Flawil SG

22. September 2019 17:38; Akt: 23.09.2019 07:23 Print

«Wäre es Montag gewesen, wären sie wohl tot»

Kürzlich hat es in Flawil SG in der Wohnung der Familie Aliu gebrannt. Via Instagram lassen sie Tausenden an ihrem Leben teilhaben, auch daran.

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«Ich sah, wie es aus unserer Wohnung geraucht hat», erzählt die 25-jährige Mergime Aliu. Das war am Mittwochnachmittag kurz nach 14.30 Uhr. «Zum Glück waren weder mein Mann, noch unsere kleine Tochter zu Hause.» Ihr Mann Xhem ergänzt: «Wäre es am Montag gewesen, wären meine Frau und Tochter zu Hause gewesen und es wäre genau jene Zeit gewesen, in der sie ihren Mittagsschlaf halten». «Sie hätten also geschlafen, das Feuer nicht bemerkt und wären nun wohl tot», so Xhem. Mergime und ihr Mann Xhem betreiben gemeinsam das Instagram-Profil mr.mrs.aliu. Auf Instagram lassen sie ihre Follower an ihrem Leben teilhaben, auch am Brand und den Folgen.

Mergime arbeitete am Mittwoch in ihrem eigenen Coiffeursalon, direkt gegenüber ihrer Wohnung. Als sie den Rauch sah, habe sie erst nicht gedacht, dass es so schlimm sei. «Bis dann ein Mann daher gerannt kam und sagte, es brenne bei uns», so Mergime. Ohne gross nachzudenken, sei sie dann direkt ins Haus und in die Wohnung gestürmt. «Wir haben eine sehr helle Wohnung mit vielen Fenstern. Als ich aber in die Wohnung kam, sah ich vor lauter Rauch die Hand vor Augen nicht mehr.»
Im Nachhinein ist ihr klar, dass ihre Aktion enorm gefährlich gewesen sei. Die Feuerwehr habe ihr später gesagt, dass ihr durch das Öffnen der Wohnungstür eine Stichflamme hätte entgegen kommen können. Denn einem Feuer im geschlossenen Raum eine Luftzufuhr zu geben, könne dazu führen, dass die Flammen wild auflodern. Ihr ist aber nichts passiert.

Grosser Schock

Im Feuer ging der Familie Aliu beinahe alles verloren. «Wenn die Flammen unsere Sachen nicht zerstört habe, haben ihnen die Hitze oder der Rauch den Rest gegeben», sagt der 25-jährige Ehemann, Xhem Aliu. Traurig sei vor allem, dass alle Kleider und Spielsachen ihrer zweijährigen Tochter kaputt gegangen seien. «Mehr als das, was sie gerade angezogen hatte, blieb nicht übrig. Auch wir haben keine Kleidung mehr, sogar die Socken und Unterhosen sind zerstört», sagt Xhem. Auch wenn er den Einsatz seiner Frau für sehr gefährlich hielt, zeigt er Verständnis. «Im ersten Moment denkt man nur daran, was man noch alles retten könnte. Ich bin unbeschreiblich froh, dass ihr nichts zugestossen ist», so Xhem.

Ein Video zeigt die Wohnung nach dem Brand. (Video: Xhem Aliu)

Der Schock sitze noch immer tief. «Wir sind am Boden zerstört, das Feuer hat uns fast alles genommen», sagt Mergime. Dabei gehe es ihr nicht primär um das Materielle, sonder um die ganzen Erinnerungen. Denn die Wohnung sei nicht mehr bewohnbar. Momentan leben sie bei den Eltern von Xhem.

Schaden von rund 250'000 Franken

Die Feuerwehr Flawil konnte den Brandherd in der Wohnung im Bereich einer Mehrfachsteckleiste lokalisieren. Das kleine Feuer konnte schnell gelöscht werden, hatte jedoch eine grosse Rauchentwicklung zur Folge. In der momentan unbewohnbaren Wohnung entstand laut der Kantonspolizei St. Gallen Sachschaden in der Höhe von rund 250'000 Franken. Das Kompetenzzentrum Forensik der Kantonspolizei St.Gallen untersucht nun die Brandursache.

(maw)