Entlaufener Hund

06. Dezember 2019 04:46; Akt: 06.12.2019 04:46 Print

«Wir sind extrem froh, haben wir Paula wieder»

Am Donnerstagmorgen konnte ein ausgebüxter Hund in Oberbüren auf der A1 eingefangen werden. Die Besitzer atmen auf.

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Hündin Paula ist am Mittwochmorgen (4.12.2019) ausgebüxt. Nachdem ihre Besitzer die Hündin mit der Unterstützung vieler Leute aus der Umgebung und auf Facebook gesucht hatten... ...konnte sie schliesslich am Donnerstagmorgen von der Polizei auf der A1 zwischen Gossau und Uzwil eingefangen werden. Die Kantonspolizei St. Gallen fand das Tier verängstigt auf dem Mittelstreifen liegend. Um es einfangen zu können, wurden von Patrouillen in beide Fahrtrichtungen künstliche Staus herbeigeführt. Auf Facebook bedankte sich das Paar für die Hilfe und Unterstützung. Auf der A1 kam es am 25.11.19 vor dem Stephanshorn-Tunnel zu einer Auffahrkollision mit vier beteiligten Autos. Auslöser war ein Hund auf der Autobahn. Am Dienstagmorgen 02. Mai 2017 sei ein Hund selbstständig auf die Autobahn zwischen Seewen SZ und Goldau SZ gelaufen. Durch den tierischen Vorfall bildete sich auf der Strecke Stau. Zum Glück gab es keine Unfälle. Am 25. September 2016 mussten Polizisten einen herumstreunenden Hund auf der Autobahnausfahrt Abtwil SG einfangen. Wie das Tier auf die A1 kam, ist ein Rätsel. Ein Hund verirrte sich am 02. Februar 2016 auf die Autobahn bei Lenzburg. Er rannte auf den Pannenstreifen, die Polizei konnte ihn in letzter Sekunde retten. Ein kleiner Hund berfand sich am 18. September 2012 auf der Autobahn in Zürich. «Alle Autofahrer haben sofort gebremst, einige versuchten, das Tier einzufangen», erzählte damals ein Leser-Reporter. Erfolglos. Der Hund rannte weiter in den Uetlibergtunnel. «Dort wurde er von einem Wagen angefahren», sagte Martin Sorg, Mediensprecher der Kantonspolizei Zürich. «Er starb sofort.» Als die achtjährige Jack-Russell-Hündin Speedy am 27. November 2019 den Fussgänger streifen an der Birsstrasse in Basel überqueren wollte, erfasste sie ein Fahrzeug. Das Tier überlebte den Unfall nicht und der Lenker beging Fahrerflucht. Brav habe sie auf der Treppe Richtung Trottoir gewartet, erzählt ihr Herrchen Georg Ernst Billeter. Dann habe er ihr ein Zeichen gegeben, über die leere Strasse zu laufen. Als sie bereits auf der anderen Seite der Strasse war, sei ein Auto mit einem «Affenzahn», auf den Fussgängerstreifen zugefahren, auf dem Billeter lief, erzählt er. Sein Hund sei sofort zurück gerannt, um ihn zu «warnen». Das Fahrzeug erfasste zwar nicht den Mann, dem Tier konnte der Lenker oder die Lenkerin aber nicht mehr ausweichen. Billeter sei sofort zu ihr gelaufen und habe sie aufgehoben: «Ich spürte, wie ihr Herz noch schlug. Doch ihr Körper wurde immer schwerer und plötzlich merkte ich, wie ihr Herz aufgehört hat zu schlagen. Sie ist in meinen Händen gestorben.» Billeter meint, er und weitere Personen haben gesehen, dass das Tatfahrzeug in der 30er-Zone viel zu schnell gefahren sei. «Wenn der Fahrer normal gefahren wäre, wäre es bestimmt nicht so weit gekommen», sagt er.

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«Als wir gesehen haben, dass unsere Hündin Paula nicht mehr da ist, waren wir geschockt», erzählt S. C.*. Am Mittwochmorgen gegen 11 Uhr büxte sein Border-Collie-Mischling auf einem Parkplatz aus. «Am Anfang dachten wir, dass Paula vielleicht irgendwo in der Nähe auf der Wiese ist. Je länger wir sie nicht fanden, desto nervöser wurden wir», so der 35-Jährige.

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Die Suche habe sich als schwierig erwiesen, da C. und seine Frau aus dem Kanton Aargau kommen und die Umgebung nicht kennen. Die ganze Nacht hätten sie nach der Hündin gesucht. Auch auf Facebook postete das Paar Bilder und bat um Hinweise. Diverse Meldungen seien in der Folge eingegangen, Paula war mehrfach gesichtet worden.

Von Polizei eingefangen

Gefunden wurde die Hündin am nächsten Morgen auf der Autobahn A1 zwischen Gossau und Uzwil. Die Kantonspolizei St. Gallen fand das verängstigte Tier auf dem Mittelstreifen liegend in Oberbüren. Schlussendlich gelang es einer Lastwagenchauffeurin das Tier zu fassen.

