Wahljahr 2011

25. März 2011 10:45; Akt: 25.03.2011 11:04 Print

Alle warten auf Brunners Kandidatur

von Ronny Nicolussi - Der heisseste Ständeratswahlkampf wird heuer in St. Gallen stattfinden. Will die SVP mitmischen, muss Toni Brunner kandidieren. Doch er ziert sich.

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Warten auf den SVP-Kandidaten: Alles deutet daraufhin, dass neben Eugen David (CVP), Karin Keller-Sutter (FDP) und Paul Rechsteiner (SP) Toni Brunner (SVP) für einen St. Galler Ständeratssitz kandidieren wird.

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Es gibt kaum etwas Langweiligeres als Ständeratswahlen in St. Gallen. Seit der Einführung des Proporz-Wahlverfahrens 1919 haben sich immer CVP und FDP die beiden Sitze im Stöckli geteilt. Einzige Ausnahme blieb SP-Ständerat Matthias Eggenberger, der in den 70er-Jahren während einer Legislatur auf Kosten der FDP in der Kleinen Kammer sass.

Diesen Herbst wird jedoch alles anders. Die Ostschweizer Medien titeln abwechslungsweise von einem Kampf der Giganten oder der Titanen. Neben dem bisherigen CVP-Ständerat Eugen David treten der langjährige SP-Nationalrat und Gewerkschafter Paul Rechsteiner und die bekannte Justizdirektorin Karin Keller-Sutter von der FDP an. Und auch die SVP hat eine Kandidatur angekündigt.

Mit wem die Partei antreten wird, bleibt jedoch vorerst offen. Das erstaunt. Schliesslich liegen spätestens seit der Ankündigung der FDP sämtliche Karten der anderen grossen Parteien auf dem Tisch. Will die SVP – wie von Parteipräsident Toni Brunner angekündigt – tatsächlich ihre Sitzzahl im Ständerat massgeblich erhöhen, kann es sich die Partei nicht leisten, mit einer Alibikandidatur gegen die Schwergewichte David, Keller-Sutter und Rechsteiner anzutreten.

«Das beste Pferd»

Für das Amt gibt es mehrere Interessenten, wie es aus SVP-Kreisen heisst. Möglicherweise sogar einen prominenten Quereinsteiger. Faktisch kann die SVP, wenn es ihr mit ihrer Ständerats-Strategie ernst ist, aber gar nicht anders, als Toni Brunner ins Rennen zu schicken. SVP-Kantonalpräsident Thomas Zünd macht keinen Hehl daraus, dass genau das sein Wunsch wäre: «Das beste Pferd kann man nicht im Stall lassen, man muss es vor den Wagen spannen.» Brunner habe sich jedoch auch ihm gegenüber noch nicht zu seinen Absichten geäussert. Weshalb, ist unklar. Brunner war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Die anderen Parteien macht das Zuwarten Brunners stutzig. «Die SVP ist ja sonst nicht dafür bekannt, dass sie sich in Zurückhaltung übt», sagt der St. Galler CVP-Präsident Jörg Frei auf Anfrage von 20 Minuten Online. Brunner werde sich wohl Gedanken machen, was wäre, wenn er nochmals verlieren würde, vermutet Frei. «Ob er eine Niederlage so einfach verkraften würde wie beim letzten Mal?» Vor vier Jahren unterlag der heute 37-Jährige bei den Ständeratswahlen im zweiten Wahlgang den bisherigen Kandidaten von CVP und FDP.

Überläufer als Alternative

Gleichwohl rechnet Frei mit einer erneuten Kandidatur Brunners: «Wenn die SVP konsequent ist, dann muss sie ihn bringen.» Dass Brunner kandidieren wird, damit rechnen auch die St. Galler SP-Präsidentin Claudia Friedl und ihr freisinniger Amtskollege Marc Mächler. Als einzige Alternative aus dem SVP-Lager sehen die Parteipräsidenten Nationalrat Thomas Müller, der in Bern bisher kaum in Erscheinung trat, in der Ostschweiz jedoch über eine gewisse Bekanntheit verfügt. Der Stadtpräsident von Rorschach ist allerdings erst Mitte Januar von der CVP zur SVP übergelaufen und hat sich damit im CVP-Lager keine Freunde gemacht.

