Patent-Anforderungen zu lasch?

12. September 2018 18:02; Akt: 15.09.2018 12:54 Print

Don-Camillo-Wirt bringt Bumann zur Verzweiflung

Wirt Emiliano vom Restaurant Don Camillo in Hörhausen TG lässt TV-Restauranttester Daniel Bumann verzweifeln. Sein Fall wirft Fragen zur Thurgauer Wirtezulassung auf.

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Derzeit ist Daniel Bumann in der elften Staffel von «Bumann, der Restauranttester» auf dem Sender 3+ zu sehen. Sein aktuellster Fall führt ihn in das italienische Restaurant Don Camillo in Hörhausen TG. Wirt Emiliano Ferrara leitet das kleine Restaurant. Als seine einzige Mitarbeiterin jedoch kündigt, ist er auf sich allein gestellt. Emiliano ist Koch, Servicepersonal und Gastgeber in einem. Zudem hat er kaum einen Tag frei. Bumann versuchte ihm zu helfen, jedoch mit mässigem Erfolg. Auch wenn Emiliano laut Bumann ein «ausgezeichneter Koch» ist, wird er es wegen seiner mangelhaften Organisation und seiner Sturheit sehr schwer haben. «Ich weiss nicht, ob man da noch irgendetwas retten kann», sagt Bumann vorausschauend. Er legt Emiliano ans Herz, eventuell einen anderen Weg einzuschlagen oder erneut in Italien sein Glück zu versuchen. Dennoch wünscht er Emiliano viel Glück. Er sieht das Problem nicht primär beim Wirt, sondern im System: «Die Hauptursache, wieso sich Läden herunterwirtschaften, ist, dass heute jeder, der Lust hat, einen Gastrobetrieb zu eröffnen, das auch tun kann.» Dies selbst dann so, wenn jemand von diesem Metier keine Ahnung habe und nicht einmal die deutsche Sprache beherrsche. Deshalb setzt sich der ehemalige Sternekoch für eine schweizweit gesetzlich geregelte Wiedereinführung des Wirtepatents ein. Im Department für Justiz und Sicherheit in Frauenfeld widerspricht man der Kritik am Konzept. «Die Prüfung ist nicht leicht. Neben Bern und Luzern haben wir eine der strengsten», sagte die juristische Sachbearbeiterin Ivana Roth gegenüber 20 Minuten.

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Derzeit flimmert die elfte Staffel von «Bumann, der Restauranttester» auf dem Sender 3+ über die Bildschirme. Die Ausgangslage: Viele Schweizer Gastronomen wirtschaften am Limit und haben teils zu wenig Ahnung von ihrer Branche. Genau da kommt Restauranttester Bumann zum Zug. Sein aktuellster Fall ist ein italienisches Restaurant im Kanton Thurgau.

Bumanns letzter Fall führte ihn in das italienische Restaurant Don Camillo in Hörhausen TG (Video: 3+)

Emiliano Ferrara führt in Hörhausen ein kleines italienisches Restaurant, doch seine Arbeitsweise sorgt für Probleme: Nachdem seine einzige Mitarbeiterin gekündigt hat, will er alles selbst übernehmen – Küche, Service und Einkauf. Auch ist er nicht zufrieden mit seinen Gästen, denn diese wünschen Pizza, doch er möchte italienische Spezialitäten aus der Küche und nicht aus dem Ofen servieren. Immer öfter bleiben die Tische in seinem Restaurant leer.

Starkoch Bumann versucht, dem Italiener – der zudem kaum Deutsch spricht – logistisch und konzeptionell zu helfen. Mit mässigem Erfolg: Ferrara erweist sich als dickköpfig und beratungsresistent. Bumann ist zusehends ratlos: «Ich weiss nicht, ob man da noch irgendetwas retten kann», sagt er zum Schluss. Er legt Ferrara ans Herz, einen anderen Weg einzuschlagen oder erneut in Italien sein Glück zu versuchen.

Wirtepatent zu lasch?

Der Fall von Ferrara wirft grundsätzliche Fragen zum Thurgauer Wirtepatent auf. Der ehemalige Sternekoch Bumann setzt sich für eine gesetzlich geregelte Wiedereinführung des Patents ein: «Damit ist es nicht mehr so leicht, sich ins Verderben zu stürzen», sagt er. Angehende Wirte erlangen so die wichtigsten Grundkenntnisse in Buchhaltung, Betriebsführung, Recht oder Hygiene. In vielen Kantonen wurde das Patent im Zuge einer Liberalisierung in den letzten Jahren abgeschafft.

