Schweizer in Konstanz getötet

13. März 2017 14:57; Akt: 14.03.2017 09:00 Print

17-Jähriger verhaftet – hat er Sony S. erstochen?

Im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt vor einer Shisha-Bar in Konstanz hat die Polizei einen Hauptverdächtigen (17) festgenommen. Ein weiterer Verdächtiger (21) sitzt in U-Haft.

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Steht das Tötungsdelikt von der Konstanzer Shisha-Bar vor der Aufklärung? Die Staatsanwaltschaft und die Polizei von Konstanz teilten am Montagnachmittag mit, dass sie zwei Männer dringend der Tat verdächtigt und in U-Haft genommen hat: einen 21-jährigen Syrer und einen 17-jährigen Deutschen. Drei weitere Männer wurden laut Behörden wieder auf freien Fuss gesetzt. Sie werden ebenfalls verdächtigt, an der Auseinandersetzung beteiligt gewesen zu sein.

Stich in Oberkörper war tödlich

Vor der Konstanzer Shisha-Bar Pasha of Dubai war am Samstagmorgen eine Gruppe Männer auf vier Besucher losgegangen. Im Verlauf der Auseinandersetzung stach einer der Angreifer, womöglich der 17-Jährige, auf den 19-jährigen Sony S.* aus dem schaffhausischen Herblingen ein. Weshalb es zum Angriff kam, war zunächst unklar. Laut ersten Ergebnissen der Obduktion erlitt Sony S. einen Stich im Oberkörper. Dabei wurde ein Lungenflügel und Blutgefässe verletzt, was zu seinem Tod führte.

Nach der Tat schossen die wildesten Gerüchte ins Kraut: Es sei um eine Frau gegangen, schrieb etwa der «Südkurier».

Angreifer sassen im Lokal

Dem widerspricht die Cousine von Sony S.: «Wir waren zu viert in der Bar – Sony, seine Freundin, ein Kollege und ich», erzählt sie. «Es gab auch keinen Streit im Lokal.» Kurz nach halb zwei Uhr früh hätten sie nacheinander die Shisha-Bar verlassen, um nach Hause zu fahren. Zuvor habe man friedlich eine Shisha geraucht und Red Bull getrunken. Sony sei zuerst nach draussen gegangen und habe sich ans Auto gelehnt, als plötzlich fünf oder sechs Männer auf sie losgegangen seien, alle mit Gegenständen in der Hand. Mindestens zwei hätten ein Messer dabei gehabt. «Die Männer sassen zuvor im Lokal und waren uns offenbar gefolgt», so die Cousine. «Sie haben jeden von uns bedroht und uns auseinandergedrängt.» Einer der Männer habe gesagt: «Hey, willst du Probleme, warum fickst du meinen Bruder an?» Als der Kollege etwas habe entgegnen wollen, sei er sogleich k.o. geschlagen worden. Bevor sie begriffen hätten, worum es geht, habe einer der Männer, die bei Sony standen, zugestochen.

Blutend habe sich der 19-Jährige zurück in die Bar geschleppt, wo er zusammengebrochen sei. Zwar konnte er reanimiert und von Sanitätern ins Spital gebracht werden, doch erlag er wenig später den Folgen seiner Verletzungen. «Es gab keinen Streit», sagt die Cousine. Der Angriff sei aus dem Nichts erfolgt.

Keine Angaben zur Tatwaffe

Die Ermittlungsbehörden machten bislang keine Angaben zum Motiv für die Tat. Nur soviel: Ein «Antanzen»
oder eine verbale Anmache einer Frau hat es nach Auswertung der bislang vorliegenden Fakten nicht gegeben. Auch die Frage nach der Tatwaffe blieb bislang unbeantwortet. Dass die Polizei schreibt, Sony S. sei vermutlich mit einem Messer niedergestochen worden, deutet aber darauf hin, dass noch nach der Waffe gesucht wird.

Beim verhafteten Syrer handelt es sich laut Staatsanwaltschaft um einen Asylbewerber, der 2015 nach Deutschland gekommen war. Der Mann hatte zuletzt keinen festen Wohnsitz; festgenommen wurde er in Singen (D). Er soll Beihilfe zur Tat geleistet haben. Zugestochen hat nach den bisherigen Ermittlungen der 17-jährige Deutsche, der am Sonntagabend im Landkreis Konstanz verhaftet wurde.

Die Ermittlungen der 50-köpfigen Sonderkommission liefen auch am Montag auf Hochtouren.

*Name der Redaktion bekannt

(gts/eli)