Bleibt also Brunner. Für Kantonalpräsident Zünd besteht aber keine Eile zur Nominierung des Ständeratskandidaten: «Die Delegierten werden sowieso erst am 22. Juni darüber befinden.» Für jemanden mit Brunners Bekanntheitsgrad wäre es dann tatsächlich nicht zu spät, um in den Wahlkampf zu starten. Was aber, wenn Brunner kalte Füsse kriegt? Um einen weniger populären Kandidaten kantonsweit bekannt zu machen, würde die Zeit bis zu den Wahlen im Oktober knapp werden. Für den St. Galler FDP-Präsidenten Mächler ist daher klar: «Je länger die SVP nicht bekannt gibt, mit wem sie antritt, desto eher wird es Toni Brunner sein.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • H. Vetsch, Basel am 26.03.2011 22:04 Report Diesen Beitrag melden

    Keiner wählbar...

    Wegen Eigen-Interesse und Korruption ist keiner der Kandidaten wählbar. Leider haben dies die Wenigsten begriffen.

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  • Daniela am 25.03.2011 13:34 Report Diesen Beitrag melden

    Es braucht viel mehr SVP im Ständerat

    Toni Brunner wäre der ideale Ständerat. Er muss einfach kandidieren.

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  • Eric am 25.03.2011 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    Kanditatin KKS FDP hat zuwenig Erfahrung

    In den Ständerat sollten nur Leute gewählt werden, welche zuvor im Nationarat waren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Paul Giger am 07.04.2011 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Paul Giger

    Wenn Tonny Brunner für diese Wahl vorgeschlagen wird, sieht man doch, dass es mit der SVP St. Gallen schlecht bestellt ist. aber nicht nur dieser Kanton, hat andere , ohne SVP vernünftige Kandidaten für ein solches Amt. Wenn endlich sehen die Schweizer Bürgerinnen und Bürger ein, das andere Parteien bessere Leute habe. Mit der heutigen SVP kann die Schweiz ihre Probleme nicht löse.

  • CH-Neutralität am 28.03.2011 22:27 Report Diesen Beitrag melden

    überqualifizierte sind befangen

    Im Bundeshaus sind nur Politiker mit Ecken und Kanten erwünscht, die auch etwas Bewegen, und die Zeichen der Schweizer-Bevölkerung erkennt, und wahr nimmt.

  • H. Vetsch, Basel am 26.03.2011 22:04 Report Diesen Beitrag melden

    Keiner wählbar...

    Wegen Eigen-Interesse und Korruption ist keiner der Kandidaten wählbar. Leider haben dies die Wenigsten begriffen.

    • claudia h. am 28.03.2011 10:50 Report Diesen Beitrag melden

      eigenintresse

      Wer in der Politik, wenn wir ehrlich sind vertritt wirklich das Volk und nicht die Partei oder vielleicht sich selber? Wer ist nicht irgendwo für etwas ein Lobbyist? Wenn wir nach diesen Argumenten gehen können wir die Politik abschaffen und einfach voruns hinwursteln.

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  • Parteilos am 26.03.2011 20:11 Report Diesen Beitrag melden

    Kurz und Bündig

    - SVP Toni Brunner - wählen - FDP Karin Keller-Sutter - unerfahren - CVP Eugen David - nicht wählbar - SP Paul Rechsteiner - verhindern

    • Paul Buchegger am 27.03.2011 23:54 Report Diesen Beitrag melden

      @ Parteilos

      Vielleicht sind Sie parteilos, aber nicht unparteiisch. Da können Sie schreiben was Sie wollen, die beiden Mitteparteien FDP und CVP werden die Ständerratssitze unter sich ausmachen. Toni Brunner hat einfach nicht das Format dazu.

    • Helga Klee-Rohner am 28.03.2011 08:57 Report Diesen Beitrag melden

      Karin keller-sutter die richtige Ständerätin

      Wer wie Karin Keller-Sutter fast 12 Jahre Regierungserfahrung mitbringt, ist gerdezu ein Glücksfall für den Ständerat.In diesem Rat werden die Interessen der Kantone vertreten, wer kann dies besser, als jemand mit Regierungserfahrung? Zudem ist Karin Keller-Sutter mehrsprachig, eine ideale Brückenmbauerin zur französischen und italienischen Schweiz. Da im Ständerat jedes Mitglied in seiner Mittersprache spricht, keine Übersetzungen gemacht werden, frage ich mich, wie Toni Brunner, der keine zweite Landessprache spricht, mitdebattieren kann, wenn er nicht einmal alle im Rat versteht.

    • Josephine Keller am 28.03.2011 17:55 Report Diesen Beitrag melden

      Sicher nicht Toni Brunner...

      Toni Brunner kann ja nicht einmal französisch. Karin Keller-Sutter ist die absolut richtige Kandidatin für so ein Amt.

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  • Hans Nötig am 26.03.2011 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    Schaut mal her!

    Die obigen Bilder sprechen für sich... noch Fragen?