Kristallhöhlen-Mord

22. Februar 2016 20:06; Akt: 22.02.2016 21:05 Print

Behörden verweigern Autoren Akteneinsicht

Vor bald 34 Jahren wurden Karin Gattiker (15) und Brigitte Meier (17) ermordet. Ein Täter wurde nie gefasst. Recherchen zum Fall gestalten sich schwierig, Akteneinsicht wird verweigert.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Glarner Journalist und Buchautor Walter Hauser rollte am Wochenende den Kristallhöhlen-Mord wieder auf. Der ungeklärte Mord an zwei Mädchen aus Goldach von 1982 bewegt die Menschen aus der Region bis heute.

Umfrage
Soll Mord verjähren?
4 %
95 %
1 %
Insgesamt 2814 Teilnehmer

Bei seinen Recherchen biss er bei der St. Galler Justiz jedoch auf Granit. Gern hätte der Jurist und ehemalige Kantonsrichter Hauser nachgelesen, welche Aussagen verschiedene Verdächtige in den Untersuchungsakten zu Protokoll gaben.

Doch sein Akteneinsichtsbegehren wurde von der St. Galler Staatsanwaltschaft abgelehnt (siehe Box). Im Fall der Kristallhöhlen-Morde seien alle Verfahren eingestellt: «Rechtlich ist alles abgeschlossen. Wenn sich heute ein Täter melden würde, könnte er strafrechtlich nicht mehr belangt werden», so die Staatsanwaltschaft.

Verfahren endeten mit Freisprüchen

Die Staatsanwaltschaft betont, dass gegen verschiedene Verdächtige seinerzeit ermittelt wurde und zahlreiche Verfahren eröffnet wurden. «Alle Strafverfahren endeten mit Freisprüchen.» Somit sei es nicht seriös, wenn nun ein Architekt oder ein mittlerweile verstorbener Höhlenwart oder andere Personen in Zeitungsartikeln erwähnt würden, ohne dass neue Fakten vorliegen würden oder ihnen vorgängig die Möglichkeit eingeräumt würde, sich rechtlich gegen allfällige Verdächtigungen zur Wehr zu setzen, schreibt die Staatsanwaltschaft.

Das sieht der Journalist und Jurist Hauser anders: «Der Architekt wurde x-fach öffentlich erwähnt. Nur weil ein Verfahren eingestellt wurde, heisst das noch nicht, dass sich die Öffentlichkeit dafür nicht mehr interessieren darf.»

Mit Fragen gelöchert

In seinem Artikel werde auch niemand beschuldigt. Es gebe einzig die Aufforderung, der oder die Täter sollen sich stellen.
«Mir leuchtet es nicht ein, wieso die Akten zur journalistischen Recherche nicht freigegeben werden. Schliesslich ist die Öffentlichkeit nach wie vor sehr an der Aufklärung einer der bekanntesten ungelösten Mordfälle der Schweiz interessiert», so der Journalist.

Das zeigen auch Reaktionen, die der Buchautor Peter Beutler erhält. Er hat einen Krimi verfasst, der sich eng an den Kristallhöhlen-Mord anlehnt. «Vergangenen Freitag wurde ich nach einer Lesung in Rorschach mit Fragen der Zuhörer regelrecht gelöchert», so Beutler. Das zeige, wie sehr das Thema der lokalen Bevölkerung auch über dreissig Jahre nach dem Mord noch unter den Nägel brennt.

(jeb)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schweizer am 22.02.2016 20:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverjährbarkeit her

    Solche Verbrechen dürften nie verjähren. In anderen Ländern verjährt Mord nie. Aber in der Schweiz ist ja alles anders!

    einklappen einklappen
  • Markus Schmidt am 22.02.2016 20:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Finde es unglaublich dass solche Verbrechen verjähren!!!Denkt jemand an die hinterbliebenen?

  • der Anwalt am 23.02.2016 06:24 Report Diesen Beitrag melden

    Einsicht

    wenn Akteneinsicht verwehrt wird, dann haben die was zu verbergen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jane38 am 23.02.2016 07:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    warum

    weshalb tut man das den familien wieder an und fängt wieder an zu graben und zu fragen?. kann man den zwei mädchen nicht die ruhe lassen und den familien ihr leben?

  • Roger am 23.02.2016 07:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fehler

    warum keine akteneinsicht? könnte nach 34 jahren ermittlungsfehler aufgedeckt werden?

  • der Anwalt am 23.02.2016 06:24 Report Diesen Beitrag melden

    Einsicht

    wenn Akteneinsicht verwehrt wird, dann haben die was zu verbergen.

    • flomne am 24.02.2016 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @der Anwalt

      Sehe ich genauso

    einklappen einklappen
  • Markus am 23.02.2016 06:14 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentlich Logisch

    Dass einem Kriminalbuchautor Akteneinsicht verweigert wird, wenn er den betreffenden Fall bereits im Vorfeld zum Eigeninteresse ausgeschlachtet hat, ist ja wohl nachvollziehbar, oder?

  • Realist am 23.02.2016 01:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1993 DNA Fall hätte ev. gelöst werden können

    Ich vermute einmal, dass es Versäumnisse seitens der Polizei gab. 1982 ereignete sich der Fall. 1993 wurden die ersten Verbrechen mittels der damals revolutionären Technik der DNA im Nachhinein gelöst. Der Fall "verjährte" aber erst 2002. Zeit genug also, um diesen Fall nochmals aufzurollen.

    • Sugus-ch am 23.02.2016 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Realist

      1982 kannte man den DNA Test noch nicht, und trotzdem ist es für dich selbstverständlich das damals proben gesichert wurden? Und die Tat ist 2012 verjährt.

    • Realist am 23.02.2016 18:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sugus-ch

      Stellen Sie sich vor: in etlichen Mordfällen wurden Beweise gesichert welche heute noch in Asserwatenkammern gut aufbewahrt werden. Darauf können sich Blut- und andere Spuren befinden, die heute mittels DNA weitere Erkenntnisse zu Tage fördern. Wurde schon mehrfach in anderen Fällen angewandt.

    einklappen einklappen