Weinfelden TG

21. Februar 2019 16:34; Akt: 21.02.2019 16:56 Print

25-Jähriger bricht Opfer mit Tritten den Kiefer

Weil ihm ein Unbekannter vor einem Club zu nahe stand, schubste ein 25-Jähriger einen anderen Mann und trat heftig auf ihn ein. Nun wurde er zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

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Der 25-Jährige stand am Dienstag vor dem Bezirksgericht Weinfelden. Ihm wird vorgeworfen, im Januar 2017 einen ihm unbekannten jungen Mann vor dem Club Firehouse in Weinfelden geschubst und danach geschlagen und getreten zu haben. «Weil er zu nahe bei mir stand und mich das störte», lautet die Erklärung des Beschuldigten gemäss «Thurgauer Zeitung».

Das Opfer soll sich zu keinem Zeitpunkt gewehrt haben. Dennoch habe der Täter so lange auf den Kopf des jungen Mannes eingetreten, bis dieser bewusstlos war. «Er holte aus und trat in den Kopf, so wie man einen Fussball kickt», beschrieben Zeugen übereinstimmend die Tat. Zudem habe der 25-Jährige eine Schlägerei angezettelt, da die Sicherheitskräfte ihn bis zum Eintreffen der Polizei festhalten wollten.

Opfer erlitt zweifachen Kieferbruch

Vor Gericht gibt der Angeklagte allerdings an, sich nicht an seine Taten erinnern zu können. Das einzige, was ihm noch geblieben wäre, sei das Brennen im Gesicht nach einer Pfefferspray-Attacke der Sicherheitskräfte. Für seine Erinnerungslücke machte der Beschuldigte den Konsum von Drogen wie Kokain und Cannabis sowie Alkohol verantwortlich.

Sein Opfer hingegen wird sich noch lange an die Attacke erinnern. Der junge Mann erlitt in jener Januarnacht einen zweifachen Unterkieferbruch und ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma. Zwar habe dies keine bleibenden Schäden hinterlassen, aber um zwei Operationen und längere Arbeitsunfähigkeit kam er nicht herum.

Auf Kosten sitzengeblieben

Da der junge Mann zwischenzeitlich arbeitslos wurde, konnte er die Krankenkassenprämien nicht zahlen. Dies habe zu einem Leistungsaufschub und so dazu geführt, dass er als eigentliches Opfer auf den Behandlungskosten sitzen blieb. Der Täter, der offenbar eine teure Ausbildung an einer Privatschule geniesst, beteiligte sich mit gerade mal 300 Franken an den Kosten. Deshalb geht der Anwalt des Opfers davon aus, dass seine Erinnerungslücke nur erfunden ist. Diese Überzeugung teilte auch die Staatsanwältin: Der Täter soll gemäss Zeugenaussagen relativ nüchtern gewirkt haben. Dies wurde auch durch einen Bluttest bestätigt.

An Schuhen war kein Blut

Die Verteidigung, die darauf plädierte, dass bereits kleine Mengen von Alkohol und Kokain zu Erinnerungslücken führen könnten, überzeugte das Gericht nicht. Auch nicht mit dem Argument, dass der Mandant gar nicht so fest getreten habe, da schliesslich keine Blutspritzer auf den weissen Turnschuhen festgestellt werden konnten.

Anders sieht es die Staatsanwältin: Der 25-Jährige sei äusserst brutal vorgegangen und habe die Verletzungen des Opfers in Kauf genommen. Die Anklage forderte wegen eventualvorsätzlicher schwerer Körperverletzung, Raufhandel, Tätlichkeiten und mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren. Dies, da der 25-Jährige in einem ähnlichen Fall bereits straffällig wurde.

Nicht der erste Vorfall

2015 erhielt der Mann eine bedingte Strafe, da er ebenfalls ein auf dem Boden liegendes Opfer getreten hatte. Die Richter gaben dem Antrag der Staatsanwaltschaft statt. «Sie haben aus einem nichtigen Grund zugeschlagen und allem Anschein nach aus Ihrer Strafe aus dem Jahr 2015 nichts dazugelernt», sagte der Gerichtsvorsitzende gemäss der Zeitung. Zudem muss der Täter für die Behandlungskosten aufkommen und rund 4000 Franken Genugtuung zahlen.

(juu)