Nichts zu beanstanden

07. Dezember 2011 19:25; Akt: 07.12.2011 19:49 Print

53-Jähriger fährt betrunken zum Vorführen

Das war eine Schnapsidee. Betrunken und ohne Fahrausweis führte Walter T. sein Auto vor. Die Polizei erwischte ihn. Nun drohen vier Jahre Knast.

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Angeklagter Walter T.: «Diese Zeiten sind vorbei, ich bin seither nie mehr gefahren.» (Bild: sst)

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2007 und 2008 wurde Walter T.* wegen Alkohol am Steuer und mehrfachem Fahrens ohne Fahrausweis zu einer mehrjährigen Haftstraffe verurteilt. Wegen guter Führung kam der heute 53-Jährige aber bereits nach zwei Jahren aus der Strafanstalt Saxerried frei. Doch schon nach zwei Wochen in Freiheit setzt er sich schon wieder hinters Steuer. Total betrunken will er sein Auto vorführen. Eigentlich hätte dies seine Kollegin übernehmen sollen, auf die der Jeep angemeldet war. Doch T. nimmt ihr die Schlüssel ab: «Sie war so sternhageldicht, dass ich sagte: Komm, ich mach das.»

Dann fährt Walter T. nach Thal und führt den Jeep beim Strassenverkehrsamt vor. Kleine Sachen werden beanstandet, ansonsten scheint alles in Ordnung zu sein. T. fährt wieder nach Hause. Doch in Altenrhein am Bodensee hält ihn die Polizei am helllichten Tag an. T. ist überzeugt: «Jemand hat mich verpfiffen.» Der Alkoholtest ist positiv, knapp zwei Promille hat er im Blut. Den Fahrausweis kann man ihm nicht mehr abnehmen, den ist er bereits seit Jahren los.

Nun steht Walter T. morgen vor dem Kreisgericht Rorschach. Die Staatsanwaltschaft fordert für sein Vergehen 24 Monate Haft unbedingt – und 20 weitere, weil er in der Probezeit wieder rückfällig wurde. Sechs mal wurde er insgesamt in den letzten zehn Jahren schon verurteilt. Weil der Beschuldigte nur zwei Wochen nach seiner bedingten Entlassung erneut straffällig wurde, sei «von einer ungünstigen Prognose auszugehen», schreibt der Staatsanwalt.

Anders sieht es der Angeklagte selbst: Die Zeiten, als er rücksichtslos ohne Ausweis, dafür mit reichlich Alkohol im Blut umher fuhr, seien vorbei. «Ich bin seither nie mehr gefahren», versichert T. Seit Anfangs Jahr habe er nun eine Freundin, passe auch auf deren drei Kinder auf. «Meine Alkoholsucht habe ich im Griff», so T. Darum hofft er auf eine mildere Strafe. «Ich habe nochmals eine Chance verdient», sagt er. Er würde gerne gemeinnützige Arbeit leisten, anstatt in den Knast zu gehen.

*Name der Redaktion bekannt


(sst)