Urteil gesprochen

23. März 2020 12:21; Akt: 23.03.2020 12:32 Print

Er mordete «aus reiner Tötungslust»

Als seine Geliebte sich gegen ihn entschied, brachte F. S. seinen Nebenbuhler um. Nach dem Prozess folgt nun das Urteil: 19 Jahre Freiheitsstrafe.

Darum geht es beim Mordfall Ganterschwil. (Video: mig)
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F. S.* wollte den 36-jährigen A. V.* am 9. September 2015 mit neun Pistolenkugeln töten, so steht es in der Anklageschrift. Getroffen wurde das Opfer von zwei Kugeln. Danach habe S. noch zu einem Messer gegriffen und es dem am Boden liegenden Mann in die Brust gerammt. Dieser ist noch vor Ort in Ganterschwil SG verblutet. Seine Partnerin M. W.* musste alles mitansehen.

Am Montag hat das Kreisgericht Toggenburg nun das Urteil bekanntgegeben. Es hat den 34-jährigen F. S. wegen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von 19 Jahren verurteilt. Ein mitangeklagter 55-jähriger Kollege des Haupttäters wurde wegen Gehilfenschaft zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Die äussere Ausführung der Tat zeuge von einer aussergewöhnlichen Kaltblütigkeit und Grausamkeit, begründet das Kreisgericht das Urteil am Montag. Es folgte weitestgehend den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Diese war sich sicher: Der Angeklagte habe «aus reiner Tötungslust» gehandelt und sein Opfer nahezu hingerichtet.

Beide wollten dieselbe Frau

Der 34-Jährige aus Nordmazedonien hat sein Opfer gekannt. Täter und Opfer wollten mit der selben Frau zusammen sein und waren zeitweise auch mit ihr zusammen. Er wollte M. W. möglichst schnell heiraten, denn er war zu diesem Zeitpunkt ohne gültige Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz. In der Anklageschrift steht: «Er schüchterte M. W. phasenweise massiv ein, drohte ihr, sie umzubringen, ihr Haus anzuzünden und sie zu verprügeln sowie ihren Kindern etwas anzutun.»

Dennoch lebten sie eine gewisse Zeit im selben Haus. Die Frau ist laut der Anklageschrift auch sexuell von ihm angezogen gewesen. Doch als V. aus dem Gefängnis entlassen worden sei, sei es zu Problemen gekommen. Denn dieses Haus gehörte zur Hälfte ihm, heisst es in der Anklageschrift. Am Tag vor dem Mord sei es zu einem klärenden Gespräch der drei gekommen. Dieses sei friedlich verlaufen. Dabei liess die Frau verlauten, sie habe sich endgültig für V. entschieden, und S. musste seine Sachen zusammenpacken und den Hausschlüssel abgeben.

«Soll ich ihn umbringen?»

Am selben Abend sagte S. seinem Komplizen, er werde V. umbringen. Davon habe ihn auch die umworbene Frau nicht abbringen können. Als er sie nämlich an diesem Tag zur Arbeit fuhr, habe er sie gefragt, ob er V. umbringen solle. Sie habe dies abgelehnt. Tags darauf trafen sich die beiden Beschuldigten vor der Tat. S. kündigte an, er werde jetzt V. erschiessen und habe seinen Komplizen aufgefordert, ihn nach Ganterschwil zu fahren.

Anfänglich versuchte dieser ihn von der Idee abzubringen. Doch dann fuhr er. Nach der Tat haben die beiden Männer ein Bordell aufgesucht. «Dort vergnügten sie sich noch mit zwei Liebesdienerinnen», steht in der Anklageschrift. Kurze Zeit später wurden sie von der Polizei verhaftet.

* Name der Redaktion bekannt

(mab/sda)