Braunbär in Graubünden

11. April 2012 18:32; Akt: 12.04.2012 08:27 Print

«Wenn er hier bleibt, ist er dem Tod geweiht»

von Daria Wild - Der Jungbär M13 streift weiter durch besiedeltes Gebiet. Seine Zukunft hängt von seinem Verhalten ab – und von dem der Bündner Bevölkerung. Diese ist zum Teil in Sorge.

Dieses Video des Leser-Reporters Mario Riatsch wurde bisher noch nicht veröffentlicht.
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Der Braunbär M13 wandert weiterhin im Bündnerland umher. Laut dem Jagdinspektor Georg Brosi bewegt sich das Tier in der Talsohle im Unterengadin in der Nähe von Tarasp. Mehrere Personen haben den Bären bereits gesichtet; der erste war Mario Riatsch, Förster aus Sent. Er hat eine klare Meinung zu M13: «Dieser Bär verhält sich nicht wie ein Bär, er kommt den Menschen viel zu nahe.» Ausserdem sei das Engadin nicht die geeignete Gegend für Bären. Eine längerfristige Niederlassung beurteilt Riatsch als unmöglich. «Die Wälder sind viel zu offen und bieten einem Bären zu wenig Schutz.» Ausserdem habe es einfach zu viele Menschen, der Bär gewöhne sich zu schnell daran und bleibe deshalb in der Nähe der Bevölkerung. Riatsch prognostiziert dem Bären eine düstere Zukunft: «Wenn er hier bleibt, ist er dem Tod geweiht.»

Tatsächlich könnte M13 streng genommen bereits als Problembär bezeichnet werden. Laut dem 2009 publizierten Bärenkonzept des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) gilt ein Bär als problematisch, wenn er den Menschen als Nahrungslieferanten erkennt und beginnt, Bienenstöcke und Obstgärten zu plündern. Die Überwindung der Scheu werde dann mit dem Zugang zu hochwertigem Futter belohnt, weshalb der Bär immer öfter die Nähe zu Menschen oder Siedlungen suche. Das BAFU ordnet in so einem Fall «Vergrämungsaktionen» an. Der Bär wird mit einem Sender versehen und vertrieben. Wenn er dann doch nicht geht und weiterhin eine Gefahr darstellt, muss er erschossen werden.

Auf der Schwelle zum auffälligen Bär

Reinhard Schnidrig vom BAFU sagt: «M13 ist auf der Schwelle vom unauffälligen zum auffälligen Bär, aber keinesfalls auf der Schwelle vom Problem- zum Risikobär.» Er sei halt einfach noch jung und neugierig. Das Tier werde nun laufend beobachtet. Es sei ausschlaggebend wie er sich in Zukunft verhalten werde, vor allem aber, ob er seine Scheu vor Menschen noch mehr ablege. Wenn ja, müsse die Vergrämung (das Zurücktreiben in den Wald) in Betracht gezogen werden. Ob er dazu mit einem Sender versehen wird, bleibt weiter offen.

Das Wichtigste sei das Verhalten der Bevölkerung, dieses spiele eine wesentliche Rolle für die Entwicklung des Bären: «Er darf unter keinen Umständen gefüttert werden, Bienenstöcke müssen eingezäunt werden», so Schnidrig.

Der Frühling als Retter für M13?

Beat Angerer, Präsident des Kantonalen Patentjäger-Verbandes, hofft für M13, dass es bald wärmer wird. «Wir müssen auf jeden Fall den Frühling abwarten. Sobald der Bär Knospen und frisches Gras fressen kann, wird er in die Berge wandern.» Wenn er noch lange nichts zu fressen finde, könne es aber durchaus sein, dass er zum Problem werden, so der Jäger.

Ein solcher war JJ3, der Mitte April 2008 in der Region Thusis von der Wildhut erlegt wurde. JJ3 war zu oft in der Nähe von Menschen und wurde zum Risiko.


