Getötete Andrea A.

22. Dezember 2011 14:22; Akt: 22.12.2011 17:36 Print

«Nie wäre sie ohne ihre Kinder weggegangen»

von Ilda Özalp, Untereggen - Tagelang hatte die Polizei nach der vermissten Andrea A. gesucht – nur nicht in der Nähe des Hauses. Dort fand man die Leiche nun verscharrt. Der Verdacht fällt auf den Ehemann.

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Noch ist die Frauenleiche nicht identifiziert, die die Polizei am Mittwochnachmittag in Untereggen SG gefunden hat. Doch alles deutet darauf hin, dass es sich bei der Toten um die seit dem 2. Dezember vermisste Andrea A. handelt. Sie wurde in einem Schacht auf dem Grundstück des Hauses am Hügelweg 1 in Untereggen gefunden, in dem A. mit ihren drei Kindern und ihrem Mann wohnte.

Welche Funktion der Schacht neben dem Haus hatte, kann die Kantonspolizei noch nicht sagen. «Das ist noch nicht gesichert», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen.

Der Schacht war mit Erde und Kies bedeckt gewesen und lag in unmittelbarer Nähe des Wohnhauses. Die Ermittler hatten gezielt auf dem Grundstück gesucht, um die Leiche zu finden.

Beide hatten andere Partner

Die Polizei habe relativ bald einen Unfall oder einen Suizid ausgeschlossen, so Krüsi. Ausserdem wusste man, dass die Eheleute zwar unter einem Dach wohnten, beide aber andere Partner hatten. Ein Verbrechen sei darum bei den Ermittlungen von Anfang an im Vordergrund gestanden.

Zunächst hatte sich der Fokus der Suche auf die Gegend rund um den Fundort des Autos von Andrea A. gerichtet. Ihr grauer Peugeot 807 war am Tag der Vermisstenanzeige unverschlossen in Goldach an der Tellstrasse 17 aufgefunden worden. Der Bodensee bei Rorschach, Weiher und Wälder wurden abgesucht. «Taucher, Hunde und Suchtrupps waren im Einsatz», sagt Krüsi.

Mutter hing an den drei Kindern

Als die Suche ohne Ergebnis verlief, habe man sich auf das Wohnhaus der Familie konzentriert, wo dann bald die Leiche der 43-Jährigen gefunden wurde. Der 49-jährige Ehemann Ueli A., welcher seine Ehefrau am 3. Dezember als vermisst gemeldet hatte, wurde nach dem Leichenfund verhaftet.

Im Dorf gibt es seit dem Leichenfund kein anderes Thema als die Tragödie, erzählt eine Dorfbewohnerin. Man habe gleich gedacht, dass etwas passiert sein müsse, als bekannt wurde, dass die Frau als vermisst galt. «Nie wäre sie ohne die Kinder fortgegangen, nie. Sie hing ja so an den dreien und hat sie sehr bemuttert», so die Untereggerin weiter.

Den Vater hingegen habe man kaum gekannt im Dorf. Die beiden Mädchen seien in die 1. und 6. Klasse gegangen, der Bub in die 4. Am letzten Freitag hätten sie noch im Weihnachtsspiel mitgemacht und ihr Vater habe sie begleitet. «Auch beim Christbaumverkauf war er mit den Kindern und machte einen besorgten Eindruck.»

Auto zur Vertuschung nach Goldach gefahren?

Nun jagen sich die wildesten Gerüchte über den mysteriösen Schacht beim Einfamilienhaus, in dem die Leiche gefunden wurde. Während die Polizei nicht erklären kann wozu der Schacht da war glauben viele Dorfbewohner, der Ehemann habe diesen erstellt, um die Leiche seiner Frau dort zu vergraben. Die Polizei bestätigt lediglich, dass der Ort ausgesehen habe wie eine Baustelle.

Hat Ueli A., der seit 2009 zum Kader einer Bank in St. Gallen gehört, seine Frau Andrea in der Nacht vom 2. auf den 3. Dezember umgebracht, ihre Leiche im Schacht versteckt und ihr Auto zur Vertuschung nach Goldach gefahren?

Nach dem Leichenfund gilt der Banker und Ehemann offenbar als der Hauptverdächtige im Unteregger Todesfall.