Mittelthurgau

10. Juli 2014 06:10; Akt: 10.07.2014 06:10 Print

2000 Biohennen zur Adoption freigegeben

Im Thurgau droht 2000 Legehennen der Tod. Grund: Ihre Eier sind zu gross und die Schalen zu dünn und damit nicht marktkonform. Tierschützer sind empört und wollen die Tiere retten.

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Diese Hennen konnten bei der Ausstallungsaktion 2013 vermittelt werden. (Quelle: Facebook/Tierhilfe Schweiz)

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«Es wäre so schade, wenn ich meine Tiere einfach töten müsste. Ich habe sie ja aufgezogen», so Landwirt Andreas Zollikofer. Zur Zeit leben auf seinem Hof im mittleren Thurgau 2000 Bio-Legehennen und etwa 30 Hähne. Die Tiere sind 15 Monate alt. Sterben müssen sie, weil sie in die Mauser kommen: Während dieser Zeit erneuert sich das gesamte Federkleid. Weil das enorm viel Energie braucht, werden viele Funktionen reduziert – darunter die Eierproduktion.

Für Grossverteiler uninteressant

Nach der Mauser sind die Eier grösser und die Schalenqualität sinkt. «Die Schalen sind nicht mehr so robust und können Haarrisse aufweisen», so Zollikofer. Hinzu kommt, dass das Eierlegen laut dem Landwirt nicht mehr so berechenbar ist.
«Diese Eier sind für die Grossverteiler aus logistischen Gründen nicht mehr interessant», sagt Beatrice Baumann von der Tierhilfe Schweiz in Mattwil gegenüber der «Thurgauer Zeitung». Und weiter: «Deshalb müssen die Tiere das Feld für neue Junghennen räumen.» Sie erhebt Kritik an den Verbrauchern: «Dass solche Tiere ausgestallt werden liegt zu einem grossen Teil auch am Konsumenten, der die grossen Eier oder die manchmal schlechte Schalenqualität aus mangelndem Hintergrundwissen nicht akzeptiert.»

So oder so ist für die Tierschützerin die Entsorgung der erst 15 Monate alten Hennen unakzeptabel. Den Tiere droht nämlich der Tod und die Weiterverarbeitung zu Biogas. Nicht einmal mehr als Suppenhühner kommen sie in Frage, weil da kaum mehr Nachfrage besteht.

Die Lösung ist eine «Adoptions-Aktion». Diese findet vom 11. bis 18. Juli statt. Federführend ist dabei auch Zollikofers Lebenspartnerin Daniela Gerber (41). Die Tiere werden alle verschenkt. Sie können auf Zollikofers Hof in Engwilen abgeholt werden. Der 52-Jährige freut sich: «Es ist unsinnig, die Tiere zu töten, wenn sie im privaten Gebrauch noch jahrelang Freude bereiten können.»

Positives Feedback

Bereits im letzten Jahr hatte ein solche Ausstallungsaktion stattgefunden. Alle 1800 Tiere fanden damals ein neues Plätzchen. «Wir haben viele positive Reaktionen erhalten. Als Unterstützung für die neuen Tierhalter geben wir dann auch ein Merkblatt ab», so Baumann. Ziel der Tierschützer und des Landwirts ist es auch in diesem Jahr, dass kein einziges Tier getötet werden muss.

(taw)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marlies Liechti am 10.07.2014 08:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verschwendung

    Wo bleibt da der "Bio-Gedanke"? Einfach Tiere töten, weil ihre Produkte nicht ins Schema passen? Ja, der Mensch macht sich die Natur untertan, sie muss sich dem Menschen anpassen, es ist wirklich langsam unerträglich.

  • renate am 10.07.2014 07:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Huhn 

    würde sofort ein paar Hennen nehmen, doch leider wohne ich ein einem Mehrfamilienhaus, wie 80%der schweizer Bevölkerung! Und auf dem Balkon kann man keine Hennen halten. Doch dies ist eine tolle Idee des Bauern, hoffe, dass alle einen Lebensplatz finden, wo sie in der Natur noch viele Würmer picken dürfen.

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  • Fröschli am 10.07.2014 08:20 Report Diesen Beitrag melden

    So viel zu Bio

    Wie gut bin ich noch nicht auf den Bio-Schwindel reingefallen. Suggerieren zu wollen, dass es diese Hühner so viel besser hätten, und auf sie mehr geachtet wird, ne? Und dann werden sie zu Gas 'verarbeitet', weil die Eier nicht mehr genehm sind. Ich glaube ich leg meiner lieben Nachbarin am Samstag noch einen Batzen drauf für die frischen Eier... Die behält ihre Hühner während und nach der Mauser.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Regin am 12.07.2014 11:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hühner

    Ich behalte meine Hühner vor der Mauser und nach der Mauser !Eine ist 7 Jahre alt,die Tiere haben das recht zu leben!

  • Lulu am 11.07.2014 07:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hurra...ich werde ein Suppenhuhn...

    Ja nee, ist klar... Noch nicht einmal mehr ein Suppenhuhn können sie werden... Ich glaube, wenn diese armen Kreaturen einfach gemetzelt werden, würden sie sich deswegen auch nicht besser fühlen. Da frage ich mich doch, wie unter Rücksichtnahme der Vorgaben des Tierschutzgesetzes, erklärt werden soll, dass Man sie solch lästiger Lebewesen einfach entledigt??? Eine Schande ist das

  • Andreas am 11.07.2014 06:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine ahnung Von hühnern!

    Herr zollikofer gent es nur darum die hühner gratis zu entsorgen. Denn wenn er Sie über den offiziellen kanal in die schlachtung geben würde, kostete dies ca. 0.50 Franken pro huhn. Des weiterem Frage ich mich weshalb die tiere Im sommer in die mauser kommen? Denn bei einem einigermassen tiergerechten management ist das kein problem. Liebe tierschützerin, wie viele suppenhühner haben Sie schon gegessen? Wenn jeder haushalt in der schweiz pro jahr ein suppenhuhn verwenden würde, hätten wir kein überschüssigen althennen anfall.

  • Roger am 10.07.2014 20:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Je grösser je besser

    Also ich würde mich über die grossen Eier freuen. Mein Lieferant bringt mir nichts anderes mehr.

  • Hilda am 10.07.2014 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Henne

    Ähhm??? weiss gerade nicht um was es hier geht.jeder Hühnerbauer und Eierlieferant kennt die Auflagen von Hühnerhaltung und deren Vertragsbedingungen mit den Abnehmern Coop oder Migros.Und das sie alle 15Monate die Hühner wechseln müssen,den ganzen Stall reinigen,neu desinfizieren und neue Hühner rein tun.Unser Nachbar macht das mit seinen 4000 Legehennen bereits schon das 6.mal.er verkauft jeweils die "alten" Hühner für 3fr/stk.der rest wird getötet. Vielleicht sollte der Konsument auch mal umdenken.