«Lädelisterben» in St. Gallen

26. Juni 2017 05:54; Akt: 26.06.2017 05:54 Print

«Regale mit Kleidern reichen nicht mehr»

Immer mehr Ladenlokale in St. Gallen stehen leer, selbst an bester Lage. Zudem wird es immer schwieriger, Nachmieter zu finden. Schuld ist der Online-Handel und der Einkaufstourismus.

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Vorbei sind die Zeiten, als für Immobilien beliebige Preise verlangt und trotzdem problemlos Nachmieter gefunden werden konnten. Auch in St. Gallen spürt man das. So stehen zurzeit Ladengeschäfte an der Multergasse oder dem Spisertor leer, teilweise wird bereits seit Monaten nach einem Nachmieter gesucht.

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«In den letzten zehn Jahren gab es tatsächlich einen Mietpreisrückgang, was für die Schweiz schon sehr ungewöhnlich ist», bestätigt Marc Linzmajer, Leiter des Kompetenzzentrum E-Commerce der Universität St. Gallen. Er kennt die Gründe dafür: «Vor allem Online-Shopping und der Einkaufstourismus machen den Filialen in St. Gallen zu schaffen.»

Rösslitor-Filiale ist gefragt

Auch die Buchhandlung Rösslitor zieht Mitte 2018 aus der Filiale «Zur Laterne» am Bärenplatz und geht einige Häuser weiter an die Marktgasse 4. Dort war bis Januar eine Filiale von Conforama mit Wohnartikeln domiziliert, seither steht das Gebäude leer.

Die Chancen, dass die Filiale etwas schneller einen Nachmieter findet, stehen gut. «Wir haben vor kurzem mit der Vermarktung begonnen und führen erste Gespräche», so Alain Baumgartner, Immobilien-Portfolio-Manager bei Swiss Life. Das Interesse sei da, gehöre die Liegenschaft doch zu den schönsten Altstadthäusern in St. Gallen.

Aber auch Baumgartner weiss: «Die Vermietung von Immobilien ist tendenziell wieder anspruchsvoller geworden.» Die Mieter hätten mehr Auswahl, umso entscheidender sei darum die Lage und die Qualität der Immobilien. «Sie suchen Objekte mit flexiblen, modernen Flächen, guter Ausstattung und hoher Passantenfrequenz.»

Alternative Store-Konzepte müssen her

Vor allem Läden ausserhalb des Stadtzentrums würden Probleme bekommen. «Es ist ein Teufelskreis, denn wenn grosse Player aus den peripheren Stadtteilen wegziehen, verschwinden auch die kleineren Filialen», sagt Linzmajer. Es werde immer wichtiger, dem Kunden mehr zu bieten als nur Regale mit Kleidern. «Beispielsweise könnte mittels QR-Codes auf ein erweitertes Sortiment im Online Store aufmerksam gemacht werden», so Linzmajer.

Verschwinden würden Filialen allerdings nie ganz. «Im Menschen ist neuronal verankert, dass er Kontakt mit anderen Menschen haben will», erklärt er. Allerdings mache er sich heute mehr Gedanken, was er selber erledigen kann und wo er wirklich noch Beratung braucht. «Wichtiger wird das Click and Collect werden, bei dem ein Artikel online bestellt und in der Filiale abgeholt wird», so Linzmajer. Dies sei eine Win-Win-Situation: der Kunde könne sofort reklamieren, wenn etwas nicht passt und für das Personal bestehe die Chance von Zusatzverkäufen.

Auch Stadtpräsident Thomas Scheitlin sind leerstehende Ladenlokale ein Dorn im Auge. So lancierte die Stadt mit dem Gewerbe zusammen das Projekt «Zukunft St. Galler Innenstadt». Themen wie die Parkplatzsituation, bessere Beschilderung oder der Transport wurden diskutiert. Auch eine Zusammenarbeit mit Immobilienfirmen ist laut Scheitlin denkbar: «Wir könnten zum Beispiel helfen, Interessenten für eine Zwischennutzung zu finden.»

