«Luther auf dem Totenbett»

21. November 2018 05:49; Akt: 21.11.2018 09:03 Print

Auf Estrich über Millionen-Gemälde gestolpert?

Ein Ostschweizer gibt an, das Meisterwerk eines deutschen Malers auf dem Dachboden gefunden zu haben. Das ganze riecht nach einem Schwindel.

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«Luther auf dem Totenbett», heisst das Werk, das diese Tage in der Ostschweiz aufgetaucht sein soll und seither in der Fachwelt zu reden gibt (siehe Box). Angeboten wird es von einem 23-jährigen Studenten im Auftrag eines Bündner Firmeninhabers.

Der 23-Jährige kontaktierte auch 20 Minuten mit dem Anliegen, dass über das angebliche Millionen-Werk berichtet werde. «Es ist ein Originalwerk, daran besteht für uns kein Zweifel», so der Student. Auch ein Gutachten aus einem holländischen Labor sei vorhanden, vorlegen will es der Nachwuchskunsthändler allerdings nicht. Als Preis schwebt dem 23-Jährigen eine siebenstellige Summe vor.

«Gut dokumentiert»

Gemalt hat das Werk laut dem 23-Jährigen der deutsche Maler Lucas Cranach der Ältere (1472 - 1553). Wie das Bild nun in die Ostschweiz gelangt ist, sei nur lückenhaft dokumentiert, so der Student. Für die Öffentlichkeit sei es vor rund 100 Jahren von der Bildfläche verschwunden und jetzt wieder im Keller des Bündner Firmeninhabers aufgetaucht.

Dem widerspricht der auf Cranach spezialisierte Professor Michael Hofbauer aus Heidelberg (D). Hofbauer ist auch wissenschaftlicher Leiter der Datenbank Cranach.net. Ihm zufolge war das Bild niemals verschollen, sondern immer recht gut dokumentiert. Demnach ging das Original-Gemälde 1976 im Rahmen einer Auktion von Sotheby's an einen Privatkäufer in die USA.

Museum weiss von nichts

Doch noch etwas macht Hofbauer stutzig. Für ihn ist klar: «Das Bild wurde sicher nicht von Lucas Cranach dem Älteren gemalt.» Vielmehr dürfte es aus der Werkstatt von dessen Sohn, Lucas Cranach dem Jüngeren, stammen. Hofbauer verweist auf den renommierten Basler Cranach-Experten Dieter Koepplin, der bereits Mitte der 70er Jahre zu dem selben Ergebnis gelangt war.

Doch damit nicht genug der Ungereimtheiten. Auch auf der Online-Plattform Reddit wurde das Gemälde diese Tage angeboten (siehe Bildstrecke). Hier hiess es nun nicht mehr, das Bild sei im Keller gefunden worden, sondern auf dem Dachboden. Dort sei man neulich über das Gemälde gestolpert. Und: Es befinde sich aktuell im Liechtensteinischen Landesmuseum. Nur weiss man weder beim Liechtensteinischen Landesmuseum noch bei den Fürstlichen Sammlungen (The princely collections) von dem Gemälde: «Weder haben noch hatten wir jemals dieses Werk bei uns», heisst es übereinstimmend.

Besitzer meldet sich

Am Montag meldete sich der mutmassliche Besitzer des Gemäldes bei 20 Minuten. Er habe sich in jüngeren Jahren für Kunst interessiert und sei Mitte der 80er Jahre über einen Kollegen an das Gemälde gelangt. Womöglich sei sein 23-jähriger Bekannter nun etwas gar forsch vorgegangen. Es gehe nun erst einmal darum, die genaue Herkunft des Gemäldes zu klären. Der Eintrag bei Reddit wurde mittlerweile gelöscht.

Was es also genau mit dem Gemälde auf sich hat, werden allfällige Expertisen zeigen. Durchaus möglich, dass es sich bei dem Bündner Bild um eine Fälschung handelt. So soll etwa der deutsche Meisterfälscher Wolfgang Beltracchi mehrere Bilder im Cranach-Stil gemalt haben. Von Beltracchi war dazu keine Stellungnahme erhältlich.

(20M)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Skepticus am 21.11.2018 06:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Merkwürdig 

    Da findet also jemand ganz zufällig ein möglicherweise Millionenteures Gemälde einfach so auf dem Dachboden und weiss nichts besseres es sofort über einen 23-jährigen, unerfahrenen Studi über Reddit möglichst teuer zu verkaufen, ohne die Echtheit des Gemäldes vorher abgeklärt zu haben. Es gäbe genügend professionelle Kunsthändler, welche zur Unterstützungen geeigneter wären als ein Studi. Die ganze Story stinkt zum Himmel!

    einklappen einklappen
  • Ruedi am 21.11.2018 06:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fundort

    Einmal im Estrich und einmal im Keller? Was denn nun?

    einklappen einklappen
  • Typhoeus am 21.11.2018 07:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spurenelementspektren

    in Farbanalysen bringen Fälschungen ans Tageslicht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • hugo am 21.11.2018 11:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    krank

    Ich kann die Preise für gewisse Gemälde nicht verstehen. Ein Bild darf nicht mehr wie 50'000 kosten. Egal von wem oder von wann. Was da gezahlt wird, ist verrückt und zeigt wie Reiche viel zu viel Geld haben.

  • Sonusfaber am 21.11.2018 11:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wer war luther de facto?

    luther war ein juden-, frauen- und bauernhasser, insofern ein wirklich schlimmer Mensch, ein verbrecher sogar, was so gut wie unbestritten ist. dass man ihn trotzdem weiterhin verhehrt, millionen zahlt für meisterwerke, die ihn darstellen, ja dasd es nach wie vor denkmäler gibt von ihm in ganz europa, zeigt deutlich auf, wie verkommen wir sind, verlogen und so ...

  • Züri bünzli am 21.11.2018 11:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    A. Speer

    Oder ein noch verschollenes Bild aus Zeiten Albert Speer's

  • Die grosse Überraschung am 21.11.2018 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Ich habe in meinem Estrich mal eine

    tote Maus gefunden. Na, was sagt ihr jetzt?

  • Vera Guth am 21.11.2018 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Güte

    Ja, man hätte z.B. mal das Kunstmuseum anschreiben können. Dann fragt sich noch, wem gehört denn das Bild? Und wie weiss der Studi so genau, wer auf dem Bild zu sehen ist? Schnelles Geld adee, fällig wäre noch eine Busse, um eine Fälschung in Umlauf zu bringen. Die Fälschung ist dann ok, wenn sie als solche deklariert ist. Dann stört es auch niemanden. Und dann noch die Presse einschalten, um wohl einen Käufer zu finden??