Thurgau

16. Oktober 2018 14:57; Akt: 16.10.2018 18:30 Print

«Warum wirft dieser Bauer Lämmer durch den Stall?»

Tierschützer haben Strafanzeige gegen einen Thurgauer Schafhalter eingereicht: Er soll seine Tiere misshandelt haben. Der Mann sieht sich als Opfer in einem Nachbarschaftsstreit.

Der Thurgauer Schafhalter in seinem Stall: Ausschnitte aus dem rund 13-minütigen Video des VgT.
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Auf der Website des Vereins gegen Tierfabriken (VgT) wurde diese Woche ein Video aufgeschaltet, das den Thurgauer Schafzüchter im Stall zeigt. Die Aufnahme stammt vom vergangenen August.

«Ist es Frustabbau oder einfach die pure Lust am Quälen schwächerer Lebewesen, welches diesen Landwirt dazu antreibt, seine Lämmer völlig grundlos im Stall herum zu werfen, auf sie einzutreten und sie mit einem Knüppel zu schlagen?», schreibt der VgT dazu. Die Tierschützer fordern vom Veterinäramt, ein sofortiges Tierhalteverbot zu erlassen und die Tiere zu beschlagnahmen.

Der Kanton Thurgau hat am Dienstag mit einer Mitteilung reagiert: Welche Massnahmen sachlich geboten und verhältnismässig seien, würden die anstehenden Untersuchungen zeigen müssen. Diese werden in Zusammenarbeit von Staatsanwaltschaft und Veterinäramt geführt.

Bislang keine Beanstandungen

Das Veterinäramt hat die entsprechende Mitteilung als tierschutzrechtliche Anzeige entgegengenommen. «Die eingereichten Unterlagen beim Veterinäramt waren völlig unzureichend», heisst es in der Mitteilung weiter. Der VgT sei deshalb vom Amt aufgefordert worden, die fehlenden Unterlagen nachzureichen.

Die Tierhaltung des betroffenen Landwirts habe nach bisherigen internen Abklärungen bis dato zu keinerlei tierschutzrechtlichen Beanstandungen geführt. Das Veterinäramt hatte im Frühjahr 2018 den Neubau des Schafstalls für rund 600 Tiere tierschutzrechtlich abgenommen. Auch die Abnahme habe zu keinen Beanstandungen Anlass gegeben.

Noch nicht im Bild

20 Minuten erreichte den Schafhalter am Dienstag per Telefon. Er sei auf der Rückreise aus den Ferien und noch nicht im Bild über die Angelegenheit, so der Mann. Angesprochen auf den Vorwurf der Tierquälerei sagt er: «Nimmt mich wunder, wann ich so etwas getan haben sollte.» Offenbar sieht sich der Mann als Opfer einer Rufmordkampagne: «Das ganze ist Teil eines Nachbarschaftsstreits», sagt er. Er werde sich zur gegebenen Zeit dazu äussern.

«Warum wirft dieser Bauer Lämmer durch den Stall?»


Auch bei der Stiftung Tier im Recht (TIR) kennt man das Video des VgT. «Die Aufnahmen sind höchst alarmierend», sagt die stellvertretende Geschäftsführerin Christine Künzli. Das Video zeige eine ganze Palette von massiver Gewaltanwendung. «Das sind keine Bagatellen», so Künzli. Es sei wichtig, das die Behörden nun ermittelten und auch ein allfälliges Tierhalteverbot prüften.

Wie fm1today.ch am Dienstagnachmitag meldete, haben Coop und Bell per sofort die Zusammenarbeit mit dem Landwirt beendet. Das im Video ersichtliche Verhalten des Züchters sei «inakzeptabel», so ein Sprecher von Bell.

(20 Minuten/sda)