Arosa GR

15. April 2018 18:47; Akt: 16.04.2018 07:36 Print

Bär bekam nur faules Obst und Gammelfleisch

Silva verbrachte fast sein ganzes Leben in Gefangenschaft und bekam Zucker, Obst und Gammelfleisch zu fressen. Körperlich erholt er sich, aber kommt er in der Freiheit in Arosa zurecht?

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Obwohl Silva zu einem Zirkus in Serbien gehörte, ist er dort wohl nie aufgetreten. Die serbische Regierung hatte 2009 den Auftritt von Grosswildtieren verboten. Carsten Hertwig von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten: «Er war in einem winzigen, vermüllten und verrosteten Metallkäfig der Sonne und dem Regen ausgesetzt.» Silva ist 11 Jahre alt und kam über Umwege in den Besitz eines serbischen Zirkus. Das Schloss seines Käfigs auf dem Gelände des Zirkus war komplett verrostet. «Wir gehen davon aus, dass er seinen Käfig seit 2009 nie mehr verlassen hat», so Carsten Hertwig. Als er befreit wurde, musste man den Käfig mit einer Trennscheibe öffnen. Obwohl Vier Pfoten schon 2010 auf Silva aufmerksam wurde, konnte der Bär erst 2016 befreit werden. Silvas Zustand bei der Befreiung war desolat, wie Carsten Hertwig sagt. «Silva hat jahrelang nur verfaultes Obst und Gammelfleisch bekommen.» Dennoch war der das Tier nicht etwa abgemagert, sondern total verfettet. «Dies lag vielleicht daran, dass er auch noch Zucker erhielt. Und natürlich konnte er sich kaum bewegen.» Dem Bär fehlen ein Teil seiner Zunge und mehrere Zähne, zudem ist sein Kiefer beschädigt. «Tiere in so extremer Gefangenschaft beissen oft in die Gitterstäbe», erklärt Carsten Hertwig. Manchmal würden sie sich auch selber verletzen. Warum dauerte Sivas Martyrium so lange, wenn sein Fall doch schon seit 2010 bekannt ist? Zum einen lag dies den örtlichen Behörden, die die Tierschutzgesetze nur lasch umsetzten. Dem Bär fehlen noch heute ein Teil seiner Zunge und mehrere Zähne, zudem ist sein Kiefer beschädigt. Im Moment lebt Silva in einem Zoo der serbischen Stadt Palic, wo er auf den Transport nach Arosa wartet. Er wird voraussichtlich im August der erste Bewohner der Anlage sein. Im Bärenland Arosa, seinem neuen Zuhause, wird Silva daher erst mal unter Beobachtung eines Wildtierbiologen gestellt, um zu sehen, wie er sich in der Freiheit verhält. Ob der Eisbär-Braunbär-Mischling mit den anderen Bewohnern auskommen wird ist offen. «Vom Wesen her ist Siva sehr ruhig und freundlich», so Hertwig. Zudem steht eine Zahnbehandlung an, damit er wieder normal fressen kann. «Es ist schwierig abzuschätzen, was die Langzeitfolgen der Gefangenschaft ausmachen», meint Hertwig.

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Bär Silva ist 11 Jahre alt. Als er in Serbien befreit wurde, musste man seinen Käfig mit einer Trennscheibe öffnen. Das Schloss war komplett eingerostet. Am Sonntag wurde bekannt, das der Bär im Bärenland Arosa ein neues Zuhause finden wird.

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Tiere im Zirkus, dafür oder dagegen?

Obwohl Silva zuletzt zu einem Zirkus in Serbien gehörte, ist er dort wohl nie aufgetreten. Die serbische Regierung hatte 2009 den Auftritt von Grosswildtieren verboten. «Wir gehen davon aus, dass er seinen Käfig nie mehr verlassen hat», so Carsten Hertwig, Bärenexperte der Tierschutzorganisation Vier Pfoten. Erst 2016 wurde der Bär von Tierschützern befreit, obwohl Vier Pfoten schon 2010 auf ihn aufmerksam wurde. Hertwig: «Silva war in einem winzigen, vermüllten und verrosteten Metallkäfig der Sonne und dem Regen ausgesetzt.»


Vier Pfoten hat von Silvas Befreiung ein Video gemacht (Video: Vier Pfoten)

Silvas Zustand bei der Befreiung war desolat, wie Carsten Hertwig sagt. «Silva hat jahrelang nur verfaultes Obst und Gammelfleisch bekommen.» Dennoch war das Tier total verfettet. «Dies lag vielleicht daran, dass er auch noch Zucker erhielt. Und natürlich konnte er sich kaum bewegen.» Dem Bären fehlen ein Teil seiner Zunge und mehrere Zähne, zudem ist sein Kiefer beschädigt. «Tiere in so extremer Gefangenschaft beissen oft in die Gitterstäbe», erklärt Carsten Hertwig. Manchmal würden sie sich auch selber verletzen.

