Rapperswil-Jona

23. Oktober 2014 19:11; Akt: 21.04.2016 12:07 Print

Behörde nimmt Mutter achtjährigen Sohn weg

Im Februar beauftragte die Kesb die Polizei, einen achtjährigen Knaben in seiner Schule abzuführen. Seitdem weiss die verzweifelte Mutter nicht, wo ihr Sohn ist.

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Im Schulhaus Weiden führten die Polizisten den achtjährigen Samuel ab. (Bild: Katharina Wernli Phothography)

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Seit dem 7. Februar weiss die 41-jährige Denise Keller aus Jona nicht, wo ihr Sohn Samuel* ist. Grund: Die Polizei hat ihn im Auftrag der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) Linth im Schulhaus Weiden abgeführt. «Am schlimmsten ist die Ohnmacht», sagt Keller gegenüber den «Obersee-Nachrichten». Mehrere Zusammenbrüche hat die Mutter seither erlitten, achtmal musste sich Keller Infusionen stecken lassen. Und mit der Mutter des Knaben leidet auch dessen Grossmutter Anni Keller.

Zweifel an der Mutter

Angefangen hatte alles mit einem Streit um den Vaterbesuch. Nach den Besuchen mit seinem Vater habe sich Samuel immer seltsam verhalten. Laut der Grossmutter kein Wunder: «Sein Vater sass wegen Drogendelikten in Untersuchungshaft», so Anni Keller gegenüber 20 Minuten. Einmal habe Samuel seinen Vater sogar im Wald gesucht, während dieser in Clubs und Bars unterwegs gewesen sei. Aufgrund dieser Tatsachen schaltete die Mutter eine Kinderpsychiaterin ein.

Wie die Grossmutter sagt, war diese zum Ergebnis gelangt, dass das Kind sexuell misshandelt wurde. Die Kesb wollte von dem Ganzen aber nichts wissen und begann an der Mutter zu zweifeln. Ihr wurde vorgeworfen, dass sie ihre Mutterpflichten nicht erfüllen könne, weil sie zu 100 Prozent arbeite. Tagsüber kümmerte sich die Grossmutter um den Buben.

Polizei führt Samuel in Schule ab

Die Kesb wollte daraufhin Samuel in der Schule mitnehmen, scheiterte allerdings, weil sich dessen Lehrerin wehrte. Der Achtjährige konnte deshalb zu seiner Grossmutter fliehen. «Als er bei mir ankam, war er ausser Atem. Er konnte kaum sprechen», sagt die Grossmutter. Dann der Schock für die Mutter: Am Morgen des 7. Februar betraten zwei Polizisten das Schulzimmer im Joner Schulhaus Weiden und führten den Achtjährigen vor den Augen seiner Mitschüler ab.

Danach rief die damalige Kesb-Chefin Johanna Gämperli bei Anni Keller an und sagte: «Samuel kommt nicht nach Hause. Wir haben Ihrer Tochter die Obhut entzogen.» Man habe den Jungen bei einer Pflegefamilie untergebracht.

Einmal pro Woche telefonieren

Einige Wochen später erhielt die Mutter einen Brief von der Kesb, in dem stand, dass Kleider und der Krankenkassen-Ausweis von Samuel benötigt würden. Er leide an einem Pilzbefall. Nach rund einem halben Jahr der Ungewissheit durfte Denise Keller ihren Sohn im August zum ersten Mal sehen – unter Aufsicht der Kesb und an einem neutralen Ort. Doch dann der erneute Schock für die 41-jährige Mutter. Ihr wurde das Besuchsrecht wieder entzogen, weil Samuel an Heimweh litt und deshalb nicht zur Schule konnte. Nur noch einmal hat Keller ihren Sohn seit dem Besuchsverbot gesehen. Wenigstens darf sie jeden Mittwoch von 18 bis 18.30 Uhr mit ihm telefonieren – wiederum unter Aufsicht der Kesb.

Ob sie ihren Samuel jemals wiedersieht, weiss die Mutter nicht. Der Fall ist zurzeit bei der Justiz in St.Gallen hängig. Dies bestätigt Stefan Zürn, Abteilungspräsident der Verwaltungsrekurskommission, auf Anfrage.

