Zu redseelig

13. Juli 2014 13:24; Akt: 13.07.2014 13:27 Print

Aus Briefen zitiert – Staatsanwalt verurteilt

Ein St. Galler Staatsanwalt hat Briefe eines Häftlings an die Ex-Frau thematisiert – in Anwesenheit von dessen neuer Frau. Jetzt wurde er wegen Amtsgeheimnisverletzung verurteilt.

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Der St. Galler Staatsanwalt verriet pikante Details aus den Briefen des Häftlings. (Symbolbild: Colourbox.de)

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Für einmal ist ein St. Galler Staatsanwalt selbst der, der Ärger am Hals halt. Anfang Juli hat ihn ein ausserordentlicher Staatsanwalt per Strafbefehl wegen Amtsgeheimnisverletzung verurteilt.

«In Briefen an ihre Ehefrau sehr wenige Emotionen»

Der St. Galler Staatsanwalt hatte seit Dezember 2012 gegen einen Mazedonier (35) ermittelt, wie der «Sonntagsblick» schreibt. Der Mann sass neun Monate lang in Untersuchungshaft. Die Vorwürfe lauteten: Verdacht auf mehrfachen Einbruch, Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage, hinzu kommen Verkehrsdelikte und illegaler Aufenthalt.

Während dieser Zeit korrespondierte der Häftling regelmässig mit seiner Frau und auch mit seiner Ex-Frau, mit der er drei Kinder hat. Der Staatsanwalt kontrollierte die Briefe und machte sich den Inhalt zu nutzen.

Während eines Verhörs fragte der Staatsanwalt den Häftling in Anwesenheit seiner neuen Frau: «Wenn ich die Briefe von Ihnen an Ihre Ehefrau und an Ihre Ex-Frau vergleiche, finde ich in den Briefen an Ihre Ehefrau sehr wenige Emotionen, im Unterschied zu jenen an Ihre Ex-Frau. Können Sie mir das erklären?»

Ehefrau fand das gar nicht lustig

Die Ehefrau war darüber wenig erfreut. Inzwischen läuft laut «Sonntagsblick» ein Scheidungsverfahren. Der Mann ist entrüstet: «Es geht doch nicht, dass ein Staatsanwalt meine private Post ausplaudert und so meine Frau gegen mich aufhetzt!»

Der ausserordentliche Staatsanwalt gab dem Ehemann recht. Der redselige Staatsanwalt habe sich der Amtsgeheimnisverletzung schuldig gemacht. Im Strafbefehl schreibt der ausserordentliche Staatsanwalt: «Der Beschuldigte hat mit dieser Frage ohne begründeten Anlass Informationen aus dem Geheimbereich seines Untersuchungsgefangenen an eine Drittperson weitergegeben.» Insbesondere habe der Staatsanwalt seine Frage «unnötigerweise in Anwesenheit der Ehefrau des damaligen Beschuldigten gestellt».

Zu bedingter Geldstrafe verurteilt

Der redselige St. Galler Staatsanwalt wurde zu einer bedingten Eine bedingte Geldstrafe von 30 Tagessätzen von 230 Franken verurteilt. Zudem muss er die Kosten des Verfahrens von 500 Franken tragen.

(taw)