Schwendi SG

10. August 2015 18:06; Akt: 10.08.2015 18:06 Print

60 Tiere verlieren durch Erdrutsch ihr Heim

Der Erdrutsch im Weisstannental hat auch den Gnadenhof Luna in Schwendi heimgesucht. Die meisten Tiere haben überlebt, müssen ihr Heim aber verlassen.

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Theresia Seyffert, die Besitzerin des Gnadenhofs Luna muss ihre Tiere evakuieren... ...der Hof wurde gestern von den Schlamm- und Wassermassen des übertretenden Mühlibachs überrollt. Sie und ihr Partner hätten um ihr Leben gefürchtet und mussten die rund 60 Tiere zurücklassen. rund 60 Kühe, Schweine, Schafe, Hunde Katzen und andere Tiere hätten wie durch ein Wunder überlebt. "Ein verkeilter Baum lenkte den Grossteil des Gerölls und des Schlamms vom Stall ab", erzählt Seyffert. Am nächsten Tag wird das Grossvieh evakuiert. Die Kühe sind gebrechlich und zum Teil blind. Theresia Seyffert: "Es ist wirklich ein Wunder, dass ihnen nichts passiert ist". die alten und meist gebrechlichen Tiere hätten keinen Schaden erlitten, so die Mitarbeiter der Grossviehrettung, die um Weisstannental seit Sonntag im Dauereinsatz Einsatz steht. Dank freiwilligen Tierfreunden geht das Aufräumen und Evakuieren auf dem Gnadenhof Luna schneller. Die Zerstörung von Land ist enorm. Die Kälber werden im Tal bei befreundeten Bauern und Gnadenhöfen untergebracht. Ob die Tiere wieder in ihr Heim zurückkehren ist noch ungewiss. Zu gross sei die Sorge vor einem neuen Unwetter, so Theresia Seyffert. Einige Kleintiere suchen noch immer jemanden, der sie aufnimmt. Auch Hunde und Katzen haben nicht alle eine feste Bleibe. Wirt Meinrad Gmür (mit Ehefrau Esther Gmür) hat nur wenige hundert Meter weiter ebenfalls mit den Folgen des Unwetters zu kämpfen. Er stehe vor dem Ruin, sagt er. Das für Fischgerichte ausgezeichnete Restaurant mit Forellenzucht wurde arg in Mitleidenschaft gezogen. Als Wirt schmerze ihn aber vor allem eines, so Gmür: "Als der Schlamm kam, waren noch Gäste bei uns", erzählt er sichtlich erschüttert. "Wir mussten alle evakuieren". Die rund drei Tonnen Forellen haben den Schlamm nicht alle überlebt. Etwa die Hälfte ging durch den Schlamm zugrunde. Der Wirt wagt nicht, den Schaden zu beziffern. "Ich weiss nicht, wie es weitergeht." Der Forellenteich draussen wurde vom Erdrutsch nicht verschont. Das Weisstannental wurde am Sonntag von einem Unwetter heimgesucht, das einen Bach über die Ufer treten liess und einen Erdrutsch auslöste.Die Bewohner der rund 10 betroffenen Gebäude mussten evakuiert werden. Die Feuerwehr und der Zivilschutz standen mit 8 Fahrzeugen und 80 Mann im Dauereinsatz. Die Strasse ins Weisstannental war zugeschüttet und konnte erst am Montagmittag wieder freigegeben werden.

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Fassungslos berichtet Theresia Seyffert, wie die Schlammlawine am Sonntag nicht nur ihr Zuhause, sondern auch das von rund 60 Hunden, Katzen, Kühen und anderen Tieren zerstört hat. Bis zu diesem Tag hatte der Gnadenhof Luna all diesen verstossenen Tieren ein Heim geboten. Nun zeigt sich ein Bild der Verwüstung.

«Als es wie in Strömen zu regnen anfing, brachten wir alle Tiere in den Stall und ins Haus», so Seyffert. Nie hätte sie sich träumen lassen, dass nur Sekunden später eine Schlammlawine durch ihren Hof rollt. «Mein Mann und ich flüchteten ins Haus und hatten mit dem Leben eigentlich schon abgeschlossen.» Als sie dann durch die Rettungskräfte evakuiert wurden, mussten sie ihre zum Teil alten und gebrechlichen Tiere am Unglücksort zurücklassen. «Die Feuerwehr hat uns unmissverständlich klar gemacht, dass wir mitkommen müssten.»

Fast alle Tiere haben überlebt

Ein Bild des ganzen Schadens konnten sich die Besitzer des Gnadenhofs erst am Montagmorgen machen. Wie durch ein Wunder sei der Stall verschont geblieben. Ein verkeilter Baum habe den Schlamm abgelenkt. «Wir waren unglaublich erleichtert. Leider wurde der Teich nicht verschont», so Seyffert. Die darin lebende seltene Wasserschildkröte sei vermutlich im Schlamm erstickt, erzählt die 58-Jährige traurig. «Aber zum Glück sind alle vermissten Kätzchen nach und nach wieder aufgetaucht.» Den anderen Tieren gehe es den Umständen entsprechend, nur die Hunde seien immer noch völlig verstört.

Wer nimmt nun die Tiere auf?

