Sirnach TG

24. April 2019 11:59; Akt: 24.04.2019 11:59 Print

Defekter Blitzer reisst riesiges Loch in Kasse

Die Kapo Thurgau hat 1,7 Millionen Franken weniger in ihrer Bussenkasse als im Vorjahr. Weniger Verkehrs-Rowdys und ein defekter Radar sind die Gründe.

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Der Blitzer steht auf dem Gemeindegebiet von Sirnach, direkt an der Grenze zum Kanton SG. Eine Weile lang war er defekt. Eigentlich gehört er sonst zu den lukrativsten im Kanton. Ist der Radar defekt, gibt es nebst Ärger aber auch keine so schönen Bilder wie die folgenden. In Köniz BE hat im April 2018 ein Radar eine Ente erfasst. Das Tier war in der 30er-Zone mit 52 km/h unterwegs. Auch diese Blaumeise hatte es offenbar eilig und wurde so auf der britischen M1 erwischt. In Moers (D) verrichtete ein Hund sein Geschäft genau in dem Augenblick, als ein Fahrzeug in eine Radarfalle tappte. Der Lenker war in einer 30er-Zone mit Tempo 42 unterwegs und wurde geblitzt, wie die Polizei NRW WES im April 2018 miteilte. Ein Hund als Beifahrer? So passiert in Altstätten SG am 2.12.2013. Ein anderer wurde geblitzt, als er während voller Fahrt Zeitung las. Auch für diesen Herrn ist die Zeitung offenbar spannender als die Strasse. Oder steht auf dem Zettel etwa eine Wegbeschreibung? Handy am Steuer und zu schnell, so wurde dieser Fahrer erwischt. Beim Arisdorftunnel auf der A2 ist im August 2016 der Mitarbeiter einer privaten Blitzerfirma vom Radar erwischt worden – samt eigenem Blitzer. Er war 13 Stundenkilometer zu schnell gefahren. Im Juni 2017 wurden zwei Velofahrer in einer 30er-Zone zwischen Burgdorf und Kirchberg BE geblitzt. In St. Gallen liessen sich Jugendliche im März 2017 zum Spass auf dem Velo von einem Radar in einer 30er-Zone erwischen. Auch mit dem Rollbrett kann man geblitzt werden. In St. Gallen wurde 2014 ein 20-Minuten-Reporter geblitzt. Er war nicht zu schnell, sondern fotografierte den Blitzer. Der Blitzer wurde dadurch manuell ausgelöst. Damit geht die Polizei gegen Diebe vor. Auch Lenker, die am Steuer telefonieren, können so erwischt werden. Ein Clown am Steuer? Es gibt nichts, was es nicht gibt. Aufgenommen in Mörschwil SG. An die Fasnacht wollte er im Mai wohl nicht mehr? Zu wenig Abstand und zu schnell – auch nicht empfehlenswert. Auch die SBB ist schon vom Radar erwischt worden. Ob der Zug dafür pünktlich war? Dieser Thurbo wurde im Januar 2014 Richtung Winterthur geblitzt. Im Juli 2008 wurde die Kapo Appenzell Ausserrhoden mit einem ungewöhnlichen Blitzerfoto überrascht. Ein 22-Jähriger fuhr einen roten Kleinwagen ohne Kennzeichen mit 86 km/h in einer 50er-Zone in Heiden am Radarkasten vorbei, auf der Motorhaube lag eine 21-jährige Frau, die mit einem Band an einer Hand «gesichert» war. Die Polizei konnte die beiden schliesslich ermitteln und entzog beiden den Ausweis. Im Kanton Neuenburg wurde im Oktober 2011 ein Töfffahrer genau in dem Moment geblitzt, als er verunfallte. Weltweit entstehen immer wieder kuriose Radarbilder. Etwa dieses hier, auf dem ein Helikopter zu sehen ist. Dieses Bild ist schon etwas älter, der Ärger über den Radarkasten hat sich mittlerweile hoffentlich gelegt. Ein Pärchen küsst sich während der Fahrt im Auto - und wird dabei geblitzt. Ist Liebe nicht schön? Ja klar, aber nicht auf der Autobahn bei überhöhter Geschwindigkeit. Dito Öhm, ja... In Deutschland wurden 2011 echte PS geblitzt. Das Pferd war aber nicht der Auslöser, sondern ein Auto. Dieses Bild vom 23.6.2014 zeigt ein Pferd, das auf der Bundesstrasse 455 in Eppstein (Main-Taunus-Kreis) von einer Verkehrsüberwachungskamera geblitzt worden ist. Ausgelöst wurde die Anlage aber von einem dahinter fahrenden PW. Piotr Chielewski, ein Velofahrer aus Polen, hatte wohl nichts zu verlieren, als er im Sommer 2012 nackt mit 53 km/h auf dem Velo über die Autobahn in Bialy Bor fuhr. Auch Monster halten sich nicht immer an Verkehrsregeln. Geblitzt auf der A3 in Deutschland. Was zum Teufel soll das denn? Ein ungewöhnlicher Beifahrer... Aufgenommen auf der A7 bei Göttingen. Bei diesem Bild ist wohl ziemlich klar, was der Töfffahrer von seinem Schnappschuss hält. In Norddeutschland wurde 2002 eine Ente geblitzt, die es wohl ziemlich eilig hatte. Am besten ich filme gleich, dass ich geblitzt werde? So passiert 2014. Wenn niemand am Steuer sitzt, gibt es auch keine Busse? Armer Fuchs. Aufgenommen in Finnland. Samichlaus samt Kutsche: Sie landeten im Dezember 2006 auf einem Blitzerfoto. Allerdings waren nicht sie die Temposünder, sondern ein Auto auf der Überholspur. Aber wenn die Kinder doch auf sie warten... Auch Hochzeitsgesellschaften müssen sich an die Verkehrsregeln halten. Diese drei Personen haben sogar extra angehalten, um sich blitzen zu lassen.

