Graubünden

14. Dezember 2018 05:50; Akt: 14.12.2018 05:50 Print

«Falsche Tierliebe kann zu tödlicher Falle werden»

Der Kanton Graubünden hat im Zuge des Fütterungsverbotes nun auch ein Auge auf Private und ihren Kompost: Wer diesen nicht abdeckt, muss mit einer Anzeige rechnen.

Ein Hirsch in Klosters, aufgenommen Anfang 2018, nascht Stroh in einem Stall. Das Video wurde von der Bauernzeitung erstmals publiziert.
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Ein Hirsch, der bei einem Kälblein in einem Stall in Klosters GR vom Heu naschte, sorgte Anfang dieses Jahres für hitzige Diskussionen: Das Tier wurde von der Wildhut erschossen, weil Verdacht auf Tuberkulose bestand. Auch andere Hirsche traf dieses Schicksal. Viele sahen im Verhalten des Hirsches jedoch ein Zeichen, wie verzweifelt und hungrig die Wildtiere sind und dass die Notfütterungen des Kantons zu wenig sind.

«Falsche Tierliebe kann zu tödlicher Falle werden»

Gegen die Besitzer der Ställe wurden strafrechtliche Verfahren eingeleitet, denn im Kanton Graubünden herrscht seit 2017 ein Fütterungsverbot für Wildtiere. Zahlreiche Leserbriefe gingen ein, in denen sich besorgte Tierfreunde darüber ausliessen, dass die Regierung Rehe und Hirsche zu Hunderten verhungern lasse.

Bei Verstoss Anzeige

Der Kanton indes hält auch in diesem Jahr an seinem Fütterungsverbot fest und geht nun sogar noch einen Schritt weiter. «Wir verstehen, dass Menschen Tieren helfen wollen. Wenn Wildtiere nahe von Siedlungen sterben, löst das Emotionen aus», so der kantonale Jagdinspektor Adrian Arquint gegenüber der «Südostschweiz». Aber Fütterungen seien für die Wildtiere keine Hilfe. Dabei geht es nicht nur um aktives Füttern, sondern auch um Siloballen, die offen herumliegen, oder Küchenabfälle auf dem Kompost. Auch das sei ein Verstoss gegen das Verbot.

Werden Futterangebote gesehen, würde man erst das Gespräch suchen. Helfe das nicht, müsse mit einer Anzeige gerechnet werden. Das gelte auch für Privatpersonen, die unbelehrbar sind und ihren Kompost nicht abdecken. Vergangenen Winter wurden deswegen bereits 26 Mahnschreiben verfasst, Anzeigen gab es noch keine.

Wie Anita Mazzetta, Geschäftsführerin von WWF Graubünden, erklärt, kann falsch verstandene Tierliebe sogar zur tödlichen Falle werden: Wenn Wildtiere von Futter angelockt würden und in Siedlungen vordringen, koste sie das enorm viel Kraft. Zudem würden etliche Tiere bei Verkehrsunfällen umkommen. «Das nährstoffreiche Futter, das die Wildtiere bei Höfen oder Wohnhäusern finden, können sie auch nicht verdauen», wird Mazzetta von der Zeitung zitiert.

Kein Fütterungsverbot im Kanton St. Gallen

Im Kanton St. Gallen gibt es kein Fütterungsverbot. «Wir empfehlen aber dennoch, die Tiere nicht zu füttern», so Dominik Thiel, Leiter Amt für Natur Jagd und Fischerei im Kanton St. Gallen. Ein Verbot sei bisher nicht nötig. Man hätte jedoch die gesetzliche Grundlage dafür.

Anders als in Graubünden sei es im Kanton St. Gallen auch eher selten, dass Wildtiere in Siedlungsräume vordringen. Deshalb sei es auch nicht nötig, dass Private ihren Kompost abdecken. Würde sich die Sachlage ändern und hätte man mehr Wildtiere im Siedlungsgebiet, würde man zu gegebener Zeit über Massnahmen entscheiden.

