Zwischenbilanz

11. März 2015 16:32; Akt: 21.04.2016 12:13 Print

«Zu Beginn war die Kesb überfordert»

Zwei Jahre nach Einführung der Kesb im Kanton St.Gallen haben die Verantwortlichen eine erste Bilanz gezogen. Dies durchaus nicht ohne kritische Töne.

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Der St. Galler Regierungsrat Martin Klöti (FDP) hat mit den Verantwortlichen der Trägerschaften der neun St.Galler Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB) Bilanz gezogen. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

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Seit sie Anfang 2013 eingeführt wurde, stand die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) häufig in der Kritik. So soll die Kesb Linth zum Beispiel einer Mutter den Sohn weggenommen haben, indem sie ihn aus dem Schulunterricht abführen liess. Ein weiterer bekannter Fall ist der des «Carlos von Schmerikon», des 14-jährigen Marco H., der auf dem Jugendschiff Salomon lebt, auf dem schwierige Jugendliche wieder auf Kurs gebracht werden sollen. Eingfädelt wurde dies von der Kesb Linth.

Rund zwei Jahre nach der Einführung hat sich nun der St. Galler Regierungsrat Martin Klöti mit den Verantwortlichen der Trägerschaften der neun St. Galler Kesb-Standorte zusammengesetzt und Bilanz gezogen. «Die Kesb stand schnell in der Kritik», sagt Klöti. Die Nähe zu den Betroffenen sei verloren gegangen, die Behörde interveniere zu stark, die Verfahren dauerten zu lange und angeordnete Massnahmen kosteten zu viel, lauteten die Vorwürfe. «Ziel des Treffens war es, die Situation im Kanton St.Gallen konkret anzuschauen und zu prüfen, ob und welche Massnahmen getroffen werden müssen», so Klöti.

Er gibt zu, dass die Kesb zu Beginn überfordert war. «Es gab förmlich eine riesige Welle von Fällen», sagt der FDP- Regierungsrat. Das habe sich mit der Zeit aber gelegt und es sei gut gearbeitet worden. Aufgrund der Aufgaben und neuer Erkenntnisse mussten bereits Strukturen angepasst und weitere Stellen bewilligt werden. Im Kanton St.Gallen organisieren die Gemeinden den Kindes- und Erwachsenenschutz.

Weniger Heimplatzierungen

Den Vorwurf, die Kesb platziere zu häufig in teuren Heimen, wird von den vorliegenden kantonalen Daten nicht bestätigt. Allerdings sei es noch zu früh, um gefestigte Aussagen zu machen, sagt Klöti.

Konkret wurde im ersten Betriebsjahr ein Rückgang der Platzierungen in Kinder- und Jugendheimen festgestellt. Es erfolgten 75 Neueintritte, im Schnitt der Vorjahre waren es jeweils 84. Die Kesb prüften «familiennahe und günstige Lösungen.» Platzierungen würden vermehrt einvernehmlich mit den Eltern geplant, heisst es in der Mitteilung.

Zusammenarbeit mit Sozialämtern

Ein weiteres Thema des Treffens: Es gibt zu wenig Beistände. Es brauche solche für Kinder und Jugendliche, aber zunehmend auch für ältere Personen, so Klöti. Die Aufgabe sei anspruchsvoller als früher, es sei deshalb schwieriger geworden, geeignete Leute zu finden.

Der Kantonsrat hat die Regierung beauftragt, die Wirkung der Kesb zu überprüfen. Der neuen Behörde müsse die Chance eingeräumt werden, nach der ersten intensiven Phase selber noch Verbesserungen zu erwirken. Dafür brauche es drei ganze Betriebsjahre, präzisierte Klöti. Danach könne der Auftrag einer systematischen Wirkungsprüfung an die Hand genommen werden.

(jeh/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • peter müller am 11.03.2015 17:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsch ist Falsch

    Die Aufgabe sei anspruchsvoller als früher, es sei deshalb schwieriger geworden, geeignete Leute zu finden. Das stimmt nich ganz es, werden immer mehr Anforderungen verlangt die nicht realistisch sind , alles nur Theoretiker und keineinziger praktisch Denkender Mensch! Das ist das Problem (Hsg) Für alles einen Dr.Titel und die menschlichkeit geht verloren !