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Ausgewählte Leser-Kommentare

Leider, leider haben wir abzüglich der alpenregion eine der höchsten bevölkerungsdichten der welt.. Kurz gesagt: zu viele auf zu wenig platz, da hat ein wildtier ohnehin schon zu wenig raum... Nehmt endlich abschied von träumen, für einen braunbären ist unser land bereits massiv überbevölkert! Leider! – Frank B

Der Bär hat sehr gerne Honig. Warum verteilen die Wildhüter und Jäger nicht Honig im Wald. So könnte man diesen Bär von den Bevölkerung und Menschen weg locken. Wie sagt man so schön, man muss Ihm den Honig nur ums Maul streichen. Ich bitte die Zuständigen Behörden, sich das gut zu Überlegen mit einem Abschuss. Jedes Tier hat ein Recht auf der Erde zu sein. Also habt ein Herz darum bitte ich Sehnlichst. Herzlichen Dank. Mit freundlichen Grüssen Charles Keller – Keller Charles

Ich finde man muss ihn ja nicht erschiessen sondern kann ihn auch betäuben. Jedes Lebewesen auf dieser Welt soll doch schliesslich leben! Die Tiere genau so wie wir Menschen und irgendwo auf dieser Welt ist bestimmt Platz für diesen Bären! – Salome Häseli

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Claudia am 11.04.2012 20:22 Report Diesen Beitrag melden

    Grenzen haben Menschen geschaffen!

    Was kann der Bär dafür, dass er keine Grenzen kennt? Warum schaffen es die Kanadier, die Südtiroler mit diesem wundervollen Tier zusammen zu leben? So traurig und hoffentlich, findet M13 den Weg zurück, bevor er erschossen wird.

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  • Big Bear am 11.04.2012 20:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Her mit dem Fell

    Ich könnte das Bärenfell gut als Bettvorleger gebrauchen!

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  • Roman Hollenstein am 11.04.2012 20:06 Report Diesen Beitrag melden

    Der Mensch ist das Problem

    Wenn man das Video anschaut, ist ganz klar zu erkennen, dass der Bär nach kurzem zögern flüchtet. Und was macht der Filmer? Er versucht ihn zu verfolgen. Wer ist jetzt das Problem, der Mensch oder der Bär? Man muss den Bären nur in Ruhe lassen. Wenn er kleinere Schäden anrichtet, ist das sicher nicht so schlimm. Wenn gelangweilte Jugendliche viel grössere Schäden anrichten, macht man ja auch nicht so ein Theater.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martina Ronchi am 12.04.2012 09:44 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Recht zum Leben?

    Was sind wir für Menschen. Ein Bär der sich ernähren muss um zu überleben, scheint bei uns, die wir im Überfluss schwelgen, keine Existenzberechtigung zu haben. Und dies in einem Lande mit diesen grossen Traditionen der Menschlichkeit.

  • Marty Kurt am 12.04.2012 09:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist "nur" ein tier

    Und plötzlich sind alle bären experten... Erstaundlich

  • Nadja am 12.04.2012 08:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umsiedeln

    Wenn er bleibt... Und warum betäubt ihr ihn nicht und verfrachtet ihn in ein land wo es keine blöde menschen mit idiotischen naturfeindlichen regeln gibt...????

  • Pashe am 12.04.2012 07:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch

    Wieder mal typisch! Tanzt einer aus der reihe, schiesst man ihn! Wir menschen kommen schon noch auf die welt... Freue mich auf diesen tag!

  • Ludwig Büchel am 12.04.2012 07:31 Report Diesen Beitrag melden

    Bärenstark

    Am Ende wird auch dieser Bär irgendwann erschossen werden. Wer würde aber sein eigenes Kind JJ3 oder M13 nennen?...... Der Bär kennt keine Landesgrenzen und ist kein Haustier das man 24 Stunden verfolgt und beobachtet. Der Mensch ist das grösste und gefährlichste Raubtier dieser Erde.

    • jojo am 12.04.2012 09:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      der mensch

      genau deiner meinung bin ich auch was den mensch betrifft ...

    • Bryan Hügli am 12.04.2012 10:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Richtig

      Das ist mal ein Wort! Der Bär soll leben!

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