Keine Abnehmer

13. Juli 2019 08:23; Akt: 13.07.2019 08:23 Print

Bauer verschenkt seinen ganzen Nüsslisalat

Die Grosshändler wollten ihn nicht: Nach der Hitze im Juni sieht der Nüsslisalat von einem Güttinger Bauern nicht mehr perfekt aus. Jetzt verschenkt er ihn.

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«Wir haben alles Mögliche getan, um das zu vermeiden. Trotzdem mussten wir zusehen, wie der Nüsslisalat verbrennt», sagt Micha Krähenbühl, Landwirt aus Güttingen TG, zu TVO. Ein Teil wäre eigentlich bedenkenlos essbar gewesen, trotzdem wollten ihn die Grosshändler nicht mehr im Verkauf haben.

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Lebensmittelverschwendung – das kommt für das Ehepaar Krähenbühl nicht infrage. Sie entschieden sich deshalb dazu, den Nüsslisalat zu verschenken. «Es war die letzte Option. Ansonsten hätte man ihn entsorgen müssen», so der Bauer gegenüber 20 Minuten. Auf rund einer halben Hektare Land konnten die Leute den Nüsslisalat selber pflücken. «Die Reaktionen waren bisher alle positiv. Viele konnten es gar nicht glauben.» Auch ein Vater aus Kreuzlingen begab sich mit seinem Sohn auf das Feld, um etwas vom Salat abzubekommen: «Man hat immer das Gefühl, das Zeug wächst im Laden. Mit dieser Aktion können die Kinder einmal sehen, woher das Ganze wirklich kommt», sagt er zu TVO.


TV-Beitrag von TVO

Krähenbühl kann das Verhalten der Grosshändler teils nachvollziehen. Trotzdem: Er wünscht sich, dass die Qualitätsnormen, wann Gemüse in den Verkauf kann und wann nicht, zugunsten der Produzenten angepasst wird. «Es gibt 2.-Klasse-Gemüse, aber auch das ist es wert, gegessen zu werden.»

Flexible Qualitätsmerkmale gefordert

Die Gemüseproduzenten-Vereinigung TG/SH hat sich genau das zum Ziel gesetzt: Die Normen sollen flexibel an die herrschenden Wetterbedingungen angepasst werden. «Wenn es beispielsweise extrem heiss gewesen ist, wiegt ein Eisbergsalat weniger. Das Normgewicht von 350 Gramm sollte in so einem Fall heruntergesetzt werden», sagt Ralph Bötsch, Vizepräsident der Vereinigung. Nach einer Hitzeperiode, wie sie kürzlich herrschte, würden Eisbergsalate oft nur noch 300 Gramm wiegen, was für den Handel Grund genug sei, das Produkt nicht zu verkaufen.

Flexible Qualitätsmerkmale sollen auch für Produkte gelten, die etwa Druckstellen von Hagelkörner oder Ähnlichem aufweisen. Diesbezüglich befinde man sich in Gesprächen mit dem Detailhandel.

Ob es wieder einmal Gratisgemüse abzuholen gebe, müsse situativ entschieden werden: «Das geht nur, wenn ich nicht gleich wieder etwas Neues anpflanzen muss», erklärt der Landwirt. Völlig ausgeschlossen sei eine weitere Verschenk-Aktion aber nicht.

(mwa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Elli El am 13.07.2019 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratis...

    Ich hoffe, er hat was bekommen von den Abnehmern!

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  • BettyBio am 13.07.2019 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unsägliche Verschwendung

    Uns geht es einfach zu gut! Schafft endlich diese unnötigen Normen ab!

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  • Tonto am 13.07.2019 10:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeit muss sich lohnen

    Hoffe, die Leute geben freiwillig paar Fränkli...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pedro am 17.07.2019 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Nüsslisalat hat im Sommer keine Saison!

    Nüsslisalat ist für unsere Detailhändler der wichtigste Salat - mehr als 10% vom Frische-Umsatz (Salat, Gemüse etc.) wird mit Nüsslisalat erwirtschaftet. Dazu kommt, dass die Konsumentinnen und Konsumenten leider das ganze Jahr, an Ostern, Pfingsten, am Grillfest im Sommer und an Weihnachten Nüsslisalat essen wollen. Die Produzenten haben viele "Tricks" wie z.B. Nebelregner, damit der Nüssli auch im Sommer wächst ohne Stressränder und optische Einbussen. Aber irgendwann ist die Natur stärker. Nüsslisalat gehört wie beim Grosi im Herbst und Frühling auf den Tisch!

  • Jakob am 14.07.2019 19:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Könnt ja dem Bauern doch für seine Arbeit etwas ge

    Nicht die Grosshändler sind Schuld sondern der Konsument der diesen Salat nicht mehr kaufen würde.

    • Moni E. am 14.07.2019 20:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jakob

      Der Konsument hat ja gar keine Möglichkeit, diese Produkte beim Grosshändler zu kaufen, weil sie dort gar nicht erst ins Sortiment aufgenommen werden! Meine Einkäufe erledige ich deshalb je länger je mehr direkt auf dem Wochenmarkt oder ab Hof.

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  • Rena am 14.07.2019 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    ich frage mich

    Ich frage mich was das soll...es werden nur bestimmte Mengen an Gemüse und Obst abgenommen vom Grosshändler..dann sollte es noch perfekt sein. So dass man den Preis hochhalten kann, der Rest geht in die Tonne. Was soll das. Letztes Jahr durften die Bauern keine Früchte mehr bringen, wie Kirschen oder Zwetschen, es seien zu viele. Den Rest kann man sich denken. Für mich gibt es das eine, beim Erzeuger einkaufen.

  • Konsument am 14.07.2019 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Konsumenten bitte ernst nehmen

    Solange uns Konsumenten nur schöngespritzte Ware präsentiert wird hat man ja keine Wahl. Solange Lebensmittel exakt in die geformten Plastikschalen der Grossverteiler passen müssen wird sich nichts ändern. Weniger schöne Ware = weniger Pestizide, das will der informierte Konsument.

  • Leo Nauber am 13.07.2019 22:36 Report Diesen Beitrag melden

    Saisonal bitte

    Nüsslisalat ist ein Wintersalat. Wer ihn für jetzt anbaut ist selber schuld. Wenn nicht mal der Gemüsebauer saisonal anbaut....