Gaffer bei Brand

28. Januar 2020 04:44; Akt: 28.01.2020 04:44 Print

«Nicht zu fassen, wie dumm die Menschheit ist»

Bei einem Brand in Schwanden GL starb neulich ein Hausbewohner. Nun ärgern sich Anwohner über Gaffer vor der Brandruine.

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«Sie sollten sich schämen», schreibt eine Userin in einer Glarner Facebook-Gruppe. Sie sei genervt über die vielen Gaffer, die sich seit dem Brand eines Wohnhauses in Schwanden GL auf der Strasse aufhalten. Die Schaulustigen würden bis heute «auffällig langsam» an der Brandruine vorbei fahren und Fotos und Videos aufnehmen.

Für die Frau und viele weitere User ein absolutes No-Go. «Nicht zu fassen, wie dumm die Menschheit ist. Sich an einer solchen Tragödie zu ergötzen, ist einfach nur traurig.» Andere wiederum finden den Trubel um die Gaffer zu gross: «Habt ihr keine anderen Probleme?», schreibt ein Mann in den Kommentaren.

Am 22. Januar stand ein Wohnhaus in Schwanden GL in Vollbrand. Ein Bewohner erlitt schwere Verbrennungen. Die Rega flog den 45-Jährigen ins Universitätsspital Zürich. Eine weitere Person wurde tot aus der Brandruine geborgen. «Die Ermittlungen zum Vorfall laufen nach wie vor», so der Glarner Polizeisprecher Daniel Menzi.

«Gaffer sind inzwischen Normalität»

Bezüglich der Gaffer appelliert Menzi an die Vernunft der Bevölkerung. «In solchen Situationen geht es vor allem auch um die Rücksichtnahme gegenüber den Angehörigen.» Bei der Polizei seien zwar keine Meldungen eingegangen, trotzdem warnt der Mediensprecher: «Sobald durch die Gafferei der Verkehr blockiert wird oder mutwillig Privatgrundstücke betreten werden, kann das zu einer Busse oder Anzeige wegen Hausfriedensbruchs führen.» Normalerweise beruhige sich die Situation aber schon nach kurzer Zeit wieder.

Die Löscharbeiten waren in vollem Gang. (Video: Leser-Reporter)

Auch Stefan Kläui, Kommandant der Feuerwehr Glarus Süd, fallen die «Zuschauer» jeweils auf. «Gaffer sind inzwischen Normalität. Während der Einsatz noch läuft, sind meistens schon Bilder oder Videos im Internet.» Damit die Feuerwehrmänner bei der Arbeit nicht gestört werden und keine Menschen unmittelbar in der Nähe eines entsprechenden Vorfalls verletzt werden, würde man deshalb immer grossräumig absperren. «Mehr können wir nicht dagegen tun», so Kläui.

Ein Dutzend Gaffer im Kanton St.Gallen angezeigt

Dass die Gaffer-Aktionen teuer enden können, zeigen mehrere Vorfälle im Kanton St. Gallen. Nach einem tödlichen Unfall auf der A1 bei Gossau SG wurden im Juli knapp Dutzend Gaffer angezeigt, die den Unfallort während des Fahrens filmten. «Solch ein Verhalten gefährdet massiv die Verkehrssicherheit und wird nicht toleriert», meinte Florian Schneider, Sprecher der Kapo SG, damals. In der Regel handle es sich um eine Busse von 300 Franken, die Strafe könne aber auch höher ausfallen. Hinzu käme dann ein Eintrag im Strafregister und ein eventueller Entzug des Fahrausweises.

Mehrere Personen filmten im Juli den Unfallort im vorbei fahren. (Video: BRK News)

(mwa)