Hefenhofen TG

03. August 2017 16:40; Akt: 03.08.2017 17:28 Print

Bauer lässt Pferde verhungern und tot liegen

In Hefenhofen im Thurgau soll Ulrich K. Pferde unter schrecklichen Verhältnissen halten. Nun wurde er von einer früheren Mitarbeiterin angezeigt.

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Die Bilder, die die Ex-Mitarbeiterin von Ulrich K. zwischen April und Juli schoss, sind erschütternd: Im eigenen Kot stehen kranke Pferde, abgemagert bis auf die Rippen. Oft gebe es bloss verschimmeltes Brot zu fressen. Mindestens 13 Tiere sollen in dieser Zeit auf dem Hof von Ulrich K. in Hefenhofen TG gestorben sein.

Die Frau hat ihn Ende Juli angezeigt, wie «Blick» berichtete. Auch Erwin Kessler vom Verein gegen Tierfabriken (Vgt) handelte und schickte der Thurgauer Regierung einen Brief, in dem er die sofortige Beschlagnahmung der Tiere verlangte. «Die Regierung lässt den notorischen Tierquäler seit Jahren gewähren, weil sie Angst vor ihm haben», heisst es im Brief. Er bezeichnet den Fall als «skandalöse Tiertragödie, die von den Behörden grobfahrlässig und amtspflichtwidrig bis heute nicht verhindert» werde.

Trotz Tierhalteverbot passierte nichts

Regierungsrat Walter Schönholzer bestätigte den Eingang der Strafanzeige gegenüber der Nachrichtenagentur sda.
Die Anschuldigungen von Kessler weist er allerdings zurück. Das Veterinäramt beschäftige sich seit Jahren intensiv mit dem Hof und mache regelmässige Kontrollen. «Die im laufenden Jahr erfolgten Kontrollen – auch externe – haben keine derartigen Missstände wie auf den Bildern gezeigt», sagt Schönholzer.

Dies widerspricht den Aussagen von Rechtsanwältin Claudia Steiger, Präsidentin der Stiftung Tiere in Not - Animal Help, die seit 2007 mit dem Fall Ulrich K. zu tun hat. Sie bekommt von verschiedenen Quellen regelmässig Bilder vom Hof, die sie allerdings nicht verwenden dürfe, weil die Informaten Angst vor Ulrich K. hätten. «Er hält seine Tiere seit Jahren unter grauenhaften Bedingungen. Das ist dem Veterinäramt bestens bekannt», sagt Steiger.

Obwohl Ulrich K. 2011 wegen Tierquälerei verurteilt wurde, verhängte das Veterinäramt erst 2014 ein Tierhalteverbot gegen Ulrich K. «Dabei ging es derart dilettantisch vor, dass das Bundesgericht dieses Verbot 2016 aufhob», so Steiger. Sie übt deshalb Kritik am zuständigen Kantonstierarzt Paul Witzig. «Geht es um die Beschlagnahmung von Katzen oder Hunden aus dem Ausland, kann das Veterinäramt umgehend handeln. Im Falle von Ulrich K. scheint Herr Witzig vollkommen überfordert, und das trotz wiederholtem Angebot juristischer Unterstützung», sagt Steiger. Regierungsrat Schönholzer hingegen meint: «Kantonstierarzt Witzig und die Mitarbeitenden vom Kantonalen Veterinäramt machen Ihre Aufgaben sehr pflichtbewusst. An die Verfahrensabläufe haben wir uns aber peinlich genau zu halten.» Derzeit besteht lediglich ein Teiltierhalteverbot, welches Ulrich K. zur Haltung von bis zu 60 Pferden berechtigt. «Effektiv hält er derzeit aber rund 140 Pferde, was aber offenbar bei den kantonalen Kontrollen nicht bemerkt wurde», so Steiger.

Paul Witzig konnte keine Stellung nehmen, da er zurzeit in den Ferien ist.

Ulrich K. bedrohte auch Menschen

Ulrich K. ist kein unbeschriebenes Blatt. Er ist mehrfach vorbestraft, auch vom Bundesgericht. Im Sommer 2007 etwa wollte er ein Jungpferd beschlagen, doch das Tier wehrte sich. Er ging so brutal gegen das Pferd vor, dass es starb. Zwei Jahre später wurde er dafür zu einer Geldstrafe von 300 Tagessätzen à 30 Fr. sowie einer Busse von 2000 Fr. verurteilt.

Doch nicht nur gegen Tiere habe sich K. aggressiv verhalten. «Wir waren 2007 auf seinem Hof, um uns ein Bild von den Zuständen zu machen», sagt Steiger. Sie seien freundlich von Frau K. begrüsst und durch den Hof geführt worden. «Plötzlich kam Herr K. angerannt. Er hat wohl bemerkt, dass wir vom Tierschutz sind und drohte, uns zu erschiessen, wenn wir seinen Hof nicht sofort verlassen würden», so Steiger. Ulrich K. wurde für diese Drohung verurteilt. Auch Tierschützer Kessler sagt, er sei von Ulrich K. tätlich angegriffen worden.

Ulrich K. selbst war für 20 Minuten nicht erreichbar.

(air)