Thurgau

14. November 2019 18:26; Akt: 14.11.2019 18:26 Print

1,45 Mio. abgezweigt, um auf dicke Hose zu machen

Ein Treuhänder aus Kreuzlingen hat eine betagte Frau, eine Kinderkrippe und eine Privatfirma um insgesamt rund 1,45 Millionen Franken erleichtert. Nun wurde er verurteilt.

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Der selbständige Treuhänder hatte jahrelang eine Vertrauensstellung inne: Er war Beistand einer betagten, zunehmend dementen Frau und Rechnungsführer des Vereins Kinderkrippe Kreuzlingen. Zudem war der 51-Jährige Revisor einer Firma, deren einzige Verwaltungsrätin seine Ehefrau war. Diese ist wegen Urkundenfälschung bereits bestraft worden.

Der Treuhänder habe das ihm entgegengebrachte Vertrauen ausgenutzt. «Er handelte aus Egoismus und legte eine erhebliche kriminelle Energie an den Tag», begründete der vorsitzende Richter das Urteil. Mit dem Geld, das er über einen Zeitraum von 14 Jahren abzweigte, finanzierte er seinen gehobenen Lebensstil. Obwohl gegen den Mann bereits seit 2015 eine Strafuntersuchung lief, habe er noch ein Jahr lang weiter delinquiert.

Geld zurück gezahlt

Der Beschuldigte wurde wegen Veruntreuung, ungetreuer Geschäftsbesorgung mit Bereicherungsabsicht, gewerbsmässigen Betrugs, Urkundenfälschung und weiterer Delikten verurteilt. Alle Taten beging er mehrfach.
Der 51-Jährige muss 12 Monate der Freiheitsstrafe absitzen, die restlichen 24 Monate wurden bedingt ausgesprochen. Die Probezeit beträgt zwei Jahre. Das Urteil, das das Bezirksgericht Kreuzlingen am Donnerstagnachmittag mündlich eröffnet hat, ist noch nicht rechtskräftig.

Als Strafmildernd qualifizierte das Gericht, dass der Mann die Taten gestanden und den Schaden wieder gut gemacht hat. Mit Hilfe von Darlehen hat er alles zurückgezahlt.
Die Strafanträge zwischen Anklage und Verteidigung lagen weit auseinander. Der Staatsanwalt verlangte wegen qualifizierter Veruntreuung, ungetreuer Geschäftsbesorgung, gewerbsmässigen Betrugs und weiterer Delikte eine Freiheitsstrafe von 51 Monaten. Der Verteidiger fand, eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 250 Franken sowie eine Busse von 6000 Franken seien genug.

«Fehlende Kontrolle»

Der Verteidiger schob in seinem Plädoyer den Geschädigten eine «erhebliche Mitverantwortung» zu. Hätten sie genauer hingesehen und hätten sie den Beistand, den Rechnungsführer beziehungsweise den Revisor kontrolliert, wäre alles nicht passiert. Sein Mandant habe sich hinreissen lassen zu Delikten, die er heute zutiefst bereue.

Der Staatsanwalt betonte dagegen, in der Berufsbezeichnung «Treuhänder» stecke das Wort Treue, Vertrauen. Die Geschädigten hätten dem Beschuldigten einfach vertraut. Sein jahrelanges Delinquieren zeuge «von einiger Unverfrorenheit». Er habe falsche Buchungen vorgenommen, Jahresabrechnungen gefälscht, angebliche Verluste als Marktvolatilität plausibel gemacht.

(sda)