Müllheim TG

28. März 2019 16:32; Akt: 28.03.2019 17:41 Print

21 tote Katzen in Gefrierschrank

Am Donnerstag hat das Thurgauer Veterinäramt in Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei in Müllheim eine private Tierhaltung geräumt.

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Zur Räumung kam es anlässlich einer amtlichen Tierschutzkontrolle, wie es am Donnerstag in einer Mitteilung des Veterinäramts des Kantons Thurgau heisst. In einem Privathaushalt in Müllheim TG wurden stark verwahrloste und vernachlässigte Tiere in prekären hygienischen Haltungsbedingungen angetroffen.

Die Tiere wiesen zum Teil erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen auf. Das Veterinäramt konnte die Tiere umgehend behändigen, einer medizinischen Untersuchung zuführen und geeignet unterbringen. Insgesamt wurden 18 Katzen, zwei Hunde, vier Kaninchen, sieben Hühner und vier Wüstenrennmäuse vorsorglich beschlagnahmt. Neben den lebenden Tieren fand das Veterinäramt 21 tote Katzen in einem Gefrierschrank zusammen mit Lebensmitteln. Drei weitere, in Plastiksäcken verpackte Katzenkadaver lagen in einem Gartenhäuschen.

Gegen die Tierhalterin wurde in der Vergangenheit aufgrund früherer Verfehlungen bereits ein Teiltierhalteverbot verhängt. Das Veterinäramt hat gegen die Tierhalterin ein Administrativverfahren wegen Verstosses gegen die Tierschutzgesetzgebung eröffnet. Ihr droht nun ein Totaltierhalteverbot.

Falsch verstandener Tierschutz

Gemäss Recherchen von 20 Minuten handelt es sich bei der Tierhalterin um J. L.* Zusammen mit ihrer Schwester betrieb sie ein Online-Tiervermittlungsportal. Die Frau ist Thurgauer Tierschützern schon seit Jahren ein Dorn im Auge. «Sie holte herrenlose Katzen aus dem Ausland zu sich und gab an, diese dann in der Schweiz zu vermitteln», sagt Beatrice Baumann von der Tierhilfe Schweiz.


Diese Aufnahmen stammen aus 2009. (Video: privat)

Bereits 2009 waren Tierschützer aktiv geworden, nachdem die Tierhaltung bei J. L. ausser Kontrolle geraten war. Die Behörden verhängten in der Folge ein Tierhalteverbot, wie Kantonstierarzt Paul Witzig gegenüber 20 Minuten bestätigt. «Die Frau durfte in der Folge zwölf Katzen behalten, diese nach dem Ableben aber nicht ersetzen, sodass am Schluss fünf Tiere hätten übrig bleiben sollen», so Witzig. Offenbar hielt sie sich nicht an die Vorgaben. Witzig: «Leider trifft man immer wieder auf solche Verhältnisse.» Der Kantonstierarzt spricht von «falsch verstandenem Tierschutz». Witzig: «In einem Einfamilienhaus ist es schlicht unmöglich, soviele Katzen unter hygienischen Bedingungen zu halten.»

J. L. war am Donnerstag für 20 Minuten nicht erreichbar.

* Name der Redaktion bekannt

(20M)