Die Aufräumarbeiten auf dem Hof Luna sind nun in vollem Gange. Viele Tierfreunde helfen mit, das Zuhause der Tiere wieder herzustellen. Die etwa 60 Hunde, Schweine, Katzen und Kühe sowie auch einige Hühner und Vögel suchen nun ein neues, vorübergehendes Zuhause. Ob der Gnadenhof je wieder öffnen kann, sei noch unklar. Zu gross sei die finanzielle Unsicherheit, zu gross die Sorge vor weiteren Erdrutschen. «Wir setzen erst mal alles daran, unsere Tiere vom Unglücksort wegzubringen», sagt Seyffert. Dank dem raschen, aber leider nicht kostenlosen Einsatz der Grossviehrettung seien Kühe, Schweine und Schafe bereits in Sicherheit. Seyffert hofft inständig, dass alle Tiere irgendwo unterkommen. Zum Glück habe sie Kontakt zu anderen Gnadenhöfen und ein grosses Netz von Bekannten. «Wir haben sehr viel Zuspruch und Solidarität erleben dürfen», sagt sie. Auf Facebook hat sie einen Spendenaufruf für den Wiederaufbau und die Deckung der Rettungskosten gestartet.

Forellenzucht und Restaurant vor dem Ruin

Weniger glimpflich ist das Naturereignis für die Zuchtforellen des Restaurants Fischerstübli ausgegangen. 1,5 Tonnen seiner Tiere gingen in den eindringenden Schlammmassen zugrunde, erzählt der Restaurantinhaber und Fischzüchter Meinrad Gmür. Auch sein Restaurant wurde arg beschädigt. «Als der Erdrutsch kam, bedienten wir gerade mehrere Gäste im Saal», so der 55-jährige Wirt um Fassung ringend. Innert Sekunden sei der Saal unter Wasser gestanden. «Alle mussten das Restaurant fluchtartig verlassen.» Vom Mobiliar oder der Küche sei so gut wie nichts zu retten, die Zuchtbecken und der Teich wurden ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Den enormen Schaden wagt Gmür kaum zu beziffern: «Ich stehe vor dem Ruin, weiss nicht, wie es weitergeht.» Auch er danke Einsatzkräften und Nachbarn für ihre Arbeit und den Zuspruch.

(tso)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Berner mäitschi am 10.08.2015 18:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo bleibt Unterstützung für CH

    So es wäre nun mal gut, dass auch den Schweizern geholfen wird! Warum müssen Menschen nun um ihre Existenz bangen? Andere verzweifeln.. Kann der Staat auch "normalen Menschen" helfen? Gibt mir echt zu denken!

  • doris.ruchti am 10.08.2015 18:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein Titel

    Eine Tragödie. Bitte gebt doch auch die Spendennummer fürs Tierheim durch. Damit wir uns auch beteiligen können. Nicht jeder hat Facebook.

    einklappen einklappen
  • Nachdenker ... am 10.08.2015 19:51 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso eigentlich ....

    ... trifft vielfach solche, die sich für andere oder schwächere Einsetzen? ...und warum gibt es andere, die bekommen einfach und immer mehr und wollen immer noch mehr (ich sage nur Ferrari abfackeln, die ganzen halbschlauen Selfie Darsteller, usw.) Unsere aktuelle Politik verpulvert Unmengen Geld in alle Himmelsrichtungen ... hört auf damit! HIER könnt Ihr Damen und Herren Politiker euch mal profilieren, setzt euch einmal für die EIGENEN Leute ein (irgendwann werdet Ihr sie brauchen!). Ich frage mich ja schon manchmal wo die Gerechtigkeit im Leben bleibt?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Flumser Mädel am 12.08.2015 06:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schlägt Dein Herz solidarisch??

    Liebe Leute in der Schweiz...gibt es noch Leute wo das gesunde solidarische Herz schlägt???wenn jede Person nur einen Tag auf Luxus verzichten könnte,und dessen Geld spenden würde nach Schwendi SG,das wäre Solidarität!!!!!und mal was Gutes!!!Dankbarkeit wäre von den Betroffenen sicher riesig! !!!

  • hm am 11.08.2015 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nur show

    Jetzt momentmal. wer von lebensgefahr und panikatacken spricht aber trotzdem noch zeit hat im facebook zu posten und kommentieren kann ich wirklich nicht ernst nehem!! es gibt viel grössere schäden bei anderen... nebenbei werden noch falsche gerüchte verbreitet! nur showmacherei und alle tierliebhaber fallen drauf rein...

  • Stefan am 10.08.2015 23:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unwetter schwendi

    Wünsche den betroffenen viel chraft und glück. Hoffe für euch geht es irgendswie wieder positiv weiter

  • Solala am 10.08.2015 22:26 Report Diesen Beitrag melden

    Danke vielmals

    Einen Dank an alle, die als Erstes nun mal die Tiere unbürokratisch aufgenommen haben. Dann sind jetzt Helfer gefragt, die aufräumen. Und Geld, um alles neu zu bauen. Falls die Zuständigen die Energie dafür überhaupt noch aufbringen können. Was es NICHT braucht, ist Seitenhiebe auf das Asylwesen.

  • Marc am 10.08.2015 21:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gnadenhof Luna..

    ..hat eine Webseite. Dort seht ihr, wie ihr den Hof unterstützen könnt. War mal dort, ist ein feines Projekt!