Urteil

29. Juni 2015 16:58; Akt: 29.06.2015 16:58 Print

Banker veruntreute 10 Millionen – 5 Jahre Knast

von Reinhold Meier - Der ehemalige Leiter der Raiffeisenbank Mels muss fünf Jahre ins Gefängnis. So das Urteil des Kreisgerichts. Der Mann hat rund zehn Millionen Franken veruntreut.

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Die Raiffeisenbank in Mels. (Bild: Google Street View)

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Es dauerte zehn Jahre, bis der 57-Jährige aufflog. Nun verurteilte ihn das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland wegen Betrugs, Veruntreuung, Urkundenfälschung, ungetreuer Geschäftsführung und Beihilfe zum Steuerbetrug.

Zu den Opfern des 57-Jährigen zählten 24 finanzstarke Kunden, vor allem ältere Menschen, die ihm nahe standen und die besonderes Vertrauen zu ihm hatten. Ihre Vermögensverluste konnte der 57-Jährige über Jahre kaschieren.

Die Verluste waren aus hochspekulativen oder unberechtigten Buchungen entstanden. Sie zogen einen Rattenschwanz von sich stets ausweitenden Ausgleichsversuchen nach sich.

Profitiert von den Machenschaften hatten andere Kunden, die Bank und er selbst. Für sich hatte der Mann rund eine Million abgezwackt. Dies alles, um als erfolgreicher Vermögensverwalter dazustehen, wie das Gericht nun festhielt.

Kundenunterschriften erschlichen

Zu seinen Tricks gehörten so genannte Schubladengeschäfte – je nach Kursentwicklung wird entschieden, wem ein Wertpapier zugeteilt wird – aber auch erschlichene Faustpfandverschreibungen, falsche Wertschriften sowie fiktive Vermögensausweise.

Dabei nützte der Mann seine «in allen Belangen äusserst starke Machtposition» aus, wie das Gericht feststellte. Schliesslich hatte der 57-Jährige nicht nur die operative Verantwortung, sondern gleichzeitig auch die Aufgabe des Kontrolleurs.

Erst bei einer Revision im September 2011 kam alles ans Licht. Die Freistellung des 57-Jährigen sorgte weitherum für Aufsehen. Die Bank versprach allen Geschädigten, die Verluste vollständig zu ersetzen.

Alle Forderungen anerkannt

Der 57-Jährige gilt im Wesentlichen als Alleintäter. Und weil er sich früh umfassend geständig zeigte, wurde das abgekürzte Verfahren angewandt. Die Ansprüche der Bank wurden bereits im Sommer 2014 mit einem Vergleich geregelt. Zudem hat der Banker die Forderungen der betroffenen Kunden anerkannt und ist seinen daraus folgenden Verpflichtungen nachgekommen.

Weil er schon seit April 2012 im vorzeitigen Strafvollzug sitzt, gilt seine jetzt gefällte Gefängnisstrafe seit vier Wochen als abgesessen. Dies, weil er dank guter Führung den üblichen Erlass in Höhe von einem Drittel erhalten hat. Unter Anrechnung der Untersuchungshaft sass er somit 40 Monate im Gefängnis. Das Gericht behaftete ihn zuletzt erneut auf allen Zivilansprüchen und legte ihm zudem die Kosten des Verfahrens in Höhe von 78'000 Franken auf.