Eltern vor Gericht

13. Juni 2019 13:07; Akt: 13.06.2019 15:04 Print

Aus Not spielten Kinder mit ihrem eigenen Kot

Weil ein tunesisches Ehepaar in Arbon TG seine Zwillingsmädchen vernachlässigt hat, wurde es nun verurteilt. Die Eltern geben sich gegenseitig die Schuld.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Eine ganze Stunde warteten Richter und Anwälte auf den angeklagten Vater der Zwillingsmädchen aus Arbon. Der IV-Rentner musste von der Polizei ins Gericht gebracht werden, schreibt die «Thurgauer Zeitung» am Mittwoch. Der Mann kann sich aufgrund von Beinprothesen nur noch auf zwei Krücken fortbewegen. Seiner Nochehefrau und ihm wird vorgeworfen, dass sie die Erziehungs- und Fürsorgepflicht gegenüber den Zwillingskindern vernachlässigt haben.

Den beiden Mädchen habe es an regelmässigen Essens- und Schlafzeiten gefehlt, ausserdem sei ihnen gesunde Nahrung verwehrt geblieben. Weil sie nicht genug an die frische Luft gekommen seien und sich die Eltern nicht mit den Kindern beschäftigt hätten, hätten sie aus Verzweiflung sogar angefangen, mit ihrem eigenen Kot zu spielen.

Bekannt wurden die Missstände laut der «Thurgauer Zeitung», nachdem die Kindsmutter ihrem Ehemann während einer Auseinandersetzung den Arm gebrochen hatte. Er musste ins Spital und zeigte daraufhin seine Frau an, weil sie die Kinder vernachlässigen würde. Das war vor zwei Jahren. Die Resultate der Vernachlässigung stellten damals Kinderärzte fest: Die dreijährigen Mädchen seien in ihrer Entwicklung ein ganzes Jahr zurück.

Eltern geben sich gegenseitig die Schuld

Im Gerichtssaal schoben sich die Eltern die Schuld gegenseitig in die Schuhe. Die Frau gab an, die Mädchen hätten Angst vor ihrem Vater gehabt: Er habe mit den Krücken auf sie eingeprügelt.

Der Vater wehrt sich: Seine Frau habe ihn fast täglich geschlagen. Er vergleicht den Fall mit seiner eigenen körperlichen Misshandlung in seiner Kindheit. Im Gegensatz dazu sei es gar nichts, was die Kinder erlebt hätten.

2000 Franken Genugtuung für die Mädchen

Mittlerweile sind die Mädchen fünf Jahre alt und die Eltern getrennt. Die Zwillinge wohnen nun bei der Mutter, die Unterstützung bekommt. Der Vater habe seine Töchter seit zwei Jahren nicht gesehen.

Letztendlich wurden sowohl Mutter als auch Vater verurteilt. Für die Mutter kam es zu einer Busse von 1800 Franken und Gerichts-und Verfahrenskosten von 3800 Franken. Der Mann musste 4000 Franken Busse und 4600 Franken an die Gerichts- und Verfahrenskosten zahlen. Die Kinder sollen eine Genugtuung von je 2000 Franken bekommen.

(mwa)