Uznach SG

12. November 2014 11:24; Akt: 12.11.2014 12:27 Print

76-Jähriger bessert Rente mit Kokainhandel auf

Ein 76-Jähriger aus dem Linthgebiet hat über zwei Jahre lang mit Kokain gedealt. Er wollte damit seine Rente aufbessern. Nun stand er vor Gericht.

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Der Deal mit Koks wird einem Rentner zum Verhängnis. (Symbolbild: Martin Ruetschi/Keystone)

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Der Rentner aus dem Linthgebiet stand am Dienstag vor dem Kreisgerichts See-Gaster in Uznach. Der 76-Jährige gestand, im Zeitraum von zwei Jahren rund 500 Gramm Kokain gekauft und gewinnbringend weiterverkauft zu haben, wie die «Südostschweiz» schreibt.

Verlockung war zu gross

Vor Gericht zeigte sich der Angeklagte, der von der «Südostschweiz» als kleiner, unscheinbarer Mann beschrieben wird, reuig. Er habe nie selber gekokst, versicherte er. Er sei da irgendwie hineingerutscht. Der Angeklagte ist mehrfacher Vater, Grossvater und Ur-Grossvater und bisher nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Er arbeitete als Taxifahrer, um sich etwas zur Rente dazuzuverdienen. Als er eines Tages einen Kunden zur gewünschten Adresse fuhr, sagte dieser, er solle kurz warten, er müsse nur etwas abholen. Danach habe er ihn wieder zurückgefahren. «Er bezahlte die Fahrt, das wars», so der Angeklagte. Das sei mehrmals vorgekommen. «Wir fuhren dahin, er holte ein Couvert, ich fuhr ihn zurück.»

Eines Tages wurde der Angeklagte von diesem Kunden benachrichtigt, er habe keine Zeit, müsse aber dringend ein Couvert abholen. Der Angeklagte sprang ein und übernahm von da an öfters solche Fahrten. Er wusste, dass es dabei um Drogen ging. Weil der Angeklagte aber von 2086 Franken AHV-Rente im Monat lebt, war die Verlockung zu gross.

«Ich bi eifach z’guet»

Laut Anklageschrift kaufte der Angeklagte im Frühjahr 2012 erstmals selber Kokain, um es weiterzuverkaufen. Im Zeitraum von zwei Jahren dealte er mit rund 500 Gramm Kokain. Der Gewinn betrug rund 16'000 Franken. Inzwischen ist das Geld weg.

Aufgeflogen ist die Sache im Zuge von Ermittlungen im Kunden- und Lieferantenumfeld des Angeklagten. Damit geriet auch der Senior in den Fokus der Polizei. Man nahm ihn fest, verhörte ihn und durchsuchte sein Haus. Im Nachhinein scheint ihm das Ganze peinlich zu sein. Vor der Urteilsverkündung sagte er noch: «Ich bi eifach z’guet.» Das Nein-Sagen falle ihm einfach schwer. Und er bereut die Sache: «Ich hätte viel früher realisieren sollen, dass ich einen Seich gemacht habe.»

Richter liess Gnade walten

Dass der Angeklagte geständig und kooperativ war, wirkte sich im abgekürzten Verfahren strafmildernd aus. Zudem traf der Mann offenbar auf einen milden Richter. Das Gericht betonte zwar die Schwere des Tatbestandes, liess aber Gnade walten. Das Urteil: 16 Monate bedingt auf zwei Jahre und rund 10'000 Franken Verfahrenskosten.

(taw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • fruitcamper am 12.11.2014 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Logische Folge

    Logische Folge des Demographie-Problems. Da arbeitet man ein Leben lang hart und hat schlussendlich eine Rente von 2086.-. Und dann werden durch Steuergelder in unnütze militärische Güter investiert.

    einklappen einklappen
  • Philipp am 12.11.2014 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    wundert mich nicht,..

    ...bei der kleinen Rente und den immer steigende kosten

    einklappen einklappen
  • Peter Müller am 12.11.2014 11:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut

    Würde ich auch...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Denner Hagelberg am 30.11.2014 17:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logisch...

    Kann den Herrn sehr gut verstehen. Muss mit ner 100% IV Rente von 1500Fr auskommen. Klar ist da die tendenz sich etwas illegal dazuzuverdienen sehr gross. Aber für Menschen die nie finanziell unten waren ist das bestimmt schwer nachzuvollziehen...

  • Andrea am 12.11.2014 23:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rente

    @ philipp ich lebe mit einer IV Rente von ca 1564.- im Monat. Wäre sehr dankbar wenn ich den lohn von dem Rentner hätte...

  • Mimi am 12.11.2014 22:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja und

    Ja und? Zwingt ja niemand das zu kaufen, jeder selber schuld wer es kauft... Kauf auch nie bio kram zwingt mich ja niemand!!!

  • Ursula. Z am 12.11.2014 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Altersarmut

    Sehr gut das wenige geld aufzubessern. Aber dass er nun noch gerichtskosten von 10.000 fr zahlen muss finde ich daneben. Da kann er sich gleich nochmal einen lukrativen nebenerwerb suchen.

  • C.S. am 12.11.2014 16:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist dies noch Gerechtigkeit????

    Es ist doch einfach sehr,sehr schlimm wenn ein Schweizer mit so wenig Geld über die Runden kommen muss,dies ist typisch Bundes-Bern,hat ein "gwöhnlicher Büezer"etwas Geld auf dem Sparkonto,so wird er auch von den Gemeinden und Kantonen steuerlich abgezockt,ist er NOCH verheiratet,so wird er noch doppelt bestraft! Der Reiche wird von allem verschont etc.