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Direkt an der Grenze zum Kanton St. Gallen ist auf der A1 ein Blitzer angebracht, der Geschwindigkeitsübertretungen noch auf Thurgauer Boden misst. Die Einnahmen des Kastens fliessen also in die Thurgauer Staatskasse. Wie das «St. Galler Tagblatt» schreibt, erwies sich der Radarkasten während langer Zeit als besonders lukrativ. Vergangenes Jahr machte er allerdings Probleme.

Insgesamt 11,3 Millionen Franken wollte der Kanton Thurgau 2018 durch Ordnungsbussen einnehmen. Laut dem Tagblatt wurde das angestrebte Ziel allerdings um 2,2 Millionen Franken verfehlt. Mit den eingenommenen 9,1 Millionen Franken verzeichnet der Kanton ein Minus von rund 1,7 Millionen gegenüber dem Vorjahr.

Radar war nicht sofort einsatzbereit

Der Grossteil der Bussen stammt laut der Kantonspolizei Thurgau von Geschwindigkeitsübertretungen. Eine der Ursachen für das Minus in der Bussenkasse soll der Radarkasten auf der A1 bei Wil sein. Für rund zwei Monate war dieser nicht in Betrieb. «Grund dafür war, dass die Herstellerfirma im Rahmen des Servicevertrags nach einem Defekt entschied, die Anlage auszutauschen, anstatt sie zu reparieren», wird Daniel Meili, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau, zitiert.

Zu den Detailzahlen der Einnahmen durch einzelne Radaranlagen möchte die Kapo Thurgau aber keine Angaben machen. Meili meint nur: «Es ist Tatsache, dass die Radaranlagen auf den Autobahnen A1 und A7 jeweils die meisten Geschwindigkeitsübertretungen registrieren.»

Doch nicht nur der Ausfall des Radars soll zum Rückgang der Einnahmen geführt haben: «Seit Jahren beobachten wir sowohl bei den Ordnungsbussen als auch bei den Verzeigungen eine rückläufige Tendenz an Geschwindigkeitsübertretung», so Meili.

(mwa)