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  • Erfahrener am 11.03.2015 17:37 Report Diesen Beitrag melden

    Immer noch überfordert

    Als ob die KESB jetzt nicht mehr überfordert wäre!

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  • Peter Hartmann am 11.03.2015 17:24 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts ist gut!

    Genau so wird immer abgewiegelt und und so lang gelabert bis schlussendlich sich alle einig sind, dass es gar keinen Reformbedarf gibt und eigentlich die KESB gar nicht besser sein könne und sie selber sowieso immer alles richtig gemacht hätten aber die Kritiker wahrscheinlich alle rechts oder wahnsinnig etc sein müssten, jaja so ähnlich läuft immer in der Schweiz. Nein, die KESB haben zuviel Macht, es gibt zuwenig Augenmass und zuviel inkompetente Behördenwillkür und der Verwaltungsapparat ist lernresistent und faktisch durch die Eltern auf dem Rechtsweg nicht belangbar.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Liserl am 12.03.2015 20:44 Report Diesen Beitrag melden

    Bin traumatisiert vom lesen

    Autsch, schon das Lesen dieses Berichtes schmerzt. Gibt es eigentlich für einseitige Darstellungen auch eine Schutzbehörde? Müsste dann EDSB genannt werden.

    • Auch ein Traumatisierter am 12.03.2015 21:26 Report Diesen Beitrag melden

      Wer stoppt diese Behörde, bitte schnell

      Es geht mir auch so. Es wird nur "schöngeredet". In den letzten Tagen sprach ich mit etlichen Betroffenen von der KESB Linth und der rote Faden ist überall gleich. Die Familie fragt man gar nicht. Es wird einfach bestimmt. Es gibt selten Diskussionen und wenn ja sind sie unter der Gürtellinie. Man fühlt sich entmündigt. Es entsteht ein Hass gegen diese Behörde. Es geschehen Fehler, doch man reagiert nicht, wenn man sie darauf anspricht. Diese Leute sind weg von der Realität. Sie sehen nur böse Menschen, die man sofort bevormunden muss. Man gibt auf und ergibt sich in das Schicksal.

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  • Hildegard am 12.03.2015 20:20 Report Diesen Beitrag melden

    Schönwetterreden

    Schwierigkeiten geeignete Leute zu finden? Das glaube ich jetzt nicht wirklich, mir fehlen die Worte! Und noch Eins; die Überforderung hält meines Erachtens imer noch an. Sie ist einfach zur Gewohnheit geworden. Das liegt aber bestimmt nicht an der 34h Woche. Und sowieso, den Grossteil dieser Arbeiten erledigen externe private Firmen zum Höchstpreis. Warum lese ich davon nichts?

  • R/B am 12.03.2015 13:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    KESB handelt gesetzeswidrig

    Kleine Anekdote: 2013 wurde mein Sohn geboren unter etwas schwierigen Umständen, ich wurde vom Krankenhaus völlig ignoriert was denn nun los sei (Herztöne gingen ständig in den Keller) Kurz nach der Geburt stellte ich die Verantwortlichen zur Rede. Ein Tag später kam ich zufällig etwas früher ins KKH und da war ein Mitarbeiter des KESB und wollte meine Frau überreden mich zu verlassen da ich ein agressiver Mensch wäre, wenn sie es nicht tun würde würde man ihr unseren Sohn wegnehmen. Laut Hebamme war das nicht das erste Mal dass die KESB direkt am Tagebett Kinder wegnehmen wollte.

  • sandro am 12.03.2015 07:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kesb

    Die Kesb ist ein unternehmen das in der Schweiz nichts zu suchen hat.

    • Richard am 12.03.2015 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Kein Unternehmen!

      Irrtum. Das KESB ist kein Unternehmen, sondern eine Behörde. Seit wir Stimmbürger vor einigen Jahren darüber abgestimmt haben, sind alle früheren Gemeinebehörden durch kantonale Behörden abgelöst worden. Die einzelnen Kantone organisieren ihre KESB selbständig.

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  • Robo Bono am 12.03.2015 06:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo bleibt meine Schweiz

    Der Staat mischt sich ins private. Genau das wollten die Gründer der Schweiz nicht! So einfach ist es. Den Staatsapparat abbauen, mehr Freiheit und die ganze Politik auf die Hälfte runterfahren. Schöner Nebeneffekt, keine sinnlose neue Gesetze mehr, weniger Geld dem Staat.