Walter Grob, Präsident der Kesb Linth, kann auf Grund seiner Schweigepflicht keine Stellung zum Fall von Samuel nehmen. Wie er allerdings sagt, werde die Polizei nur in Notfällen zur Hilfe geholt. «Wenn sich eine Person trotz mehrmaliger Aufforderung weigert, unseren Einladungen Folge zu leisten, können wir die Polizei einschalten», so Grob. Die Kinderpsychiaterin war für 20 Minuten nicht zu erreichen.

(jeh)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mimi am 23.10.2014 19:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstherrlich

    Ich bin so wütend! In welchem Jahrzehnt leben wir eigentlich? Ich dachte, dass die schreckliche Zeit, wo man selbstherrlich den Fahrenden einfach die Kinder wegnahm, vorbei sei! Bin selber Grossmutter und könnte aus der Haut fahren! Einem 8 jährigen muss man doch auch Gehör schenken! Diese KESB... einfach unglaublich!!

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  • die da am 23.10.2014 19:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo leben wir?

    Solche Geschichten machen mir (AE mit Tochter) Angst. Vorallem die Begründung, dass der Entscheid so gefällt wurde, weil die Mutter hochprozentig arbeitet - und auch die Betreuung des Kindes familiär abgesichert war. Was erwartet der Staat? Lieber gar nicht arbeiten und auf Kosten der Steuerzahler leben und im Anschluss an die Erziehungsaufgabe den Wiedereinstieg in der Berufswelt zu erschweren? Manchmal versteh ich die Schweiz nicht mehr...

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  • Lillibeth am 23.10.2014 19:34 Report Diesen Beitrag melden

    KESB abschaffen

    Gibt es eine Initiative, die die Abschaffung der KeSB fordert? Das wäre das Beste; dann muss sich die Politik mit diesem Gesetz und der Behörde befassen, das Volk kann abstimmen. Ich würde sofort unterschreiben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nachdenkliche am 25.10.2014 02:12 Report Diesen Beitrag melden

    Traumatisierte Kinder, AUF der Muetter .

    Das Resultat solcher Aktionen sind dann traumatisierte Kinder und Jugendliche und Muetter, die nicht mehr arbeiten koennen und IV beziehen muessen...

  • n.k. am 25.10.2014 00:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mami

    Ist denn völlig egal was der Junge möchte? Ich hoffe das nimmt ein gutes Ende, schließlich leben wir im 2014! Ein trauchiger Fall, wenn keiner den Wunsch des Jungen berücksichtigt! Um dies zu rechtfertigen sollten erhebliche Gründe bestand haben, sonst muss man sowas entschädigen!!!

  • Flora am 24.10.2014 23:32 Report Diesen Beitrag melden

    Mutter wegen verleumdung verurteilt!

    Kenne den Fall leider aus nächster Nähe! Fragt doch die Damen mal, mit welcher Begründung das Kind in Sicherheit gebracht wurde, wieso die Dame wegen Verleumdung verurteilt wurde und wie sämtliche Urteile durch sämtliche Instanzen ausgegangen sind! Als Mami will ich nur das Beste für meine Kinder. Aber leider sind nicht alle Mütter so. Es gibt auch Mütter, die massiv gegen das Kindeswohl handeln. Es ist aber leichter für sie, als Opfer hingestellt zu werden. Die Behörden haben zu 100% richtig gehandelt. Meiner Meinung nach eher zu spät, doch daran ist unser Rechtssystem schuld.

  • M&ms am 24.10.2014 22:12 Report Diesen Beitrag melden

    Kinderpsychiaterin

    Bin leider auch eine Erfahrene.. Ich möchte die Rolle der Psychiatrin unterstreichen. Wie oben steht hat alles mit Besuchstreiten und Psychiatrin angefangen. Die Psychiatrin hat sicher die Kesb informiert und dazu beigetragen dass alles eskaliert. Die Psychiatern sind leider nicht da um in schwieriger Situation zu helfen, sie machen es nur schlimmer in dem sie es einfach weitersagen und in dem sie dem Patient 'helfen' in eigenen Problemen zu 'ertrinken', und in dem sie dem Patient nicht glauben (wie oben beschrieben). Leider ist es so, wer nicht glaubt soll ausprobieren!

  • Mami am 24.10.2014 21:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles Gute

    Wünsche der Mami von Marco viel Kraft und hoffe Sie kann Ihren Marco bald wieder in die Arme schliessen.