NachSchlammlawine

14. August 2015 06:02; Akt: 14.08.2015 10:07 Print

«Noch immer vermissen wir die Schildkröte»

Nach dem Unwetter vom Wochenende wurden die Tiere vom Gnadenhof Luna in Schwendi SG evakuiert. Für alle konnte eine Bleibe gefunden werden. Nur die Schildkröte wird noch vermisst.

Bildstrecke im Grossformat »
Theresia Seyffert, die Besitzerin des Gnadenhofs Luna muss ihre Tiere evakuieren... ...der Hof wurde gestern von den Schlamm- und Wassermassen des übertretenden Mühlibachs überrollt. Sie und ihr Partner hätten um ihr Leben gefürchtet und mussten die rund 60 Tiere zurücklassen. rund 60 Kühe, Schweine, Schafe, Hunde Katzen und andere Tiere hätten wie durch ein Wunder überlebt. "Ein verkeilter Baum lenkte den Grossteil des Gerölls und des Schlamms vom Stall ab", erzählt Seyffert. Am nächsten Tag wird das Grossvieh evakuiert. Die Kühe sind gebrechlich und zum Teil blind. Theresia Seyffert: "Es ist wirklich ein Wunder, dass ihnen nichts passiert ist". die alten und meist gebrechlichen Tiere hätten keinen Schaden erlitten, so die Mitarbeiter der Grossviehrettung, die um Weisstannental seit Sonntag im Dauereinsatz Einsatz steht. Dank freiwilligen Tierfreunden geht das Aufräumen und Evakuieren auf dem Gnadenhof Luna schneller. Die Zerstörung von Land ist enorm. Die Kälber werden im Tal bei befreundeten Bauern und Gnadenhöfen untergebracht. Ob die Tiere wieder in ihr Heim zurückkehren ist noch ungewiss. Zu gross sei die Sorge vor einem neuen Unwetter, so Theresia Seyffert. Einige Kleintiere suchen noch immer jemanden, der sie aufnimmt. Auch Hunde und Katzen haben nicht alle eine feste Bleibe. Wirt Meinrad Gmür (mit Ehefrau Esther Gmür) hat nur wenige hundert Meter weiter ebenfalls mit den Folgen des Unwetters zu kämpfen. Er stehe vor dem Ruin, sagt er. Das für Fischgerichte ausgezeichnete Restaurant mit Forellenzucht wurde arg in Mitleidenschaft gezogen. Als Wirt schmerze ihn aber vor allem eines, so Gmür: "Als der Schlamm kam, waren noch Gäste bei uns", erzählt er sichtlich erschüttert. "Wir mussten alle evakuieren". Die rund drei Tonnen Forellen haben den Schlamm nicht alle überlebt. Etwa die Hälfte ging durch den Schlamm zugrunde. Der Wirt wagt nicht, den Schaden zu beziffern. "Ich weiss nicht, wie es weitergeht." Der Forellenteich draussen wurde vom Erdrutsch nicht verschont. Das Weisstannental wurde am Sonntag von einem Unwetter heimgesucht, das einen Bach über die Ufer treten liess und einen Erdrutsch auslöste.Die Bewohner der rund 10 betroffenen Gebäude mussten evakuiert werden. Die Feuerwehr und der Zivilschutz standen mit 8 Fahrzeugen und 80 Mann im Dauereinsatz. Die Strasse ins Weisstannental war zugeschüttet und konnte erst am Montagmittag wieder freigegeben werden.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Eine Schlammlawine hatte am Sonntag den Gnadenhof Luna in der Ortschaft Schwendi im st.gallischen Weisstannental arg in Mitleidenschaft gezogen und Weideplätze und Gehege von rund 60 Tieren zerstört. Danach erreichte die Betreiberin Theresia Seyffert eine Welle der Solidarität. «Ich bekam von diversen Seiten Hilfsangebote, Spendenankündigungen und Möglichkeiten, um Tiere unterzubringen.» So konnte inzwischen für alle Tiere ein Plätzchen gefunden werden.

Tiere sollen baldmöglichst zurückkommen

Die sieben Hühner und zwei Gockel habe eine Freundin aufgenommen. Fünf Kühe, zwei Schafe und ein Schwein fanden auf Bauernhöfen in der Nähe Unterschlupf. Von den 22 Katzen und sechs Hunden bekamen einige Asyl in einem Tierhotel, andere befinden sich derzeit bei der Schwester von Seyffert. Die Vögel fanden Obdach in einer Volière.

«Es haben sich so viele Leute gemeldet, die Tiere aufnehmen wollten, dass ich einigen wieder absagen musste», so Seyffert. Die Tiere sollen so bald wie möglich wieder zurück nach Schwendi kommen. Zuerst die Tiere, die im Haus gewohnt haben. Für die anderen Tiere werden baldmöglichst provisorische Gehege aufgezogen, damit sie wieder zurückkommen und sich frei bewegen können.

Welle der Solidarität

Noch immer wird die Schildkröte vermisst. Vermutlich wurde sie im Teich begraben. «Ich habe die Baggerfahrer angewiesen, dass sie rund um den Teich noch nicht graben dürfen. Wir haben den Teich von Hand ausgeschöpft, in der Hoffnung, die Schildkröte zu finden.» Bisher ohne Erfolg. Deshalb habe Seyffert versucht, einen Suchhund zu organisieren. Bis Donnerstagabend habe sie aber noch keinen ausfindig machen können. Ihr sei wichtig, dass die Schildkröte gefunden werde. «Wenn sie verletzt ist, möchte ich sie pflegen.» Falls sie in der Lawine umgekommen sei, dann möchte Seyffert das wissen: «Ich leide unter der Ungewissheit.»

