Brunner tritt ab

10. Juni 2014 11:03; Akt: 10.06.2014 18:15 Print

«Wegen der Geothermie bin ich geblieben»

von Jeremias Büchel - Der «Vater» des St. Galler Geothermieprojekts, Stadtrat Fredy Brunner, tritt auf Frühling 2015 zurück. Mit dem Scheitern dss Projekts habe sein Ausscheiden aber nichts zu tun.

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«Oft wurde ich in letzter Zeit nach meinem Verbleiben im Stadtrat gefragt», eröffnete der St. Galler Stadtrat Fredy Brunner (FDP) die Medienorientierung am Dienstagmorgen. «Heute gebe ich frühzeitig meinen Rücktritt auf Frühling 2015 bekannt», so der Direktor der Technischen Betriebe der Stadt St. Gallen. Bei seinem Amtsantritt 2005 war für ihn klar gewesen, dass er zwei Amtsperioden, also bis 2012, im Stadtrat verbleiben werde. Doch wegen des Geothermieprojekts habe er sich entschieden, noch länger in der Stadtregierung zu verbleiben. Er betont denn auch: «Ich trete nicht wegen dem Geothermieprojekt zurück – wegen dem Geothermieprojekt bin ich geblieben.» Wäre er 2012 nicht mehr angetreten, wäre das für ihn ein Davonlaufen gewesen.

Erfolgreich gescheitert

Um die Geothermie, seinVorzeigeprojekt, dreht sich vieles beim Rücktritt Brunners. «Die Versenkung des Geothermieprojekts war meine grösste Enttäuschung in meiner Stadtratszeit», so Brunner, «gleichzeitig war es auch das schönste Erlebnis meiner Regierungszeit. Die Solidarität der Bevölkerung nach dem Erdbeben im Sommer 2013 hat mich gerührt und überrascht.» Aus der Sicht Brunners ist das Geothermieprojekt trotz des Scheiterns ein Erfolg für die Stadt St. Gallen. Das Image der Stadt habe dadurch nicht gelitten – im Gegenteil, ist Brunner überzeugt.

Brunner war vor seinem Mandat lange Unternehmer. Nach seiner Stadtratszeit wird er aber nicht mehr Chef werden. Nächstes Jahr wird Brunner 67. Damit sei der Zeitpunkt für die Pensionierung gekommen, sagt Brunner und schmunzelt: «Dieses Pensionsalter schlägt uns schliesslich auch der Bundesrat vor.»

Angst, dass ihm nach dem Ausscheiden aus dem Stadtrat langweilig wird, hat Brunner nicht. Auch seine Frau müsse sich nicht fürchten, dass er zu viel zu Hause rumsitzen würde. Er werde sicher mehr Zeit mit seinen acht Enkel verbringen und öfter als bisher einen Abstecher in das Ferienhaus in Italien machen. Zudem werde er der Stadt weiter verbunden sein. Als Architekt interessiert er sich vor allem für die Stadtentwicklung und möchte sich gerne in diesem Bereich engagieren.

Kein Wunschnachfolger

Wichtige Projekte der Technischen Betriebe wie die Glasfaserversorgung, die Ableitung Steinach oder der Gasspeicher Hohfrist seien auf Kurs und das Geothermieprojekt gestoppt, weshalb nun ein guter Zeitpunkt für den Rücktritt gekommen sei. Mit seinem Ausscheiden auf Frühling 2015 kann Brunner noch die Rechnung 2014 abschliessen, was ihm offenbar noch am Herzen liegt. Dass seine Nachfolgerin oder sein Nachfolger die Projekte gut weiterführen kann, davon ist Brunner überzeugt. Bescheiden zitiert er den Literaturnobelpreisträger Joseph Brodtzky: «Die Spitze der Pyramide trägt wenig zu ihrer Tragfähigkeit bei.»

Einen Wunschkandidaten für seine Nachfolge hat Brunner nicht. Auch belastet ihn diese Frage nicht: «Als Unternehmer war die Nachfolge für mich immer eine grosse Sorge. Als Politiker muss man sich darum nicht kümmern», so Brunner. An Kandidaten wird es vermutlich nicht mangeln. Es ist damit zu rechnen, dass sich mindestens FDP, SP und SVP um den freiwerdenden Sitz ringen werden. Der erste Wahlgang wird am 30. November 2014 stattfinden.

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