Trotz erneuter Vorwürfe

13. Dezember 2019 17:32; Akt: 13.12.2019 17:32 Print

Deutscher erhält Pass beim zweiten Anlauf

Nachdem sein erstes Einbürgerungsgesuch wegen Gerüchten abgelehnt wurde, hat es beim zweiten Versuch geklappt – obwohl sich die Nachbarin weiterhin wehrte.

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Weil seine Nachbarin vor gut eineinhalb Jahren Gerüchte über ihn verbreitet hatte, wurde sein Gesuch zur Einbürgerung von den Salensteinern mit 51 Nein- zu 29 Ja-Stimmen abgelehnt. Die Frau warf dem Mann vor, überhaupt nicht integriert zu sein, keine Arbeit zu haben und gar nicht in Fruthwilen zu wohnen. Zudem behauptete sie, er habe bei seinem Nachbarn eingebrochen, als dieser in den Ferien war.

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Da der Deutsche nicht auf die Anschuldigungen vorbereitet war, konnte er sich nicht angemessen verteidigen. Er legte Rekurs ein, dem stattgegeben wurde: Das Departement für Justiz und Sicherheit (DJS) argumentierte unter anderem, dass der Mann gut integriert sei, auch wenn er während der Woche überwiegend berufsbedingt in Zürich sei. Seine Freizeit verbringe er überwiegend in Salenstein. Der Zutritt in die Wohnung des Nachbarn sei ihm erlaubt gewesen, da seine zu dieser Zeit renoviert wurde. Er habe sogar den Schlüssel dafür gehabt.

Am Mittwoch fand eine erneute Abstimmung statt, wie die «Thurgauer Zeitung» berichtet. Mit 77 Ja- zu 34 Nein-Stimmen wurde sein Gesuch bei der zweiten Abstimmung schliesslich angenommen. «Ich möchte mich bedanken für die Unterstützung, die ich von verschiedenen Seiten erhalten habe», sagte der Konstanzer. Die Situation sei für ihn nicht einfach gewesen, er sei insbesondere dankbar für die Unterstützung der Gemeinde und des Gemeindepräsidenten.

Nachbarin lässt keine Ruhe

Auch die Nachbarin meldete sich bei der Gemeindeversammlung erneut zu Wort. Sie klagte, an den Pranger gestellt worden zu sein, und sagte: «Wir müssen ihn nicht einbürgern, wenn wir nicht wollen.» Auch auf ihre Vorwürfe griff sie nochmals zurück. So beschuldigte sie den 47-Jährigen, gar nicht in Fruthwilen zu wohnen und die Medien zu nutzen, um seinen Schweizer Pass zu erzwingen. Auch den Gemeindepräsidenten Bruno Lorenzato liess die Salensteinerin nicht unverschont. «Ihr Verhalten deutet darauf hin, dass Sie die Bürger mundtot machen wollen», sagte sie.

Lorenzato entgegnete, dass das Verfahren korrekt abgelaufen sei, und ergänzte: «Wenn wir jemanden mundtot machen wollten, hätten Sie heute nicht so lange reden dürfen.» Den Ausgang der Abstimmung hat die Nachbarin wohl nicht mehr mitbekommen: Noch vor der Bekanntgabe, dass der gebürtige Konstanzer eingebürgert werde, verliess sie den Saal.

(del)