Vaduz

16. November 2019 12:10; Akt: 16.11.2019 12:10 Print

Xanax-Dealer sticht mit Messer auf «Käufer» ein

Die Messerstecherei vom Ostermontag in Vaduz hat Folgen. Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen zwei Jugendliche.

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In der Nacht zum Ostermontag 2019 kam es zu einer Messerstecherei im Gebiet Mühleholz in Vaduz. Ein 17-Jähriger wurde dabei erheblich verletzt. Am Freitag gab die Staatsanwaltschaft Liechtenstein ihre Anklage und weitere Details zum Vorfall bekannt. Demnach war ein geplanter Deal mit verbotenen Medikamenten der Auslöser der Auseinandersetzung, die in der Messerstecherei gipfelte.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 16-Jährige im Darknet 1000 Tabletten Xanax-Imitate, welche den verbotenen Wirkstoff Etizolam enthalten, gekauft hat und beim vereinbarten Treffen in der Nacht auf Ostermontag davon 900 Stück dem 17-Jährigen verkaufen wollte. Dieser habe dem 16-Jährigen Lieferanten die Tabletten aber ohne Bezahlung abnehmen wollen, schreibt das «Liechtensteiner Vaterland» am Freitag.

Flasche auf Kopf geschlagen

Um gratis an die verbotenen Medikamente zu kommen, wählte der 17-Jährige laut Anklage einen rabiaten Weg: Er schlug dem Xanax-Dealer eine Bierflasche auf den Kopf. Das liess sich der 16-Jährige jedoch nicht bieten und zog laut Staatsanwaltschaft ein Klappmesser. Damit stiess er dem 17-Jährigen die Klinge in die Brust, wodurch dieser eine erhebliche Stich- und Schnittverletzung mit Durchtrennung einer Schlagader und einer Rippe erlitt.

Der 16-Jährige wird sich deshalb wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung und Verstoss gegen das Betäubungsmittelgesetz vor Gericht verantworten müssen. Dem 17-Jährigen wird der Versuch eines schweren Raubes und ebenfalls der Verstoss gegen das Betäubungsmittelgesetz zur Last gelegt.

Bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe

In der Untersuchung hätten sich beide teilweise geständig gezeigt. Jedoch machten sie widersprüchliche Aussagen. Wann der Fall vor Gericht kommt, ist noch nicht bekannt. Der mögliche Strafrahmen liegt bei einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren. Beide Angeklagten befinden sich auf freiem Fuss. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Vorsicht mit Xanax-Imitaten

In ihrer Mitteilung macht die Staatsanwaltschaft auf die Gefahr von Xanax-Imitaten aufmerksam. Der Wirkstoff Etizolam, weise ein hohes Suchtpotential auf und könne bei Überdosierung oder bei Kombination mit Alkohol oder Opioiden zu einer lebensgefährlichen Atemdepression führen. «Der Konsum von Designerdrogen ist hoch riskant. Eigentlich weiss man nie, welcher Wirkstoff in welcher Konzentration enthalten ist» warnt der Leitende Staatsanwalt Robert Wallner in der Mitteilung vom Freitag.

(maw/jeb)