Nicht so im Thurgau: Hier wird das Patent nach wie vor verlangt. «Die Prüfung ist nicht leicht. Neben Bern und Luzern haben wir eine der strengsten und umfassendsten Prüfungen der Schweiz», sagt Ivana Roth, juristische Sachbearbeiterin im Department für Justiz und Sicherheit in Frauenfeld. Grundsätzlich befähige das Bestehen der Prüfung zur Führung eines Gastronomiebetriebes.

«Dümmer wird man davon nicht»

Was also ist im Fall des Don Camillo schiefgelaufen? Gemäss Recherchen von 20 Minuten profitierte Wirt Ferrara von einer Ausnahmeregelung: Wer einen Fähigkeitsausweis vorlegen kann und über drei Jahre Arbeitserfahrung als Küchenchef oder Wirt verfügt, kann die Thurgauer Prüfung umgehen. Ferrara ist gelernter Koch und hat tatsächlich in Italien ein Restaurant geführt, wenn auch erfolglos.

Müssen die Thurgauer Gastro-Bestimmungen also angepasst werden? Ivana Roth sieht keinen Anlass dazu. Beim Thurgauer Wirteverband hingegen sieht man Handlungsbedarf: «Wir ziehen von den Ausnahmeregelungen ein schlechtes Resümee», sagte Ruedi Bartel, Präsident von Gastro Thurgau, am Mittwoch gegenüber 20 Minuten. Er setzt sich für eine Abschaffung der Ausnahmeregelung ein, da es die Wirteprüfung ja nicht ohne Grund gebe. «Die vier Wochen schaden niemandem, und dümmer wird man davon nicht», so Bartel.

(juu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rigor Mortis am 12.09.2018 18:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausnahmeregelung?

    Auch ich durfte als ausgewiesener Fachmann das Wirtepatent machen. War der einzige von über 30 Prüflingen mit Gastronomie Hintergrund / Erfahrung / Ausbildung / höherer Prüfung. Mein Fazit zum Wirtepatent: Ist wie der Führerschein - viel lernen um die Prüfung zu bestehen, aber man kann es dann immer noch nicht. Es sollte bei den "Kernberufen" des Gastgewerbes (Koch, Kellner, HoFa) im Fähigkeitszeugnis beinhaltet sein, für die nicht Gastronomen eine Prüfung obligatorisch - Gesamtschweizerisch.

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  • Yannick95 am 12.09.2018 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wirten?

    diese sendung hat ja eigendlich gezeigt wieso niemand mehr in die gastro will.. im italienischen restaurant schnipo fordern und fürs menu nur 14.- zahlen.. dann kann man wirklich direkt zulassen..!

  • W. Meier am 12.09.2018 18:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit Wirteprüfung ist man kein Wirt

    Die Wirteprüfung bringt auch nichts wenn einer die Arbeit nicht mit Herzblut macht. Ist bei allen Berufen so. Für Buchhaltung hat man Profis. Die Wirteprüfung zeichnet keinen Wirt aus.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jape am 13.09.2018 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    TV lukrativer ?

    Sorry ich kenne keinen Betrieb der durch die Sendung mit Bumann sehr gut läuft oder überhaupt noch existiert. Der Herr ist ein Selbstdarsteller und hat schnell bemerkt, das es sich im Fernsehen besser verdiene lässt als hinter dem eigene Herd zu stehen. Sonst hätte er schon lange wieder ein eigenes Geschäft und müsste nicht Leute peinlich vorführen.

  • Rembär am 13.09.2018 07:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit gutem Willen geht alles

    Wieso soll die Wirteprüfung eingeführt werden, wenn diese so Wervoll ist würden betreffend Hygiene genau die Wirte nicht am laufmeter von der Lebensmittelkontrolle gerügt werden, den wen jemand im Besitz der Wirteprüfung ist werden sie Sturrer und lassen sich nicht mehr belehren. Schwarze Schafe gibt es in jeder Berufsgattung. Beim Volg, Coop ect. z.B. kann man Filialleiter werden ohne Verkaufs ausbildung

  • French Pig am 13.09.2018 06:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hart

    An jeden der sich über den harten Ton von Herrn Bumann ärgert: Schaut mal eine Sendung mit Gordon Ramsay. ;D

  • Gastgewerbler am 13.09.2018 05:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirteprüfung muss bleiben

    Auch ich war der einzige aus dem Gastgewerbe (Koch), als ich die Wirteprüfung machte. Und bei uns sind auch einige durchgefallen, das lag auch am Deutsch der Teilnehmer, und einfach weill sie keine Ahnung von diesem Metier haben. In einer Zeit wo alle mit allem Geld machen wollen, darf man so eine Prüfung nicht abschafen. Sonst erst recht gute Nacht Gewerbe.

  • Köbeli am 12.09.2018 22:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Regulierung ist unnütz

    Hört auf mit dem Schrei nach mehr Regulierung. Ein Wirt, der es nicht im Griff hat, verschwindet automatisch von der Landkarte.