Bär unter Beobachtung

Im Bärenland Arosa wird Silva erst mal unter Beobachtung eines Wildtierbiologen gestellt, um zu sehen, wie er sich in der Freiheit verhält. «Es ist schwierig abzuschätzen, was die Langzeitfolgen der Gefangenschaft ausmachen», so Hertwig. Ob der Eisbär-Braunbär-Mischling mit den anderen Bewohnern auskommen wird, ist offen. «Vom Wesen her ist Silva aber sehr ruhig und freundlich», so Hertwig. Zudem steht eine Zahnbehandlung an, damit er wieder normal fressen kann.

Warum dauerte Silvas Martyrium so lange, wenn sein Fall doch schon seit 2010 bekannt ist? Zum einen lag dies den örtlichen Behörden, die die Tierschutzgesetze nur lasch umsetzten. Als endlich ein Konfiszierungsbeschluss vorlag, tauchte der Besitzer unter. Später legte er auch noch Berufung ein, was Silvas Martyrium noch verlängerte. Hertwig: «Er hat wirklich gelitten.»

Wird Silva 30 Jahre alt?

Im Moment lebt Silva in einem Zoo der serbischen Stadt Palic, wo er auf den Transport nach Arosa wartet. Er wird voraussichtlich im Juli oder August der erste Bewohner der Anlage sein und hier einen neuen Namen erhalten. Wenn er Glück hat, wird er dort doch noch einen Grossteil seines Lebens verbringen. Bären können bis zu 30 Jahre alt werden, so Hertwig: «Ich würde es ihm sehr gönnen, wenn er diese Jahre in Gesellschaft eines Weibchens verbringen könnte.»

(tso)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • nepo am 15.04.2018 19:00 Report Diesen Beitrag melden

    Scham

    die Menschheit richtet die Welt in rasendem Tempo zugrunde. Manchmal und auch jetzt gerade wieder wo ich diesen Artikel lese, schäme ich mich, Mensch zu sein.

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  • Stp am 15.04.2018 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich!

    Hoffe die Verbrecher die das getan hatten sind heute in diesem Käfig!

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  • Spaniel am 15.04.2018 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freue mich sehr

    Ja - ich freue mich dass der Bär in Arosa ein zu Hause gefunden hat. Hoffe dass die Übersiedelung so rasch wie möglich erfolgen kann. Alles Gute Meister Petz - werde Dich besuchen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • marko 33 am 16.04.2018 20:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Ich hoffe nicht

  • Elli am 16.04.2018 12:09 Report Diesen Beitrag melden

    Bär aus Osteuropa findet zuhause in der CH

    Der Bär kommt aus Serbien. Hat es nicht in der Schweiz auch Leute aus Serbien. Interessieren die sich für solch einen Bär? Würden die einen solchen Bören in Arosa besuchen?

  • paws am 16.04.2018 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Daumen runter

    An alle, die Daumen runter gegeben haben, könnt ihr mir sagen wieso?! Für mich unverständlich und herzlos, kein Wunder geht die Welt zugrunde bei solchen Mitmenschen

  • Tierfreund am 16.04.2018 10:18 Report Diesen Beitrag melden

    Vierpfoden hat versagt

    Sie wussten es und haben ihn vorsätzlich weitere sechs Jahre dort gelassen, nur um jetzt grosse mediale Aufmerksamkeit zu erhaschen. Davon hat der Bär gar nix.

    • angelina am 16.04.2018 12:38 Report Diesen Beitrag melden

      gefährlich!

      sie sind nicht gut informiert, diese bären kann man leider nicht einfach so retten...die sind in "privatbesitz" und da muss lange gehandelt werden. da stehen bewaffnete jäger, die diese tiere nicht freiwillig geben, da gehen emotionen hoch!!

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  • Lilly Wolf am 16.04.2018 10:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arosa( Bär)

    Arosa , berühmte Ferien Ort, für gut Verdiener! Und so was ! Das arme Tier ! Ich gehe prinzipiell nicht in Zoo oder Zirkus ! Nur drum, das ist gar nicht möglich die Tiere gerecht zu erhalten, sie brauchen sein Leben ! Freiheit???noch dazu Die Dressuren ?? Grauenhaft???

    • Omar am 16.04.2018 14:57 Report Diesen Beitrag melden

      @ Lilly Wolf

      Wer etwas leistet, darf sich auch was gönnen, übrigens, warum nicht am Arbeiten um diese Zeit, ein Schelm wer da böses denkt:-)

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