Gegen Foodwaste

23. August 2019 18:23; Akt: 23.08.2019 18:23 Print

Bauer sucht Zwetschgen-Käufer auf Facebook

Die Zwetschgenernte läuft auf Hochtouren. Um Foodwaste zu verhindern, weist ein Thurgauer Landwirt auf Social Media auf seine spontane Abverkaufaktion hin.

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Am Freitag holte ein Grosshändler rund 700 Kilo Zwetschgen beim Neukircher Hof ab. Doch das reicht nicht. Die kommenden Tage werden weitere 500 Kilo geerntet. Da der Grosshändler den Hof am Wochenende nicht anfahren wird, würden die Früchte erst am Montag abgeholt werden. «Wenn wir die Zwetschgen am Freitag und Samstag ernten, diese aber erst am Montag abgeholt werden, stehen sie frühstens Dienstags beim Händler im Regal», sagt Mathias Müller, Landwirt des Hofes in Neukirch. Zu spät.

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Der Hof läuft damit Gefahr, dass die Früchte bis dann schlecht werden und nicht mehr den Normen der Händler entsprechen. Das kann schwerwiegende Folgen haben: Der Grosshändler könnte die gesamte Ladung zurücksenden. «Dieses Risiko wollen wir vermeiden», sagt Müller. Deshalb habe man sich entschlossen, die Früchte zusätzlich direkt ab Hof zu verkaufen. «Und zwar günstiger also sonst wo», sagt der Landwirt.

Er verlangt 2.80 Franken pro Kilogramm Zwetschgen. «Das ist ein Kompromiss. Für die Kunden ist es ein günstigerer Preis als im Laden und wir erhalten doch noch etwas für unsere Arbeit», so der Landwirt.

Günstiger als Grossverteiler

Ein Augenschein am Freitagnachmittag zeigt, dass die Zwetschgen im Coop am St. Galler Marktplatz zum Preis von 3.95 Franken das Kilo und in der Migros St. Gallen für 4.90 Franken angeboten werden.

Die Thurgauer Zwetschgen gibt es allerdings nur am Samstag, von 7.00 bis 20.00 Uhr, wie der Hof auf Facebook schreibt. Reservationen seien nicht machbar, denn das würde die logistischen Kapazitäten des Hofes sprengen.

Rettet die Aprikosen

Eine ähnliche Aktion fand kürzlich in Opfershofen TG statt. Ein Landwirt konnte seine rund zwei Tonnen Aprikosen nicht mehr an den Grosshändler verkaufen, da dieser die Qualität der Ware bemängelte. Da der Bauer die Früchte aber nicht entsorgen wollte, startete er eine Abholaktion. Sein Angebot war, die Früchte für einen Kilopreis von zwei Franke abzugeben. Dies zeigte Wirkung, denn innert kürze gingen über 120 Bestellungen von Privatpersonen ein.

Deshalb gibt es Normen

Normen der Händler sorgen immer wieder für Diskussionsstoff. Dass Normen ihre Berechtigung haben, teilte
der Verband des Schweizerischen Früchte-, Gemüse- und Kartoffelhandels (Swisscofel) kürzlich in einem Beitrag von «TeleZ» mit. Die Normen seien aufgrund von Erfahrungen der Detailhändler entstanden. Es mache keinen Sinn, Produkte in die Läden zu Stellen, die am Abend entsorgt werden müssen, weil sie nicht gekauft werden. Zudem sollen die Produkte beim Konsumenten auch noch eine gewisse Zeit haltbar sein.

(maw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Brain Bug am 23.08.2019 18:34 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo!!!

    Super Idee! Macht eine nationale Internetplattform, wo man alle Non-food-waste-Angebote einsehen kann. Haben Sie's gelesen Herr Ritter?

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  • Fabi am 23.08.2019 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beste Konfitüre

    Das finde ich so eine tolle Idee. Es wäre sündhaft schade, all diese feinen Früchte entsorgen zu müssen. Wenn man die Früchte nicht so essen möchte, weil sie nicht perfekt aussehen, kann man doch damit wunderbare Konfitüre, Kompott usw. herstellen. Schmeckt doch sooo lecker, das selbst eingekochte ;))

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  • AuchBauer am 23.08.2019 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arroganz

    Gute Idee. Der Mann macht was. Leider wird der arrogante Grossverteiler die Lücke nächste Woche mit Billigware aus Spanien oder wtw woher schliessen und womöglich mit Preis unterbieten. Darum liebe Kauft wenn immer möglich direkt ab Hof

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mario Menel am 24.08.2019 15:13 Report Diesen Beitrag melden

    Bauer Zwetschgen

    Vielleicht würde man auch mehr Zwetschgen kaufen, wenn die Qualität ok wäre, aber zu mehr als zum Wähen backen taugt sie leider nicht. Erstaunlich, dass ausländische Produkte immer so hohe Anforderungen haben und Schweizer Produzenten .....ich kaufe weder Zwetschen, noch Erdbeeren, alles Ramsch.

  • Lizzi am 24.08.2019 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Sollte so sein

    Einfach nur toll, dass diese Produzenten sich zu helfen wissen und die Früchte direkt an den Verbraucher abgeben. Sollte eigentlich ohne Diskussion auch sonst so sein, dann müssten manche Grossisten ihre Preispolitik überdenken. Der Verbraucher hat das Sagen oder könnte die Geschichte in andere Bahnen lenken.

  • Tommy H. am 24.08.2019 12:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erfolgreicher Direktverkauf

    Der Verkauf war ein voller Erfolg. Die bereitgestellten 400 kg Zwetschgen waren innerhalb 45 Minuten verkauft. Weitere 250 Kilo wurden mit Hilfe eilig zusammengetrommelter Nachbarn live gepflückt, während die Kunden geduldig Schlange standen. Und die Zwetschgen sind lecker.

  • leserin am 24.08.2019 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    hier gabs keine

    schade, bei der Migros Uster gab es heute (Sa) keine Zwetschgen

  • Pascal am 24.08.2019 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    tooGoodtoGo

    Integriert diese Bauern in die tooGoodtoGo App!!!! Das wäre richtig intressant. Vielleicht mit einer Detaillierteren Beschreibung als sonst üblich, dann klappt das.