Preisdumping

27. März 2017 05:54; Akt: 27.03.2017 05:54 Print

Ausbeutung in St. Galler Asylzentren?

Vorwürfe an den Kanton St. Gallen und das Bundesverwaltungsgericht: Sie sollen eine Sicherheitsfirma beschäftigen, die ihre Mitarbeiter ausbeutet.

storybild

Für die Bewachung mehrerer Asylzentren im Kanton St. Gallen wurde ein Stundenansatz von 37 Franken vereinbart. Im Bild das Asylzentrum Bergruh in Amden. (Symbolbild) (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Kanton St. Gallen und das Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen sollen mit einer Sicherheitsfirma zusammenarbeiten, die Preisdumping betreibt, schreibt der «SonntagsBlick» in der aktuellen Ausgabe.

Umfrage
Fühlten Sie sich auch schon ausgenützt durch Ihren Arbeitgeber?
49 %
20 %
14 %
17 %
Insgesamt 970 Teilnehmer

Im Zentrum der Kritik steht die St. Galler Sicherheitsfirma Verkehrsüberwachung Schweiz (VüCH). Wie die Zeitung schreibt, zeigt eine Leistungsvereinbarung zwischen der VüCH und dem Kanton St. Gallen, dass für die Überwachung von mehreren Asylzentren im Kanton ein Stundenansatz von 37 Franken vereinbart wurde.

«Auffällig günstig»

Dieser Ansatz lässt Gewerkschafter und Branchenkenner aufhorchen. Für einen Bewachungsjob sei ein Stundenansatz unter 45 Franken auffällig günstig, sagt ein Sprecher der Konkurrenzfirma Securitas. Arnaud Bouverat von der Gewerkschaft Unia kritisiert den «Dumping-Vertrag»: Solche Preise seien vielmals «das Hauptproblem für die schlechten Arbeitsbedingungen der Sicherheitsbranche». Oft würden die Auftraggeber nur die Preise beachten. «Und das, ohne dass man die Firma genauer anschaut», so Bouverat.

Genau dies sei bei der VüCH aber angezeigt, sagen die Gewerkschaft und ehemalige Mitarbeiter. So sei ein Mitarbeiter der Firma nach einem mehrstündigen Nachteinsatz bis morgens um 5 Uhr bereits um 10 Uhr wieder im Einsatz gestanden, schreibt der «SonntagsBlick». «Bei der Firma werden die Ruhe- und die Maximalarbeitszeiten nicht eingehalten», erzählen ehemalige Mitarbeiter gegenüber der Zeitung. Belegen können sie dies mit Stundenabrechnungen.

Keine Berufsbildung

Wegen der nicht eingehaltenen Ruhezeiten, den kurzfristigen Einsätzen und dem ständigen Wechsel zwischen Tag- und Nachtarbeit sei ein Ex-Mitarbeiter krank geworden. Ein von der Sicherheitsfirma aufgebotener Vertrauensarzt diagnostizierte bei dem Mann eine Erschöpfung. Trotzdem habe sich der Mann das Krankentaggeld, das ihm zustand, vor Gericht erkämpfen müssen. Andere Ex-Mitarbeiter stünden mit ihrer Klage noch am Anfang, so die Zeitung.

Grundsätzlich sind private Sicherheitsfirmen ab zehn Angestellten dem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) der Branche unterstellt. Aber: «Es ist einfach, eine Sicherheitsfirma zu gründen», sagt Arnaud Bouverat, der sich bei der Gewerkschaft Unia für die Angestellten in der Sicherheitsbranche kümmert. Entsprechend gebe es schwarze Schafe. Weder gebe es eine Berufsbildung für Security-Leute noch andere Voraussetzungen.

20 Stunden Ausbildung

Theoretisch sei es aber so, «dass 20 Stunden Ausbildung für jeden neuen Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma Pflicht sind», so Bouverat weiter. Weil die Einhaltung dieser Standards aber in der Verantwortung der Arbeitgeber liege, würden sich nur die wenigsten Firmen daran halten.

Für 20 Minuten war bei der VüCH am Sonntag niemand erreichbar. Martin Haueter von VüCH sagte aber zum «SonntagsBlick»: «Bei der Erstellung der Angebote berücksichtigen wir die betriebswirtschaftlichen Aspekte, die Mindeststandards des GAV sowie die Entwicklungsstrategie des Unternehmens.»

(nab)