Ermatingen TG

20. Juli 2018 05:47; Akt: 20.07.2018 05:47 Print

«So viele Schlangen wie noch nie im Bodensee»

Im Bodensee vor Ermatingen TG tummeln sich laut einem Leser-Reporter derzeit extrem viele Ringelnattern. Bei der Polizei gehen deutlich mehr Meldungen ein als üblich.

Eine Ringelnatter schlängelt sich durch den Bodensee. (Video: Leser-Reporter/Benno Lagler)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Benno Lagler ist gebürtiger Ermatinger und regelmässig mit dem Boot auf dem Bodensee unterwegs, um zu fischen. So auch am Mittwochmorgen. «Da sah ich plötzlich diese Schlange im Wasser», so der 42-Jährige. Sie sei etwa einen halben Meter gross gewesen. Im Video festgehalten hat er sie rund 50 Meter vom Ufer entfernt in der Ermatingerbucht. Dieser Tage kommen solche Begegnungen laut dem Leser-Reporter häufig vor. In anderen Jahren habe er vielleicht eine Schlange das ganze Jahr über gesehen, jetzt sehe er praktisch täglich eine. Für ihn ist klar: «So viele Schlangen wie in diesem Jahr gab es hier noch nie.»

Umfrage
Mögen Sie Schlangen?


Nur der Kopf ragt aus dem Wasser. (Video: Benno Lagler)

Auf den schwimmenden Gras- bzw. Algenfeldern würden die Schlangen jeweils auf ihre Beute lauern. Angst habe Lagler aber keine. Dank der gelben Flecken am Kopf seien sie für ihn gut als Ringelnattern zu erkennen. Diese sind für den Menschen ungefährlich.


Ganz schön flink, das Tier. (Video: Benno Lagler)

Bereits 15 Meldungen

Doch nicht immer ist es so klar, dass es sich um ungiftige Schlangen handelt. Bei der Thurgauer Notrufzentrale gingen in den ersten sechseinhalb Monaten dieses Jahres bereits 15 Meldungen wegen Schlangen ein. Im ganzen Jahr 2017 waren es ebenfalls 15, 2016 waren es 16. «Viele sind beim Anblick einer Schlange verunsichert, oft bekommen es Menschen auch richtig mit der Angst zu tun», sagt Matthias Graf, Sprecher der Kapo TG auf Anfrage. Es sei deshalb richtig, die Polizei zu verständigen.

Bei einer Meldung werde eine Patrouille vor Ort geschickt. Bei den 15 Meldungen, sei die Polizei in fünf Fällen ausgerückt und habe nichts mehr vorgefunden. In acht Fällen handelte es sich um eine Ringelnatter, die eingefangen und wieder ausgesetzt wurde. Eine Schlange wurde in einem Zoo abgegeben. Im Fall vom Juni in Tobel TG wurde eine ungiftige Japanische Inselkletternatter in einer Tiefgerage gesichtet.

Beobachtbarkeit ist besser dank Wetter

Auch wenn es so scheint, hat es laut Andreas Meyer von der Schweizer Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz (karch) in diesem Jahr nicht mehr Schlangen. Dank des guten Wetters könne man sie nur besser beobachten, weil sie aktiver sind. Gemäss dem Experten leben Ringelnattern grundsätzlich an Land, ins Wasser gehen sie bloss um zu Jagen. Weibchen werden etwa 1,3 Meter gross, Männchen 90 Zentimeter.

Angst brauche man vor den Tieren nicht zu haben. «Ringelnattern beissen nicht, auch wenn sie Zähne haben», so Meyer. Auch neben einer Natter zu schwimmen, sei harmlos. Da die Tiere viele Feinde haben, seien sie sehr scheu und fliehen bei der geringsten Störung. Gelingt dies nicht, würden die Tiere den Kopf etwas tiefer halten, laut zischen und Scheinbisse ausführen, um den Gegner einzuschüchtern.

Von den acht verschiedenen Arten von Schlangen, die es in der Schweiz gibt, sind nur zwei giftig: die Kreuzotter und die Aspisviper. Im Bodenseeraum kommen beide nicht vor. Werde man von so einem Tier gebissen, gelte es Ruhe zu bewahren. «Viele Vergiftungen erreichen ihren Höhepunkt erst nach Stunden, daher bleibt genügend Zeit, um eine medizinische Versorgungseinrichtung aufzusuchen», so Meyer.

(taw)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Miguel am 20.07.2018 07:44 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht normal

    die Notrufzentrale anrufen wegen einer einheimischen Schlange die in der Natur lebt? Wir sind doch eigentlich eine moderne Nation mit hohem Bildungsstand! Aber ehrlich, ich glaube schon lange nicht mehr daran dass die Bildung hier besser ist als ein einem Drittweltland. Absolute Verblödung nimmt immer mehr zu. Wie kommt man auf die Idee die Polizei zu rufen wegen einer Schlange im See? Wir haben einen Teich vor dem Haus, dort sind im Moment ca 4 Ringelnatter zuhause, soll ich jetzt jeden Tag den Notruf wählen?

    einklappen einklappen
  • Usterer am 20.07.2018 06:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Greiffensee

    Das gleiche war vergangene Woche am Greiffensee zu beobachten, mehrere Schlangen schwammen am Ufer zwischen Badenden umher!

    einklappen einklappen
  • snake am 20.07.2018 07:07 Report Diesen Beitrag melden

    etwas übertrieben mit der angst

    mir schlängelte sich einmal eine ringelnatter um die beine als ich sie lange und ruhig im wasser hatte. war schon ein cooles erlebnis. ich mag schlangen sehr und wusste, dass sie ungefährlich war. übrigens sind die wirklich giftigen schlangen hier nicht heimisch.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Werner am 21.07.2018 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    Natur

    Warum ruft man die Polizei? Um die Schlange festzunehmen? Das Tier lebt das ganze Jahr hier.

  • Justmyopinion2 am 20.07.2018 21:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reisserisch

    Da der Bootsfahrer vielleicht immer wieder die selbe Schlange sieht, kann er doch nicht behaupten, dass es viel mehr Schlangen hat.

  • Werner Kessler am 20.07.2018 19:27 Report Diesen Beitrag melden

    Schlangen

    Diese Ringelnattern sind sehr gute Schwimmer und machen dort auch Jagd auf Frösche und Fische.

  • Tierärztin am 20.07.2018 17:57 Report Diesen Beitrag melden

    Halb so wild

    Der Reptilien-Spezialist unseres kantonalen Veterinär-Amtes wird oft auch sonntags aufgeboten, weil irgend ein Angsthase in seinem Garten unter Kabis-Köpfen eine 3 Meter lange Würge-Schlange 'Boa Constrictor' entdeckt haben will. Vor Ort ist es dann eine einheimische, knapp 1 m lange, ungiftige und scheue Ringelnatter. Ein einziges Mal war es eine geschwächte, hier absolut nicht heimische und für Menschen normal nicht tödlich giftige Kreuzotter. Wie das Tier hierher verschleppt worden war, konnte natürlich nicht festgestellt werden. Es wurde zurückgebracht in seinen Lebensraum.

  • Ono am 20.07.2018 16:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein danke

    Auf solch ein Schlangenbad kann ich gut verzichten.