Ökologie

11. Dezember 2008 14:07; Akt: 11.12.2008 14:15 Print

Bündner wollen Kehricht im Kanton behalten

Der Kanton Graubünden will dem Wildwuchs in der Kehrichtentsorgung Einhalt gebieten. Aller Kehricht aus Graubünden soll neu in der Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) in Trimmis im Churer Rheintal verbrannt werden. Im Moment wird Bündner Kehricht bis nach Horgen «exportiert»

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Die KVA in Trimmis ist die einzige auf Bündner Boden. Deren Kapazität reicht gemäss heutiger Planung bis ins Jahr 2020 aus, um allen Kehricht aus Graubünden zu entsorgen.

Dennoch wird Kehricht nach wie vor exportiert. In die KVA nach Niederurnen GL werden die Abfälle aus dem Oberengadin und dem Bergell, dem Puschlav und dem Bündner Oberland geliefert. In der KVA Horgen ZH landen die Siedlungsabfälle aus dem Münstertal.

Diese Lösungen wurden getroffen, weil zu Beginn dieses Jahrzehnts das Deponieren brennbarer Abfälle landesweit untersagt worden war und in Trimmis noch nicht genügend Kapazität zur Verfügung stand. Für allen Kehricht aus Graubünden reicht die Kapazität seit der Inbetriebnahme eines neuen Verbrennungsofens vor drei Jahren.

Kürzere Transporte

Mit der Teilrevision des Umweltschutzgesetzes werden die acht Abfallbewirtschaftungsverbände im Kanton grundsätzlich verpflichtet, alle Siedlungsabfälle zu einem Einheitspreis nach Trimmis zu liefern.

Die Regel sei aus ökologischen und ökonomischen Gründen angebracht, argumentierten Regierungsrat Claudio Lardi und die Mehrheit der Vorberatungskommission: Die Zahl der Transporte könne vermindert und die KVA besser ausgelastet werden, was die Verbrennungskosten senke.

Ein Vertreter der Minderheit sprach hingegen von der Schaffung eines Monopols und nannte dies einen «ordnungspolitischen Sündenfall».

Opposition gab es auch, weil die Trimmiser KVA dem grössten Verband, dem Gemeindeverband für Abfallenstorgung in Graubünden (Gevag) gehört und nur die ihm angehörenden Nordbündner Gemeinden über allfällige Investitionen entscheiden können.

Umsetzung dauert

Der Antrag, das Geschäft deshalb zurückzuweisen mit dem Auftrag, eine Lösung zu präsentieren, welche die Mitsprache aller Kommunen garantiert, lehnte das Parlament mit 73 zu 26 Stimmen ab.

Die Gesetzesrevision wurde schliesslich mit 69 zu 21 Stimmen gutgeheissen. Bis die neue Regel greift, dauerte es jedoch noch Jahre: Sie wird erst wirksam, wenn die bestehenden Verträge auslaufen. Die Surselva hat sich bis 2012 zu Lieferungen nach Niederurnen verpflichtet, das Oberengadin und das Bergell bis 2020.

Zudem lässt das Gesetz auch Ausnahmen zu. So kann die Regierung Entsorgungen ausserhalb des Kantons bewilligen, wenn diese deutlich günstiger sind und der Export ökologische Vorteile bringt. Von dieser Ausnahmeregelung profitieren könnten Bündner Südtäler.

(sda)