(taw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gaby am 14.12.2018 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständnis

    Das man kein Kompostabfall offen stehen lassen sollte, da es evtl. unverdauliche Sachen für Tiere beherbergt, verstehe ich, aber Heuballen? Und dann, wenn ein Tier derart verzweifelt ist, das es im Stall nach essbaren sucht, abgeschossen wird, verstehe ich nicht. Von falscher Tierliebe zu falschen Tiergesetzen ist es nicht weit.

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  • Clare am 14.12.2018 06:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Futterstationen

    Diese ansonsten scheue Tiere scheint der Hunger in die Siedlungsgebiete zu treiben. Warum werden in der kalten Jahreszeit, im Wald, keine Futterstationen aufgestellt. Dann gäbe es dieses Problem nicht.

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  • Sev am 14.12.2018 06:26 Report Diesen Beitrag melden

    Ignoranz pur

    Gerade die Tierliebenden mit ultra-rosaroter Brille sind doch häufig die Unwissendsten. Hauptsache immer eine Meinung zur, aber selten Ahnung von der Materie. In Erinnerung blieb mir die naive Mutter, die vor einigen Jahren mit zwei Kleinkindern an der Hand auf dem Ofenpass dem ersten zurückgekehrten "Schweizer" Bären hinterherrannte. Einfach unverständlich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • p.ü. am 15.12.2018 10:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles sofort ausplaudern

    Woher wissen die Tierschützer von den Hirschen?

  • nessli-s am 14.12.2018 20:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Luxusgut Wild

    Wildtiere sollten einfach in ruhe gelassen werden. Der Igel ist ja anscheinend geschützt warum aber nicht der Wolf oder das Reh? Das Füttern der Igel wird überall betont wenn diese nicht gross genug sind. Ich verstehe nicht warum man einen Tierbestand haben muss wenn die Natur das selber regeln würde (wenn man Wölfe sobald sie die Schweiz betreten nicht gleich zum Abschuss freigegeben würden) Warum muss der Mensch "Gott" spielen? Wild ist nurnoch Luxus und dient nicht mehr zu unserem überleben.

  • HINTER MANN am 14.12.2018 16:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschen sind überall

    Und was ist mit den uneinsichtigen Wintersportlern, die sich ausserhalb der Markierungen aufhalten wie die Rowdies und das Wild verjagen. Das ist Stress und Anstrengung zusätzlich für die armen Tiere? Das zehrt enorm an ihren Kräften!

  • alice am 14.12.2018 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    schönie Beschehrung

    bei uns muss man die Friedhofstüre schliessen die Fressen alles ab!und wir dachten es sei entwendet worden ?laut Kamara nicht

  • Mann28 am 14.12.2018 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Nothilfe

    Jeder Bürger ist verpflichtet Nothilfe zu leisten. Da mach ich keinen Unterschied zwischen Mensch und Tier. Wohne am Waldrand und hatte letzten Januar 5 Rehe welche bis vor die Haustüre kamen und nicht mehr weg wollten. Sehr auffällig und unnatürlich. Einen Ballen Heu, einen Eimer sauberen Wassers und eine halbe Kiste schrumpeliger Äpfel später waren wieder weg. Zum Glück leb ich nicht in Graubünden, ihr Monster.

    • Gregor Zahner, Wildbiologe, Schiers am 14.12.2018 13:31 Report Diesen Beitrag melden

      Nothilfe / Monster ?

      Sind Sie sicher, dass die Rehe Ihr Heu gefressen haben? Ich jedenfalls nicht. Im Weiteren müssen Sie sich nicht brüsten, schrummelige Äpfel gefüttert zu haben. Es ist genau das selbe, wenn man Igel mit Milch füttert. Monster sind eher die, die glauben, eine gute Tat gemacht und nur Schaden verursacht haben. Im Weiteren hat Ihr Schreiben lediglich einen niederen Wert, wenn man Andere mit Monster betitelt. Alles klar?

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