Auf Facebook gegen leere Ladenlokale

Die derzeitige Situation in St. Gallen beschäftigt auch die Facebook-Gemeinde. So gibt es dort die Seite «Freie Ladenlokale St. Gallen», die seit Juni 2016 Fotos von leerstehenden Lokalen postet. Über 1000 Leute folgen mittlerweile der Seite. Alle paar Tage posten die Seitenbetreiber neue Bilder von Lokalen. Wie dem Infotext zu entnehmen ist, möchte die Gruppe «einerseits die Situation porträtieren als auch mittelfristig mithelfen, regionale Lösungsansätze für attraktivere Innenstädte zu finden.»

(air)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hochi am 26.06.2017 07:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Autos

    Hallo Stadt St. Gallen; Du kannst nicht alle Autos zum Teufel jagen und danach jammern das keiner mehr kommt.

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  • spiral am 26.06.2017 07:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mietpreise?

    Wohl eher eine Frage der völlig überrissenen Mietpreise und nicht eine Frage der paar Touristen, die über die Grenze einkaufen gehen... aber jammern ist halt einfacher.

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  • roll2go am 26.06.2017 07:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dauerklagen

    Immer diese Klagen über den Einkaufstourismus. Mal wieder mehr Freundlichkeit, angenehmere Preise, weiniger Einheitsbrei im Angebot und nicht so gelangweiltes, bei dröhnender Musik in den Gestellen rumhängendes Personal.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ein Einkaufstourist am 26.06.2017 18:46 Report Diesen Beitrag melden

    Parkgebühren

    In St.Gallen zahlt man hohe Parkgebühren, da fahre ich lieber in den Messepark dort bezahle ich gar keine Parkgebühren.

  • Butch am 26.06.2017 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Würde gerne einkaufen!

    Aber ich finde kaum etwas in meiner Grösse! Turnschuhe, Hosen, Hemden, Pullover usw. Endlich weg von der grässlich Mode und mal etwas eher klassisches zu anständigen Preisen und in Männergrössen anbieten. Dann kommen auch die Kunden wieder! Wenn ich aber sehe, was die Geschäfte einkaufen und was für Grössen und dann zu den Preisen... kein Wunder gehen alle über die Grenze! Grösseres Angebot, billiger und wahrscheinlich auch bessere Mode.

  • Kopfschüttle am 26.06.2017 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    St. Galler aus der Umgebung

    Von der Uni St. Gallen gibt eine Fachkraft Auskunft, soso. Vor einigen Jahren war ich gerne und regelmässig in der Stadt St. Gallen. Das hat sich geändert, denn es hat sich offensichtlich Richtung Autofeindlich und abkassieren eingestellt. Liegt wohl daran, dass man lieber den Einnahmen nachspringt. Es löscht einem ab, so einfach ist das. Zudem ist es unsicher geworden, und so mein Eindruck (Sorry aber; wirklich komisch linksrot-fundi multikulti). Meine Einkäufe und auch sonstige Konsumation mache ich mit Sicherheit nicht in St. Gallen.

  • Anna am 26.06.2017 14:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Knauserig

    Im Rösslitor hab ich Bücher für 100 Fr gekauft, meine mitgebrachte Tasche war leider schon voll und bin zufällig auf die Bücher gestossen. Dann sollte ich für einen Sack zahlen. War das letzte Mal dort, die Bücher gibt es vielerorts billiger

  • Max Power am 26.06.2017 12:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wasser predigen Wein Trinken

    Wie der Stadtpräsident von Rheineck der einst geklagt hat man solle das Städlisterben verhindern in dem man nicht ins benachbarte Österreich einkaufen geht. Wer hat beim Bau seines Hauses jetzt eine Fertiggarage aus Deutschland bestellt? Ja genau der Stadtpräsident.