassen wollte, habe der Arzt zu ihrer Überraschung gesagt, dass es keine mehr gebe. «Da wurde ich sehr skeptisch und forderte umgehend das Protokoll.» Mit diesem sei sie dann zu einem Biologen gegangen. Mit schockierendem Resultat, wie sie behauptet: «Es gebe mehrere Hinweise, dass es sich bei der künstlichen Befruchtung weder um meine Eizellen noch um die Spermien meines Mannes handelte.» Sie habe viele schlaflose Nächte deswegen. Die Situation sei für sie und ihren Mann extrem belastend.

Praxis weist Schuld von sich

Am Montag musste sich das Landesgericht Feldkirch (Ö) mit dem Fall befassen. Mit dem Schritt vor Gericht erhofft sich P., ihre verschwundenen Embryonen zurück zu kriegen. «Ich habe wahnsinnige Angst, dass eine andere ahnungslose Frau bald mein Kind in sich aufzieht», sagt sie. Ausserdem fordert sie 10'000 Euro Schmerzensgeld für die psychische Belastung.

Die Beschuldigten weisen jedoch jegliche Schuld von sich: «Ihre Sorge ist unbegründet», so Michael Konzett, Anwalt der betroffenen Klinik. Es handle sich um einen Interpretationsfehler: «Beim Ausdrucken des Protokolls kam es zu Verschiebungen, sodass die Patientin annahm, dass sechs Embryonen vorhanden sind», erklärt er. Dies sei aber nicht der Fall. «In dem elektronischen System der Praxis ist das auch klar ersichtlich», so Konzett. Man habe P. auch angeboten, Einblick in dieses System zu erhalten, doch diese habe es abgelehnt.

Dass ihr das falsche Genmaterial eingesetzt wurde, hält er für absurd. «Das ist unmöglich, heutzutage sind die Richtlinien extrem streng und alles wird doppelt überprüft.»

Prozess vertagt

An der Verhandlung am Montag wurden komplexe biologische Abläufe erörtert und Dokumentationsvorgänge erklärt. Es braucht nun weiterer Zeugen und vermutlich einen EDV-Experten, um die Vorgänge zu verstehen. Der Prozess wurde vertagt.

* Name der Redaktion bekannt


(viv)