Kirchberg SG

11. April 2019 08:28; Akt: 11.04.2019 10:42 Print

Bub (13) wird von Polizei aus Schule geholt

Ein Polizist hat den 13-jährigen Kilian kürzlich in der Schule abgeholt und aufs Revier gebracht. Er soll gestohlen haben. Die Mutter ist über das Vorgehen empört.

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«Mein Sohn wurde einfach aus der Schule abgeführt und ohne mein Wissen auf die Polizeistelle gebracht», sagt Valeska Jansen aufgebracht zu 20 Minuten. Die Mutter von zwei Söhnen habe ihren Ohren nicht getraut, als vergangenen Donnerstag die Polizei anrief. Im Gespräch sei ihr mitgeteilt worden, dass sich ihr 13-jähriger Sohn auf dem Polizeirevier in Bazenheid SG befinde.

«Ich wurde gefragt, ob ich bei der Einvernahme dabei sein wolle. Er ist doch erst 13. Ich dachte, das ist selbstverständlich», so Jansen. Natürlich sei sie sofort zum Polizeiposten gefahren, um ihren Sohn zu unterstützen. Erst dort habe sie erfahren, was Kilian genau vorgeworfen wird: «Er soll Ende März ein Mofa entwendet und zuvor ein Velo gestohlen haben», erzählt seine Mutter.

«Er wird behandelt wie ein Schwerverbrecher»

Auf die Vorwürfe habe Kilian überrascht reagiert und versichert, nichts damit zu tun zu haben. Als Beweis für die Schuld des 13-Jährigen wurden Mutter und Sohn zwei Videos vorgelegt. Die Aufnahmen stammen von der Überwachungskamera des Velounterstands an Kilians Schule. Seine Mutter ist skeptisch: «In den Videos sieht man nur, wie mein Sohn mit weiteren Schülern dort stand und sich auf eines der Mofas setzte.» Sie befürworte dieses Verhalten zwar nicht, aber ihr Sohn sei ein 13-jähriger Bub, der Mofas einfach nur «cool» finde. Zudem wurden die Videos erst Tage nach dem Verschwinden des Mofas aufgezeichnet.

Nach der Befragung bei der Polizei habe sie Kilian zurück in die Schule gebracht. Als er am Mittag nach Hause gekommen sei, sei er allerdings total aufgelöst gewesen. «Er erzählte uns, dass die anderen Kinder ihn nun wie einen Schwerverbrecher behandeln würden und Gerüchte über ihn im Umlauf seien.» Die Familie ist sauer: «Man hätte ihn auch nach der Schule vorladen können.Wenn man mich zuerst informiert hätte, hätte ich ihn auch vorbeigebracht.» Dass aber ein uniformierter Polizist in die Schule kam und ihren Sohn einfach mitnehmen konnte, ist für die Mutter unverständlich. «Die Schule hat in meinen Augen ihre Aufsichtspflicht verletzt. Es hätte tausend andere Möglichkeiten gegeben, das ohne grosses Aufsehen zu regeln.»

Polizei verteidigt Vorgehen

Auf Nachfrage bei der Kantonspolizei St. Gallen verteidigt diese ihr Vorgehen. Laut Mediensprecher Gian Andrea Rezzoli hat man bewusst eine Lektion gewählt, in der der Bub vom Direktor aus der Klasse herausgeholt werden konnte. Im Fall von Kilian sei es der Werkunterricht gewesen. «Die Schüler werden nicht abgeführt, sondern im Schulleiterbüro abgeholt und mit einem zivilen Fahrzeug zur Polizei gefahren.» Der Schulleiter sei vorgängig informiert worden.

Dieses Vorgehen werde gewählt, wenn es aus ermittlungstaktischen Gründen Sinn ergebe, so Rezzoli. «Die gesetzlichen Vertreter werden in jedem Fall informiert. Diese können dann über eine Teilnahme entscheiden.» Ob der Bub weiterhin als Verdächtiger gilt, ist unklar. Rezzoli: «Über die laufenden Untersuchungen können keine Auskünfte erteilt werden.»

Für Jansen ist indes klar: «Was mich und meinen Sohn angeht, wurde das Vertrauen in die Schule massiv missbraucht und erschüttert.»

(juu)