Zugunglück Tiefencastel

13. August 2014 16:32; Akt: 13.08.2014 19:04 Print

«Wir mussten in den hinteren Teil des Wagens»

In Tiefencastel entgleisten drei Wagen der Rhätischen Bahn. Augenzeugen aus dem Unglückszug schildern den Unfall.

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Die Bergungs- und Räumungsarbeiten auf der Unfallstelle konnten am Abend des 15. August planmässig abgeschlossen werden. Die Bergung des letzten Wagens stellte eine grosse Herausforderung dar, verlief jedoch ohne Zwischenfälle. Alle Wagen der Rhätischen Bahn, bis auf den vordersten, der vom Gleis in den Hang stürzte, konnten geborgen werden. Der 17 Tonnen schwere abgestürzte Wagen 1 konnte den Hang heraufgezogen und parallel zum Gleis aufgestellt werden. Als nächsten und letzten Schritt konnte er auf die Schienen gehievt werden. Für die Bergung stand ein Schienenkran zur Verfügung. An dieser Stelle kam es zum Erdrutsch. Einen Tag nachdem bei Tiefencastel GR am Mittwoch, 13. August, ein Zug entgleist war, gab die Bündner Staatsanwaltschaft bekannt, dass eine Untersuchung zur Klärung der Unfallursache eingeleitet worden sei. Die Regierung lobte die Einsatzkräfte für ihren «effizienten Einsatz». Die Bergung und Versorgung der Verletzten und die Evakuierung und Betreuung der weiteren Bahnreisenden seien vorbildlich gewesen. Bei Tiefencastel GR entgleiste am Mittwoch, 13. August, ein Zug. Die Bahn wurde von einem Erdrutsch erfasst. «Der Zug machte eine Notbremsung aus dem Nichts», sagte ein Leser-Reporter zu 20 Minuten. Wie am seidenen Faden: Ein Waggon wurde nur von einigen Bäumen gehalten. Den Rettern bot sich an der Unglücksstelle ein schreckliches Bild. Insgesamt gab es elf Verletzte, fünf davon schwer. Wie die Polizei mitteilte, waren unter den Schwerverletzten vier Schweizer und ein Japaner. Am 15. August befanden sich noch immer sechs Personen im Spital. Zum Glück wurde keine von ihnen lebensgefährlich verletzt. Verletzte mussten zum Teil von der Rega geborgen werden. Daneben flogen die Helikopter auch Rettungskräfte und Bergungsmaterial vom Unglücksort zum Umladeplatz. Im Einsatz standen Rettungskräfte der Feuerwehr, der Alpinen Rettung, das Careteam Grischun und die Kantonspolizei Graubünden. Die Rettungskräfte im Einsatz. Die Rega stand insgesamt mit vier Helikoptern im Einsatz. Die Unglücksstelle war nur schwer zugänglich.

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«Der Zug machte eine Notbremsung aus dem Nichts», sagt Stevens B., der im Unglückszug reiste, zu 20 Minuten. Alle Passagiere seien dann aufgestanden. «Wir gingen alle in den hinteren Teil des Wagens, um das Gewicht zu verlagern, damit der Zug nicht abstürzt.»

Drei Waggons der Rhätischen Bahn sind aufgrund eines Erdrutsches entgleist, ein Wagen stürzte den Hang hinunter. «Das Knirschen ging durch Mark und Bein – ein wahnsinnig lautes Geräusch, als der Zug in den Erdrutsch fuhr», sagt ein 76-jähriger Rentner gegenüber 20 Minuten. Er war mit seiner Frau und Enkelin unterwegs. «Beim Aufprall wurden wir regelrecht herum geschüttelt. Meine Enkelin flog auf meine Frau und schlug sich den Kopf an.» Er sass auf der Talseite des Zuges: «Ich hatte Panik, dass der Zug ins Tal hinunterfällt.»

«Wir dachten sofort, dass etwas passiert sein muss»

Eine Passagierin sagte zu Radio Grischa «Wir sassen ganz gemütlich im Zug, als es plötzlich einen starken Ruck gab – wir dachten sofort, dass etwas passiert sein muss.» Sofort gab es eine Meldung durch den Lokführer im Zug: «Dann mussten wir in den hintersten Wagen.»

Bis die Passagiere aussteigen konnten, dauerte es: «Unsere Gedanken waren: Wir müssen da sofort raus. Aber dann haben wir die Tür nicht aufgebracht», sagt der Holländer Henk S. Auch über das Fenster sei es nicht möglich gewesen, den Wagen zu verlassen. «Wir mussten in den nächsten Wagen und haben es dort endlich in die Freiheit geschafft.»

Schliesslich seien die Passagiere zu Fuss durch den Tunnel zurückgegangen. «Es war sehr dunkel, ich glaube, es sind auch einige Leute gestürzt», sagt eine Passagierin zu Radio Grischa.

«Die Stimmung ist eigentlich gemütlich»

Bei dem Unglück wurden fünf Passagiere schwer und zwei weitere leicht verletzte. Alle anderen rund 200 Passagiere konnten unverletzt die Unfallstelle verlassen. «Den meisten geht es gut», sagt Stevens B. gegenüber 20 Minuten, nachdem er von den Rettungskräften von der Unfallstelle weggeführt worden ist.

Die nicht verletzten Personen würden in der Schulanlage Tiefencastel auf den Weitertransport per Postauto warten, das meiste Gepäck ist allerdings im Zug geblieben. Dennoch: «Die Stimmung ist eigentlich gemütlich.» Alle seien von medizinischem Personal gecheckt worden. «Einen Schock habe ich nicht – das habe ich wohl verdrängt», sagt B.

Die Gemeindepräsidentin von Tiefencastel, Patrizia Zanini kann momentan zwar nicht persönlich vor Ort sein, aber auch sie ist betroffen: «Ich hoffe, dass es nicht noch Schlimmeres zu vermelden gibt – und niemand lebensgefährlich verletzt ist.»

(zum/ngl)