Auf mehrfache Anfrage via Facebook hat Seyffert ein Spendenkonto bekannt gegeben. Sie hofft, mit den Spenden einen Teil der Kosten für den Wiederaufbau decken zu können. «Unser Gelände von 7000 Quadratmetern war rundum auf einer Höhe von 1,80 Metern eingezäunt. Dafür hatten wir mehrere zehntausend Franken ausgegeben», so Seyffert. Leider könne man im Kanton St. Gallen Zäune nicht versichern, so dass sie wohl auf einem grossen Teil der Kosten für einen neuen Zaun sitzen bleiben werden.

Trotz dem Unglück ist für Seyffert klar: «Wir werden weitermachen.» Der Hof sei die Lebensaufgabe von ihr und ihrem Partner. Beide arbeiten auswärts. Damit können sie die laufenden Kosten, etwa für Futter und Tierarztbesuche, tragen. Ihre gesamte Freizeit widmen sie den Tieren, die sonst nirgendwo mehr einen Platz finden würden.

Schadenssummer von über einer Million

Die Schäden auf dem Gnadenhof liegen bei mehreren zehntausend Franken. In der ganzen Gemeinde Mels wird eine Schadenssumme von über einer Million erwartet. Bei der Gebäudeversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen
GVA rechnet man mit einem sechsstelligen Betrag.

Die Aufräumarbeiten in Mels seien gut vorangekommen, so Gemeinderat Simon Buner. Der Bach wurde ausgebaggert und er habe mehr Platz bekommen. Dabei habe man von der Erfahrung vom Amt für Gewässerschutz profitieren können. «Sie waren sofort auf dem Platz und haben uns wertvoll unterstützt», so Buner zu 20 Minuten. Zudem habe der Zivilschutz jeden Tag mit gut drei Dutzend Personen die Aufräumarbeiten unterstützt und drei Bauunternehmungen waren bei der Bewältigung der Schäden involviert.

(jeb)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tierfreund am 14.08.2015 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles wird gut !

    Das stimmt sind doch gute Nachrichten. Hoffentlich kommen viele Spenden zusammen. Die Facebookseite habe ich weitergegeben

  • Mensch am 14.08.2015 07:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschen mit Herz

    Wieder ein Tag, der für mich sehr gut anfängt . Solche schönen Nachrichten, dass alle Tiere einen Platz gefunden haben , freuen mich sehr, und berühren mein Herz. Gibt es doch viele Menschen, die das Leben eines jedes Tieren schätzen. Auch wenn sie alt sind, erhalten Sie noch viele Liebe und ein Heim. Ich wünsche dem Gnadenhof alles Gute und hoffe, dass die Schildkröte lebend gefunden wird.

  • Melser am 14.08.2015 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Spenden wozu?

    Dem Lunahof hat das Unwetter lediglich den Zaun zerstört. Das ist zwar ärgerlich aber längst nicht existenzbedrohend. Die Nachbarshäuser, insbesondere die Forellenzucht, haben viel grössere Schäden erlitten und stehen tatsächlich vor dem Ruin. Ein Kälbchen und eine Schildkröte erzeugen halt den grösseren Jöh-Effekt als 1.5 Tonnen tote Fische.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Realist am 14.08.2015 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sind die Stallungen io.?(Höhe,Fläche,Licht, Güllek

    @Bergänger im Tal Genau dieser Meinung bin ich auch. Ich frage mich auch: - sind die Stallungen Tierkomform? - werden die Kühe (Tiere) artgerecht gehalten? - usw.

  • Flumserin am 14.08.2015 14:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel Energie und Kraft

    Ich finde es suuuper... schön dass der Gnadenhof weiter bestehen bleibt...Gratuliere den Besitzern....und wünsche ihnen viel Kraft und Energie beim Wiederaufbau!!! Einfach nur schön dass ältere oder Tiere mit "Einschränkungen"weiterhin leben dürfen und nicht einfach eingeschläfert werden wenn sie keine Rendite mehr absetzten!!!!Ich hoffe sehr dass die Schildkröte überlebt hat und ihr sie findet!!!

  • Heiligkreuzer am 14.08.2015 14:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überschwemmung

    Zur Klarstellung ich habe gar nichts gegen den Gnadenhof! Nur sehe ich das Dieser nicht so in Mitleidenschaft gezogen worden ist wie z.B. die Fischzucht. Wer spenden will soll dies doch tun! Übrigends die Tiere brauchen Futter und ein neues Zuhause und nicht Geld. Ich zahle als Steuernzahler schon an das Unwetter in der Schwendi. Ich hoffe das die Schwindner Bewohner bald wieder zur Normalität über gehen können. Der Gnadenhof geht laut Sarganserländer zu. Somit werde ich nichts spenden und hoffe dies wird respektiert!

  • Meli am 14.08.2015 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    alles gute

    Hoffe alle Tiere werden gefunden. Wünsche alles GUTE. Der mit der Forellenzucht wird ja wohl ein Versicherug haben - ansonsten selber schuld. Aber Tierheime sind immer besonders betroffen da sie von Spenden leben.

  • Moni am 14.08.2015 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Ich drücke

    Euch die Daumen, dass Ihr alles wieder hinkriegt und dass viele Spenden eingehen! Ich hab meinen Teil dazu (Spende) beigetragen und es reut mich kein einziger Rappen davon!!