Hündin Paula sei erst im Februar auf die Welt gekommen und daher noch sehr ängstlich, sie gehe auch nicht direkt auf Menschen zu, erzählt der Hundebesitzer. Weiter meint C.: «Wahrscheinlich war sie orientierunglos und lief einfach in irgendeine Richtung.» Er ist extrem froh, sie wohlauf wieder zu haben: «Es war für alle Beteiligten gefährlich und ich bin froh, dass nichts passiert ist.»

Geschätzt und als eindrücklich empfunden habe er die grosse Solidarität in der Ostschweiz. «Leute aus der Umgebung halfen uns, Paula zu suchen. Das, obwohl wir sie gar nicht kannten. Das war sehr schön und wir sind unglaublich dankbar dafür», so der Aargauer.

Hund auf Autobahn löst Unfall aus

Ein Einzelfall ist Paula nicht. Erst letzte Woche befand sich ein freilaufender Hund auf der A1, wodurch es vor dem Stephanshorn-Tunnel zu einem Unfall kam. Insgesamt waren bei der Auffahrkollision vier Autos beteiligt. Zwei Personen wurden verletzt.

Hunde geraten per Zufall auf Autobahn

Laut Hundetrainerin Monika Eicher handelt es sich bei dieser Häufung wohl um Zufall. «Ein Hund sucht sich nicht eine Autobahn aus, das kann passieren, wenn er zum Beispiel aus Panik wegrennt.» Oder er entwische auf einer Autobahnraststätte, wo es dann einfach keinen anderen Weg gebe. Auch ein ausgeprägter Jagdtrieb könne einen Hund an eine Autobahn führen, so Eicher. Das sei aber eher die Ausnahme.

*Name der Redaktion bekannt

(del)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Teluba am 06.12.2019 06:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leine?

    Schön, dass Paula unversehrt wieder bei ihren Besitzern ist. Kleiner Tip: Hunde gehören auf Parkplätzen , beim Aussteigen aus Autos usw. grunsätzlich immer an die Leine.

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  • Agnesa am 06.12.2019 07:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück!

    Schön, dass sie wieder da ist! Und jetzt ab in die Hundeschule mit euch ;)

  • Denise am 06.12.2019 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So schön

    Paula wieder zu Hause; morgens früh eine wunderschöne Nachricht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Django am 06.12.2019 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    In Syrien sterben Kinder und wie machen uns um Hunde sorgen. Ein witz

  • Peter am 06.12.2019 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    GPS wäre ideal

    Schön dass Paula wieder da ist, ich kann nur ein GPS Gerätlein empfehlen, eine super Sache. Habe ich bei meinem Hund auch immer am Halsband

  • damisi am 06.12.2019 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Nochmal gut gegangen

    Ich hoffe sehr, dass die Hundebesitzer aus der Situation gelernt haben und sich nun ihrer Verantwortung bewusst sind. Es war ja nicht nur der Hund durch diesen Leichtsinn massiv gefährdet. Ein Junghund der noch unsicher, scheu ist und der Grundgehorsam ganz klar noch nicht gefestigt sein kann, gehört immer gesichert, sprich LEINE. Sein Freilauf kann an ungefährlichen und übersichtlichen Orten stattfinden. Wie schon jemand schrieb: Auf Raststätten und in unmittelbarer Nähe von Strassenverkehr, gehört JEDER Hund an die Leine, egal ob jung, alt, gross, klein, folgsam oder nicht. Jeder!

  • Yanna am 06.12.2019 09:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nur freuen geht nicht?

    Kann sich ein Mensch heutzutage nicht mehr einfach nur freuen für ein Happy End ohne gleichzeitig zu kritisieren, belehren, verurteilen etc?! Einfach nur wunderschön ist die Kleine wieder zuhause und darf die Familie die Weihnachten mit ihr verbringen. Toll gibt es Menschen die einfach selbstlos helfen! An alle Nörgler: geniesst die Weihnachtszeit. ;-)

    • NoDog am 06.12.2019 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Yanna

      Ja klar, einfach undifferenziert freuen, weil sich der Hundehalter zu schade war dem Fifi eine Leine anzulegen. Dafür durften hunderte Leute ewig im Stau stehen, bis eine Armada von Leuten das Tier inkl dessen Belichtungsproblem einfangen konnte. Alles ganz toll, genial geradezu. Nicht. Ich hoffe der Hundehalter muss den gesamten Polizeieinsatz bezahlen. Und eigentlich wäre Schadenersatz an alle im Stau stehenden auch angezeigt.

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  • Melch am 06.12.2019 09:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schön aber

    Schön ist der Hund zurück. Jetzt ab in die Hundeschule und die Sozialisierung sowie Gehorsamkeit trainieren.